https://www.faz.net/-gqe-87uid

EEG-Umlage : Die Energiewende wird wieder teurer

  • -Aktualisiert am

Windpark bei Wilster in Schleswig-Holstein Bild: dpa

Billiger Börsenstrom führt nicht zu sinkenden Strompreisen. Im Gegenteil: Die Umlage zur Ökostromförderung steigt gerade deshalb in Richtung eines neuen Rekordniveaus.

          Der leichte Rückgang der Ökostromumlage im vergangenen Jahr bleibt wohl eine Episode. Trotz Rücklagen von aktuell 3,2 Milliarden Euro dürfte die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz im nächsten Jahr ein neues Rekordniveau erklimmen. Die Fachleute der „Agora Energiewende“, die auch die Bundesregierung in energiepolitischen Fragen beraten, rechnen nach Informationen dieser Zeitung mit einem Anstieg auf 6,4 bis 6,6 Cent je Kilowattstunde. Das wäre ein neues Rekordniveau. Aktuell beträgt die Umlage 6,17 Cent nach dem 2014 erreichten vorläufigen Höchststand von 6,24 Cent je Kilowattstunde.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der Betrag, den jeder durchschnittliche Haushalt mit 3500 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr für Förderung von Strom aus Wind, Sonne und Biomasse zahlt, würde demnach von 216 Euro auf bis zu 231 Euro steigen. Hinzu kommen noch weitere, durch die Energiewende bedingte viel niedrigere Umlagen wie zur Finanzierung von Ausfällen der Offshore-Windparks oder zur Finanzierung der Erzeugung von Strom und Wärme in einem Kraftwerk (Kraft-Wärme-Kopplung).

          Auch diese KWK-Umlage wird nach den Plänen der Bundesregierung 2016 steigen, um etwa 10 Euro je Haushalt, womit die Jahresrechnung des Musterhaushaltes sich schon um bis zu 25 Euro erhöhen könnte. Die Umlagen würden auch die Bezugskosten kleiner und mittelständischer Betriebe erhöhen, die nicht von der Zahlung befreit sind.

          Grund für die höhere Umlage sind ausgerechnet sinkende Strompreise an der Börse. Dahinter steht eine einfache Mechanik: Die Ökostromerzeuger bekommen eine feste Vergütung. Die wird aufgebracht durch den Verkauf des Stroms an der Börse. Den fehlenden Betrag zahlen die Stromkunden per Umlage. Sinkt der Börsenpreis, steigt die Umlage. Das wird nach Einschätzung der Netzbetreiber, die immer Mitte Oktober die Umlage für das nächste Jahr festlegen, auch 2016 der Fall sein. Die Frage ist nur noch: wie sehr?

          Strompreis plus EEG-Umlage mit 9,7 bis 9,9 Cent konstant

          Dabei spielt die Reserve von zuletzt 3,2 Milliarden Euro eine wichtig Rolle. Allerdings wird sie vor allem aus dem Überschuss des vergangenen Jahres von 2,8 Milliarden Euro gespeist; im laufenden Jahr halten sich Einnahmen und Ausgaben beinahe die Waage. Dieses Jahr dürfte sich die Umlage auf gut 21 Milliarden Euro summieren. Basis der Berechnung war ein durchschnittlicher Verkaufspreis von 3,567 Cent je Kilowattstunde. Weil der Preis an der Strombörse wegen großer Überkapazitäten und des steten Baus neuer Wind- und Photovoltaikanlagen weiter sinkt, rechnen die Agora-Leute für 2016 mit einem Börsenstrompreis in Höhe von 3,25 Cent/kWh, also 9 Prozent weniger.

          Die für die Stromkunden maßgebliche Summe aus Börsenstrompreis plus EEG-Umlage bleibe mit 9,7 bis 9,9 Cent die Kilowattstunde rechnerisch aber weitgehend konstant. Patrick Graichen, Direktor der Agora Energiewende, meint deshalb: „In summa müssen die Stromverbraucher daher nicht mehr zahlen als heute, wenn die Stromanbieter hier ehrlich rechnen.“

          Allerdings haben viele Stromhändler sich schon zu den höheren Preisen dieses Jahres für das kommende Jahr eingedeckt. Ob und wie stark sie eine höhere EEG-Umlage kompensieren können, hängt auch von ihrer Bezugsstruktur ab. Der Kunde selbst kann allenfalls durch Wechsel oder Nachverhandlung mit seinem Lieferanten steigende Kosten vermeiden. Auf jeden Fall, sagt Graichen, bekämen die Stromkunden für ihr Geld mehr Strom aus erneuerbaren Energien: „Stammen in diesem Jahr voraussichtlich etwas mehr als 30 Prozent des Stroms aus Windkraft, Solarenergie & Co., so dürften es 2016 schon 32 bis 33 Prozent werden.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Großbritannien und Iran : Zwei Tanker und eine Retourkutsche

          Kritiker werfen der Regierung in London vor, sie sei vom Machtkampf um die Nachfolge Mays abgelenkt. Tut sie zu wenig für die Sicherheit der britischen Schiffe im Persischen Golf?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.