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Klimaschutz nach Elmau : Kommt jetzt die globale Energiewende?

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg Bild: dpa

Die G-7-Staaten versprechen einen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas. Investoren werden nervös – und selbst die Saudis wollen Ökostrom exportieren. Ist das Ziel von Null Emissionen überhaupt erreichbar?

          Die Nachricht hat viele Staaten aufgerüttelt und viele Wirtschaftsvertreter aufgewühlt: Um den Klimawandel einzudämmen, wollen die führenden Industriestaaten bis Mitte des Jahrhunderts ihren Kohlendioxidausstoß aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas um bis zu 70 Prozent senken. Zum Ende des Jahrhunderts sollen die Netto-Emissionen auf null gesenkt werden, kündigten die Regierungschefs der G-7-Staaten beim Gipfeltreffen im bayerischen Elmau an. Aber was bedeutet die Ankündigung für Ölstaaten wie Saudi-Arabien und große Kohleexporteure wie Australien? Was wären die Konsequenzen für Öl- und Bergbaukonzerne, wenn die Politiker mit der Ankündigung Ernst machen sollten?

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Klar ist, dass durch den neuen Schwung in der Klimaschutzpolitik für die Lieferanten fossiler Brennstoffe einiges auf dem Spiel steht: Ihnen könnten die bislang besten Kunden abhandenkommen. Auf die G-7-Gruppe, bestehend aus den Vereinigten Staaten, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada und Japan, entfallen bisher rund 35 Prozent des globalen Erdölverbrauchs, 37 Prozent des Erdgas- und 20 Prozent des Kohlebedarfs.

          Energiebedarf könnte noch um 50 Prozent steigen

          Eine Welt, die ohne Kohle, Öl und Gas auskommt, erscheint heute noch ziemlich utopisch: Bisher decken die fossilen Brennstoffe fast 90 Prozent des globalen Verbrauchs an Primärenergie ab. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris prognostiziert, dass auch im Jahr 2040 und selbst bei einem starken Ausbau der erneuerbaren Energien die Klimaschädlinge Kohle, Öl und Gas noch immer rund 60 Prozent des gewachsenen Energiehungers decken werden. Vor allem in großen Schwellenländern wie China und Indien, aber auch in Afrika werde der Energieverbrauch rapide steigen. Wenn nichts geschehe, werde der Energiebedarf der Welt bis 2040 um bis zu 50 Prozent nach oben schnellen – mit potentiell fatalen Folgen für das Klima.

          Beginnt mit der Ankündigung der G-7-Gruppe nun eine globale Energiewende? „Ich bezweifle stark, dass wir uns bisher bewusst sind, was für kolossale Anstrengungen dafür nötig sein werden“, sagt Neil McIndoe, Manager der Londoner Agentur Trucost, die Investoren und Unternehmen mit Umweltdaten beliefert. „Es ist leicht für Politiker, Versprechungen zu machen, die erst lange nach ihrem Tod eingelöst werden müssen.“

          Zumindest aber gibt es immer mehr Signale, die auf ein Umdenken hindeuten: Saudi-Arabiens Ölminister Ali Al-Naimi verblüffte kürzlich die Teilnehmer einer Klimaschutzkonferenz in Paris mit der Prognose, das arabische Königreich könnte bis Mitte des Jahrhunderts seinen Energiebedarf ganz ohne fossile Brennstoffe decken. Stattdessen wolle das führende Land des Ölstaaten-Kartells Opec „eine Weltmacht in der Solar- und Windenergie“ werden und derart erzeugten Strom, statt Öl exportieren.

          „Bis Ende des Jahrhunderts kann die Welt definitiv die Emissionen auf null senken“, sagt Ben van Beurden, Vorstandschef des größten europäischen Öl- und Gaskonzerns Shell. Der Niederländer schränkt aber ein, dass es auch dann noch einen Markt für Öl und Gas geben werde, weil deren Emissionen durch neue Techniken wie die CO2-Speicherung (carbon capturing) neutralisiert werden könnten. „Anspruchsvoll, aber erreichbar“ sei daher das Null-Emissionsziel der G7.

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