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Kommentar : Trumps Logik ist eiskalt

Zufrieden mit sich: Präsident Trump hat gerade verkündet, dass Amerika aus dem Klimaabkommen aussteigen will Bild: AFP

Das Pariser Klimaabkommen hat viele Ziele, nicht nur den Umweltschutz. Es könnte sogar Flüchtlingsströme eindämmen - doch die will Trump offenbar lieber mit Mauern und Waffen bekämpfen.

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          Das Pariser Klimaabkommen ist unfair. Mit dieser Einschätzung hat der amerikanische Präsident Donald Trump recht. Es ist aber anders unfair, als der Präsident meint, denn: Den größten Teil der Treibhausgase haben Industrienationen in die Atmosphäre geblasen. Sie sind heute die größten Emittenten gemessen am Ausstoß pro Kopf. Allen voran gehen die Vereinigten Staaten.

          Das Pariser Klimaabkommen formuliert nun die Erwartung an die armen Länder, dass ihre Bürger weniger  fossile Energie verbrennen, als es ihre Brüder und Schwestern in den reichen Ländern über lange Jahre praktiziert haben. Arme Länder haben sich zu dem Verzicht bereit erklärt, der ihr Wirtschaftswachstum dämpfen könnte.

          Das ist hartherzig

          Um diesen Nationen  den Umbau ihrer Volkswirtschaften zu einer für das Klima freundlicheren Produktion zu erleichtern, wurde im Jahr 2010 der von den Vereinten Nationen gemanagte Green Climate Fund ins Leben gerufen, den reiche Länder wie die Vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich und Großbritannien am Anfang mit zehn Milliarden Dollar dotiert haben. Er soll auf 100 Milliarden Dollar anwachsen.

          Jetzt hat Präsident Donald Trump nicht nur die Mitwirkung der Vereinigten Staaten an dem Pariser Klimaschutzabkommen aufgekündigt, er hat auch die Einstellung der Milliardenzahlungen an den grünen UN-Fonds angeordnet. Das ist hartherzig.

          Das Pariser Abkommen verdient in der Tat eine kritische Betrachtung, was seine Wirkungsweise, seine Kosten und die möglichen Resultate angeht. Für den grünen Fonds gilt das weniger. Dieser Fonds ist der materielle Ausdruck der Erkenntnis, dass dem Klimawandel eine Asymmetrie innewohnt. Die Verursacher kommen aus reichen Ländern, die ersten Opfer sind Nationen, die mangels eigener Mittel keine Kraft haben, sich an neue klimatische Bedingungen anzupassen.

          Dies sind übrigens keine Szenario-Phantasien, welche die Vereinigten Staaten völlig kalt lassen können. Dem Krieg in Syrien ging im Jahr 2006 eine schwere Dürre voran, die nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als eine Million syrische Landbewohner veranlasste, in die Städte zu ziehen. Es folgten soziale Unruhen, die zur Entstehung des Krieges beitrugen.

          Viele Millionen Dürre-Flüchtlinge können zu einer neuen Realität werden. Nicht umsonst formulierte kein Geringerer als das amerikanische Verteidigungsministerium Pentagon im Jahr 2015, die Klimaerwärmung sei eine Bedrohung und berge die Gefahr, Leuten den Weg in den Terrorismus zu eröffnen. Die Vereinigten Staaten unter  Präsident Donald Trump wollen weniger Flüchtlinge ins Land lassen. Zudem verringern sie ihre finanziellen Beiträge zum globalen Klimaschutz, während sie die Mittel für Militär und Heimatschutz aufstocken. Die kalte Logik dahinter ist ersichtlich.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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