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Stromausfälle auf der Krim : Kurzschluss in Russlands Versorgung

  • -Aktualisiert am

Die Krim braucht neue Kraftwerke

Nach dem Ende der Stromversorgung durch die Ukraine braucht die Krim allerdings schon heute große Kraftwerke. Kohle ist auf der Halbinsel nicht vorhanden, Erdgas schon – auch dank einer Pipeline vom russischen Festland. Die benötigten Gasturbinen konnten in Russland nur vom Gemeinschaftsunternehmen Siemens Gas Turbine Technologies hergestellt werden, das Siemens dominiert und mit dem russischen Partner Power Machines betreibt. Dort wird ein Großteil der Wertschöpfung beim Bau dieser Turbinen erbracht, wenn auch noch oft mit importierten Teilen.

Ein Import ganzer Turbinen wäre hingegen unter die Krim-Sanktionen gefallen. Es ist nicht ohne Ironie, dass mit Moskaus Turbinen-Trick ausgerechnet jenes Gemeinschaftsunternehmen kompromittiert wird, das vielleicht am meisten für den Technologietransfer zum Bau dieser Anlagen nach Russland getan hat. Andere ausländische Hersteller wie General Electric aus den Vereinigten Staaten und Mitsubishi aus Japan dürften sich den Fall genau ansehen.

Der größte russische Produzent von Kraftwerksausrüstung ist Power Machines – der Minderheitspartner mit 35 Prozent an Siemens-Allianz und ein Unternehmen des Magnaten Alexei Mordaschow. Power Machines ist zugleich der größte russische Maschinenbauer. Das Unternehmen steigerte den Umsatz 2016 um 18 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar; es blieb jedoch nur ein kleiner Betriebsgewinn und unter dem Strich ein Verlust von 64 Millionen Dollar. Die Verschuldung ist hoch. Die von der Ratingagentur Moody’s Investors Service als schwach bezeichnete Finanzlage dürfte sich 2017 weiter verschlechtern. Auch die Nachfrage auf dem Inlandmarkt, auf den Power Machines angewiesen ist, sei schwach.

Investitionszyklus für neue Anlagen gerade abgeschlossen

Tatsächlich wurde in Russland ein Investitionszyklus für neue Anlagen gerade abgeschlossen. In den kommenden fünf Jahren werden laut Medienberichten Gaskraftwerke mit rund 6 Gigawatt ans Netz gehen, aber die Ausrüstung sei mehrheitlich schon gekauft. Große Kraftwerksbetreiber erklärten, der Siemens-Lieferstopp habe deshalb derzeit auf sie keine Auswirkungen – abgesehen davon, dass die Deutschen die sehr lukrativen Wartungsarbeiten an bereits gelieferter Ausrüstung ohnehin weiterführen.

Es gilt als unwahrscheinlich, dass sich Siemens in einem nächsten Schritt ganz vom russischen Markt zurückziehen könnte. Im Energieministerium werden bereits Pläne zur Modernisierung alter Kraftwerke gewälzt, die 2019 beginnt und rund 45 Gigawatt an Kapazität betreffen könnte. Das Programmvolumen wird laut der Bank Renaissance Capital auf 24 Milliarden Dollar veranschlagt. Ob sich Siemens ein Stück von diesem Kuchen entgehen lassen möchte, muss sich erweisen. Davor gewarnt hat jedoch der ukrainische Außenminister Palow Klimkin, der zugegebenermaßen parteiisch gegen Russland ist. In einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ hat er jüngst Siemens und andere Unternehmen der westlichen Welt von Geschäften mit russischen Staatsbetrieben abgeraten – und es diplomatisch formuliert: „Wenn ihr ihnen die Hand schüttelt, zählt danach eure Finger.“

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