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ENBW : Atommüll auf dem Neckar

Vor dem Gemeinschaftskernkraftwerk in Neckarwestheim entsteht gerade die Anlegestelle für die Schiffe, die Atommüll abtransportieren sollen. Bild: dpa

Hochradioaktive Abfälle sollen erstmals in Deutschland auf einem Fluss transportiert werden. Der Versorger ENBW will den Neckar nutzen - eine Gemeinde protestiert schon.

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          Hochradioaktive Abfälle sollen erstmals in Deutschland auf einem Fluss transportiert werden. Entsprechende Pläne konkretisierte an diesem Montag der Karlsruher Energieversorger ENBW. Er will die letzten verbrauchten Brennelemente seines bereits abgeschalteten Kernkraftwerks in Obrigheim nach Neckarwestheim bringen – mit dem Schiff, rund 50 Kilometer flussaufwärts, auf dem Neckar.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          In Neckarwestheim nahe Heilbronn betreibt der Konzern neben einem Kraftwerk bereits ein Zwischenlager. Der Bau eines weiteren Lagers in Obrigheim für einen „unteren bis mittleren zweistelliger Millionenbetrag“ werde damit überflüssig. Und das Kraftwerk, das seit 2008 zurückgebaut wird, könne schneller wieder zur „grünen Wiese“ werden, sagte Jörg Michels, der Chef der ENBW-Kernkraftwerkssparte.

          Gemeinde will kein Endlager werden

          ENBW will nach seinen Worten 15 Castor-Behälter mit 342 verbrauchten Brennelementen auf ein antriebsloses Schiff verfrachten, das dann von einem anderen auf dem Neckar angeschoben wird. In Obrigheim gibt es schon ein Ladeterminal, das Pendant in Neckarwestheim soll bis Jahresende fertig sein. Der Transport wird also frühestens 2017 stattfinden. Zudem muss das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sowohl die zusätzliche Lagerung in Neckarwestheim als auch die Schiffspassage genehmigen. ENBW hofft, dass beide Genehmigungen bis Jahresende vorliegen.

          Die Behörde nannte keinen Zeitplan, verwies aber darauf, dass der Betreiber ein Recht auf Genehmigung habe, wenn er alle Voraussetzungen des Atomgesetzes erfülle. Michels sagte, er sei davon überzeugt, dass ein solcher Transport sicher und verantwortlich machbar sei. Die Gemeinde Neckarwestheim will die geplante Zwischenlagerung hingegen verhindern. Sie befürchtet, dass das Zwischenlager zum Endlager werden könnte.

          Ein solches Lager für hochradioaktive Abfälle existiert bekanntlich noch immer nicht. Eine von der Bundesregierung ins Leben gerufene Kommission bestimmt derzeit verbindliche Kriterien für ein Endlager, um das 2013 verabschiedete Endlagersuchgesetz zur Geltung zu bringen. Ein Abschlussbericht der Kommission liegt allerdings noch nicht vor.

          Der hochradioaktive Müll landet derweil in Zwischenlagern. Neben zwei zentralen Einrichtungen in Gorleben und Ahaus – wo vor allem Abfall aus der mittlerweile untersagten Wiederaufbereitung liegt – und Lubmin bei Greifswald, dem Lager der ehemaligen DDR-Kraftwerke, gibt es zwölf weitere Lager, unmittelbar neben Kernkraftwerken. Ziel dieser kraftwerksnahen Verwahrung ist es, den Transport zu minimieren, bis ein Endlager gefunden ist. Obrigheim allerdings hat bis dato noch kein Zwischenlager. Die Brennelemente liegen dort in einem Nasslager, das jedoch ebenfalls abgebaut werden soll.

          Der Transport von hochradioaktivem Abfall auf einem Fluss wäre ein Novum in Deutschland. Auf offener See – vor allem zur Aufbereitung ins britische Sellafield – hat es solche Transporte nach Angaben des BfS schon mehrfach gegeben.

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