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Globaler Machtkampf : Die Rückkehr höherer Ölpreise

Rasanter Anstieg: Der Ölpreis hat in den vergangenen zehn Tagen rund sechs Dollar je Fass zugelegt. Bild: AP

Bisher war der Sommer ein Traum für Autofahrer. Doch mit dem billigen Benzin könnte es bald vorbei sein.

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          Es war ein Sommer des billigen Öls. Wer mit dem Auto verreiste, durfte sich über einen Dieselpreis knapp über einem Euro oder einen Preis für Superbenzin unter 1,30 Euro je Liter freuen. Heizöl erreichte mit 43 Cent je Liter sogar den niedrigsten Augustpreis seit immerhin zwölf Jahren. Das alles sind Folgen des ungewöhnlich niedrigen Rohölpreises auf den Weltmärkten. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete Anfang des Monats kurzzeitig sogar weniger als 42 Dollar – das war extrem wenig angesichts von Preisen mehr als 50 Dollar vor wenigen Monaten, wenn auch die Tiefstände um die 28 Dollar vom Jahresanfang nicht wieder erreicht wurden.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die große Frage im Moment ist: Dreht sich das jetzt? Anfang des Monats begann der Ölpreis wieder zu steigen, rund sechs Dollar je Fass hat er seither zugelegt. Die vergangenen Monate haben dabei noch mal vor Augen geführt, welch große Auswirkungen der Ölpreis als zentrale Variable der Wirtschaft auch hierzulande hat, obwohl die Machtkämpfe, die hinter seinen Schwankungen stehen, sich oft unbeeinflusst von uns in fernen Ländern abspielen. Wenn die Inflation in Deutschland im Juli bei 0,4 Prozent und nicht höher lag, dann vor allem deshalb, weil das günstige Öl die Lebenshaltung verbilligt hat; Heizöl beispielsweise kostete 18 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, Kraftstoff 11,5 Prozent. Das schont die Budgets der Verbraucher in Deutschland. Aber wie lange noch?

          Wenn man mit Ölanalysten spricht, heben sie gern hervor, dass auf den Ölmärkten weiterhin ein großes Überangebot besteht. Das macht zwar einen drastischen Anstieg der Ölpreise unwahrscheinlich. Gleichwohl gibt es zwei Dinge, die sich im globalen Machtkampf ums Öl verändert haben.

          Unternehmen mit neuen Technologien flexibler

          Die erste Veränderung ist in Saudi-Arabien zu beobachten. Das wichtige Ölförderland hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass der Ölpreis in den vergangenen zwei Jahren so stark gefallen war. Anders als in der Dramaturgie des Ölkartells Opec früher vorgesehen, hatten die Saudis nicht mehr mit einer Kürzung ihrer Fördermenge auf fallende Preise reagiert.

          Die Idee war gewesen: Der Preis sollte so weit fallen, das die Fracker in Amerika aussteigen müssen. Das hat aber offenkundig nicht funktioniert. Es gab zwar Insolvenzen einiger Förderunternehmen, aber keine Pleitewelle mit nachfolgender Bankenkrise. Im Gegenteil: Die Zahl der Förderstellen in Amerika ist recht schnell wieder gestiegen, als der Preis sich ein wenig erholte.

          Animation : Das Geheimnis des billigen Öls

          Das zeigte zum einen, dass die Ölunternehmen mit der neuen Technologie flexibler sind. Sie können mal eine Weile Pause machen und dann weiter fördern, was früher schwerer möglich war. Zum andern scheint es den Effekt zu geben, dass insolvent gewordene Förderunternehmen ihre Vorkommen billig verkaufen müssen und die neuen Eigentümer dann zu niedrigeren Kosten fördern können. Damit wird die Ölförderung effizienter und auch bei einem niedrigeren Ölpreis rentabel. So ähnlich, wie bisweilen gesagt wird, ein Hotel müsse erst viermal insolvent geworden sein, bevor es sich lohne, weil der neue Eigentümer jeweils zu niedrigeren Ausgangskosten einsteigen kann.

          BRENT

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          Die Folge könnte eine veränderte Strategie Saudi-Arabiens sein. Eine Überlegung dort ist, dass man auf Dauer weniger abhängig vom Öl sein will. Dafür soll die große Ölgesellschaft Saudi Aramco an die Börse gebracht werden, um Geld für Investitionen in andere Wirtschaftsfelder einzuspielen. Wenn die Saudis aber einen möglichst hohen Preis für dieses Unternehmen erzielen wollen, würde ein höherer Ölpreis nicht schaden. Das spräche dafür, dass das Land jetzt ernsthafter als in der Vergangenheit über ein Einfrieren der Fördermenge verhandelt.

          Iran erhöht Förderung

          Das zweite Land, in dem es Veränderungen gibt, ist der Gegenspieler von Saudi-Arabien: Iran. Die Regierung dort hatte bisher argumentiert, sich an Gesprächen über ein Einfrieren der weltweiten Ölfördermenge so lange nicht zu beteiligen, bis man zumindest wieder auf die Ölfördermenge aus der Zeit vor den westlichen Sanktionen gekommen sei. Nun hat das Land seine Förderung schon wieder ganz ordentlich erhöht. Das könnte dafür sprechen, dass die Regierung jetzt für eine Strategie des gemeinsamen Hochtreibens des Preises offener wird.

          Im September soll es das nächste große Treffen der Ölländer geben. Es wird spannend, ob sie dann aus dem Gefangenendilemma herauskommen. Bislang waren sich die Länder zwar stets einig, dass es für sie alle eigentlich am besten wäre, die weltweite Fördermenge zu drosseln und von höheren Preisen zu profitieren. Doch für jedes einzelne Land war die Versuchung groß, selbst ein größeres Stück vom Kuchen zu bekommen, indem es seine Fördermenge erhöht und so seinen Marktanteil ausweitet.

          Heinrich Peters, Ölanalyst der Helaba, glaubt, es könnte jetzt einen Ausweg aus dem Gefangenendilemma geben, weil Saudi-Arabien und Iran unter Umständen andere Interessen verfolgten als bislang. Das arme Ölland Venezuela schickt schon voll Hoffnung seine Minister zu Verhandlungen herum, damit sie vor dem Öltreffen bei den anderen um einen höheren Ölpreis betteln. Allein die Erfahrung, dass diese Verhandlungen wieder und wieder gescheitert sind, macht auch für den neuen Versuch etwas misstrauisch.

          An der Tankstelle regt sich in Deutschland allerdings nicht viel. Diesel kostet im Bundesdurchschnitt mit 1,06 Euro gerade einmal 2 Prozent mehr als zu Monatsbeginn. Der Preis für Heizöl hat dagegen kräftig um fast 12 Prozent auf 50 Cent je Liter angezogen.

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