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Energiepreise : Das teure Siemens-Rodeo in Texas

Die texanische Ölindustrie wartet auf steigende Preise. Bild: Reuters

Texas ist das Land der Ölbarone. Auch Siemens ist hier engagiert. Für den Ölausrüster Dresser-Rand haben die Deutschen viel Geld bezahlt. Das kann noch schmerzhafte Einschnitte geben.

          Amerikaner sagen gerne, dass in Texas alles größer ist als anderswo - von Essensportionen bis zu Autos. Der für Cowboyhüte und Ölbarone bekannte Bundesstaat versteht sich selbst als Ort der Superlative und fährt meistens gut damit. Die texanische Metropole Houston wurde in diesem Jahr von der Zeitschrift „Forbes“ zur am schnellsten wachsenden Stadt in den Vereinigten Staaten gekürt. Prognosen zufolge könnte Houston in zehn Jahren Chicago als drittgrößte Stadt Amerikas hinter New York und Los Angeles abgelöst haben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Den Aufstieg verdankt Houston seiner Rolle als Zentrum der Energiebranche. Hier ist jeder dritte Arbeitsplatz in der amerikanischen Öl- und Erdgasindustrie. Die Abhängigkeit von diesem Geschäft hat freilich auch eine Kehrseite, die in diesen Tagen besonders deutlich wird. Die rapide gefallenen Preise für Öl und Erdgas bremsen die Dynamik. Kostete ein Barrel Öl (159 Liter) im vergangenen Jahr noch mehr als 100 Dollar, sind es heute deutlich weniger als 50 Dollar. Die an sprudelnde Gewinne gewöhnte Industrie sieht sich auf einmal gezwungen, den Gürtel enger zu schnallen, und das macht sich in der Stadt bemerkbar. In der Houstoner Lokalpresse sind nun Geschichten von Menschen zu lesen, die ihre Arbeitsplätze in der Ölindustrie verloren haben. Taxifahrer klagen, dass sie am Flughafen doppelt so lange warten müssen, bis ein Passagier für sie abfällt.

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          All das erschwert die Ausgangslage für den Siemens-Konzern, der gerade eine gigantische Wette auf den Öl- und Erdgasmarkt eingegangen ist. Für 7,8 Milliarden Dollar haben die Deutschen im Juni Dresser-Rand gekauft, einen in Houston beheimateten Ausrüster der Öl- und Erdgasindustrie. Der Preis galt schon bei der Ankündigung der Übernahme im vergangenen Jahr als üppig und erscheint aus heutiger Sicht geradezu astronomisch, denn die Aktien von solchen Ausrüstern haben dramatisch an Wert verloren. Noch bevor die Transaktion überhaupt vollzogen war, sah sich Dresser-Rand ebenso wie viele Wettbewerber zu einem umfangreichen Stellenabbau gezwungen. Es werden Erinnerungen an andere Zukäufe wach, die sich nicht als Glücksgriff entpuppten, etwa der Diagnostikspezialist Dade-Behring, nach dessen Übernahme sich Siemens vor einigen Jahren zu einer Milliardenabschreibung gezwungen sah.

          Von so etwas will Lisa Davis im Falle von Dresser-Rand aber nichts wissen. Die Amerikanerin, die im Siemens-Vorstand für das besonders wichtige Energiegeschäft und damit auch für Dresser-Rand verantwortlich ist, beteuert, sie sehe keine Gefahr einer Abschreibung auf den Neuerwerb, selbst wenn die Ölpreise auf längere Sicht niedrig bleiben würden. „Wir halten das noch immer für einen sehr guten Einkauf,“ sagte sie im Gespräch mit Journalisten in der neuen Houstoner Zentrale für die globalen Öl- und Erdgasaktivitäten von Siemens. Von hier aus führt Davis ihren Geschäftsbereich, auch wenn sie nach eigenem Bekunden genauso viel Zeit in Deutschland verbringt wie in Houston.

          Umsatzrückgang und Verlust

          Freilich kann die Siemens-Managerin nicht die Augen vor den gegenwärtigen Turbulenzen verschließen. Sie gab zu, dass sich Investitionen von Kunden verzögert haben oder sogar ganz gestrichen worden sind. Zuletzt habe es sogar „eine zweite Phase der Abschwächung“ gegeben, als die Ölpreise weiter abgesackt sind. Schon im letzten Quartalsbericht vor dem Vollzug der Übernahme hatte Dresser-Rand einen Umsatzrückgang und einen Verlust ausgewiesen.

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