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Stromausfälle auf der Krim : Kurzschluss in Russlands Versorgung

  • -Aktualisiert am

Marodes Stromnetz: Die Krim hat ein Energieproblem. Bild: dpa

Erst gestern hat die EU ihre Sanktionen gegen Russland verschärft. Die setzen Moskau zusätzlich unter Druck. Denn das Land hat große Probleme, die Krim mit Energie zu versorgen.

          Vier entführte Siemens-Turbinen sichern allein keine funktionierende Elektrizitätsversorgung. Das zeigte vor wenigen Tagen ein großflächiger Stromausfall auf der Krim. Hohe Temperaturen auf dem russischen Festland hatten zu einer Überlastung des Netzes geführt, und die Versorgung der annektierten Halbinsel über Unterwasserkabel musste abgeschaltet werden. Mit den vier Gasturbinen, die Russland trotz Sanktionen mit Tricks auf die Krim brachte, sollen zwar zwei im Bau befindliche Kraftwerke bestückt und der Strommangel endgültig beseitigt werden. Doch ist derzeit nicht klar, wie schnell dieser Plan aufgehen wird.

          Siemens lieferte die Turbinen in dem Glauben, sie seien für ein politisch ungefährliches Kraftwerksprojekt auf dem Festland bestimmt. Als Reaktion auf diesen Irrtum hat der Münchener Konzern sein Geschäft in Russland eingeschränkt. Die Lieferung von Kraftwerksausrüstung an staatliche Kunden ist so lange gestoppt, bis sie Siemens garantieren, dass die Anlagen auch dort bleiben, wo sie laut Liefervertrag hingehören. Ferner trennt sich Siemens von der Minderheitsbeteiligung an einem russischen Unternehmen, das laut Berichten an dem Schmuggel der Turbinen auf die Krim beteiligt war und helfen könnte, sie in Betrieb zu nehmen.

          Dass es mit den Siemens-Turbinen Anlaufschwierigkeiten geben könnte, ist Russland bewusst: Ende Juli kündigte das Energieministerium an, ein weiteres Kraftwerk als Auffangsystem auf der Krim zu bauen, diesmal mit einer Leistung von 100 bis 120 Megawatt. Die beiden Kraftwerke, die derzeit für die Siemens-Turbinen errichtet werden, haben eine Kapazität von zusammen 940 Megawatt. Sie sollen im ersten Halbjahr 2018 teilweise ans Netz gehen. Doch Installation, Start und Wartung solch großer, technisch höchst komplizierter Erdgasturbinen sind eine Herausforderung. Sie erfordern üblicherweise das Wissen des Herstellers – zumindest dann, wenn die Anlagen effizient und langlebig arbeiten sollen.

          Russland hat den technologischen Anschluss verloren

          Es ist klar, dass Siemens dafür auf der Krim keine Hand reichen wird. Die kleinen Gasturbinen, wie sie in dem zusätzlichen Kraftwerk verwendet werden sollen, können russische Unternehmen jedoch selbst herstellen. Das Wissen zur Fabrikation großer Turbinen hat Russland nach dem Ende der Sowjetunion verloren. In den Wirren der neunziger Jahre wurde angesichts maroder Staatsfinanzen kaum in die Stromversorgung investiert; die Hersteller verpassten den Anschluss an den Fortschritt.

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          Als nach der Jahrhundertwende der Erdölpreis stieg, wurde zwar stark in neue Großkraftwerke investiert, aber die Betreiber bevorzugten den Einkauf von Turbinen im Ausland. Nur mit deutlich mehr Zeit- und Geldaufwand hätten russische Hersteller die Lücke schließen können. Vom damaligen Standpunkt her war die Entscheidung der Kraftwerksbetreiber verständlich. Inzwischen wird in Russland zwar an der Entwicklung eigener Hochleistungsturbinen gearbeitet, aber die Serienreife ist noch nicht erreicht.

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