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Ausstieg aus der Kernkraft : Wer bringt den Atommüll weg?

  • -Aktualisiert am

Der Aktienkurs fällt und fällt

Bei RWE ist die Lage noch ein bisschen prekärer. Der Konzern kann gar nicht so schnell sparen, wie die Einnahmen sinken. Selbst wenn Gabriel seinen Gesetzesentwurf zurückziehen sollte, hätte RWE überhaupt kein Geld für eine Auslagerung der Atomkraft nach dem Vorbild von Eon. Bisher hat der Sparkurs von RWE-Chef Peter Terium das Vertrauen der Aktionäre in das Unternehmen nicht gestärkt; der Aktienkurs fällt und fällt.

Vor allem kommunale RWE-Aktionäre an Rhein und Ruhr hoffen nun auf den Staat. Bei der Aufsichtsratssitzung am kommenden Freitag wollen sie den früheren Wirtschaftsminister Werner Müller für den Aufsichtsratsvorsitz vorschlagen. Müller hatte schon im Mai angeregt, für die Finanzierung des Atomausstiegs eine Stiftung nach dem Vorbild der RAG-Stiftung zu gründen, die für die Folgekosten des Steinkohlebergbaus aufkommt.

Die Kommunen hoffen, dass er seine Verbindungen in Politik und Gewerkschaften einsetzen würde, um die Atom-Lasten von RWE auf diese Art loszuwerden, und vielleicht sogar eine Teilverstaatlichung des maroden Konzerns durchsetzen könnte. Entschieden wird am Freitag noch nichts, wie aus Aufsichtsratskreisen zu hören ist. Doch je länger der Machtkampf dauert, desto mehr dürfte Müller profitieren.

Zerschlagung der Konzerne möglich

Die Staatslösung wird umso wahrscheinlicher, je zweifelhafter es wird, ob das Geld ausreicht, das die Konzerne zurückgestellt haben, um den Atomausstieg künftig zu finanzieren. Anfang Juli gab die Bundesregierung bei Düsseldorfer Wirtschaftsprüfern einen „Stresstest“ in Auftrag, um die Tragfähigkeit dieser Rückstellungen zu ermitteln. Die Ergebnisse sollen in den kommenden Tagen veröffentlicht werden. Schon jetzt ist zu hören, dass sie vernichtend sind. Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen, heißt es, müssten die Konzerne viel mehr Geld zurücklegen als die 39 Milliarden Euro, die sie im Moment vorrätig haben. Dazu wären sie kaum in der Lage. Am Dienstag machten Spekulationen die Runde, es könnten rund 30 Milliarden Euro fehlen.

Auch das Wirtschaftsministerium ist sich der Dramatik offenbar bewusst. Eine Arbeitsgruppe feilt dort an einer endgültigen Regelung des Atomausstiegs, die nicht ganz so kämpferisch wirkt wie Gabriels Gesetzesentwurf. Man überlegt, den Konzernen über einen Fonds für den Atomausstieg zumindest einen Teil der Verantwortung für die Endlagerung des Atommülls abzunehmen. Das könnte verhindern, dass die unkalkulierbaren Risiken sie in die Pleite treiben und der Staat auf den Gesamtkosten sitzenbleibt.

Möglicherweise müssten die Unternehmen in diesen Fonds allerdings mehr einbringen als nur die bisherigen Atom-Rückstellungen, zum Beispiel einen Teil ihrer noch profitablen Geschäftsfelder. Das Ergebnis wäre eine Zerschlagung der Konzerne. Damit wäre das Ende des Atomzeitalters auch das Ende der großen Energiekonzerne.

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