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Rückstellungen : Deutschland fehlen 8 Milliarden für Atomausstieg

Atomkraftwerk in Grohnde Bild: dpa

Die Bundesrepublik hat bislang Rückstellungen für 83 Prozent der bis 2050 anfallenden Kosten gedeckt. In Frankreich, Spanien und Osteuropa sieht es noch finsterer aus.

          Die deutschen Atomkraftwerksbetreiber haben zu wenig Geld für die Entsorgung von Atommüll und den Rückbau von Atomkraftwerken zurückgelegt. Die Lücke beträgt beinahe 8 Milliarden Euro. Das geht aus einem internen Arbeitspapier der Europäischen Kommission hervor. Die detaillierte Analyse des Bestands der Investitionen in die Atomkraft liegt der F.A.Z. vor. Deutschland deckt damit 83 Prozent der bis 2050 erwarteten Kosten von 45,7 Milliarden Euro. Besser schneiden unter den EU-Ländern, die Atomkraft nutzen, momentan nur die Niederlande und Großbritannien ab. Alle anderen Staaten, nicht zuletzt Frankreich und die osteuropäischen Staaten, haben hingegen teilweise gravierende Deckungslücken.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          So hat Frankreich bisher nur Rückstellungen in Höhe von 23 Milliarden Euro gebildet. Dem stehen Kosten von 74,1 Milliarden Euro für die Atommüllentsorgung und den Rückbau von Atomkraftwerken gegenüber. Die Kosten sind damit in dem stark auf Atomkraft setzenden Land nur zu 31 Prozent gedeckt. Am größten ist die Deckungslücke in Rumänien, Slowenien und Lettland. Rumänien und Slowenien haben jeweils nur rund 200 Millionen Euro für Entsorgung und Rückbau zurückgestellt, müssen aber 4,2 Milliarden Euro und 4,3 Milliarden Euro bis 2050 finanzieren. Die Kosten sind damit zu rund 5 Prozent gedeckt. Lettland wiederum hat 500 Millionen Euro bei 5,3 Milliarden Euro erwarteter Kosten zurückgestellt. Auch das sind weniger als 10 Prozent der Kosten.

          Insgesamt beträgt die Deckungslücke in der Europäischen Union momentan 120 Milliarden Euro. Statt der erforderlichen 268 Milliarden Euro haben die EU-Staaten nur 150 Milliarden Euro meist in Fonds dafür reserviert. Das sind ungefähr 56 Prozent der Gesamtkosten. Diese Zahlen aus einer von Energiekommissar Miguel Arias Cañete in Auftrag gegebenen neunseitigen Bestandsaufnahme der Investitionen in die Atomkraft in der EU, kurz Pinc, waren schon in der vergangenen Woche durchgesickert. Die Deckungslücke der einzelnen Staaten war dabei offengeblieben. Sie finden sich allerdings in dem nun vorliegenden 49 Seiten langen Anhang zu der Bestandsaufnahme.

          Wie daraus weiter hervorgeht, hat bisher keiner der neuen Mitgliedstaaten mehr als ein Viertel der Kosten für Atommüllentsorgung und Rückbau der Atomkraftwerke bereitgestellt. Allerdings liegt der Anteil auch in Spanien mit 29 Prozent der erwarteten Gesamtkosten von 14,6 Milliarden Euro nur unwesentlich darüber. Das einzige Mitgliedsland mit einer Abdeckung von 100 Prozent der Kosten von 63 Milliarden Euro ist Großbritannien. Die Zahlen basieren alle auf Angaben der Mitgliedstaaten selbst. Auffällig ist dabei, dass die Angaben der Staaten zu den Kosten für den Rückbau von Atomkraftwerken und die Atommüllentsorgung stark voneinander abweichen. So geht Tschechien beim Rückbau nur von Kosten von 250 Millionen Euro je Einheit aus, während Deutschland dafür 1,06 Milliarden Euro ansetzt. Die Kommission will das genauer analysieren.

          Endlagerinteresse

          Ein Atommülllager in einem australischen Bundesstaat könnte nach ersten Ergebnissen einer Untersuchungskommission 13 Prozent des global anfallenden Atommülls aufnehmen und sich langfristig als „hoch profitabel“ erweisen. Die Lagerung und Entsorgung von gebrauchtem Kernbrennstoff im Bundesstaat South Australia könnte erhebliche wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen, teilte die von der Regierung des Bundesstaats eingesetzte Kommission am Montag mit. Eine Anlage mit einer Kapazität von 138.000 Tonnen Schwermetall und 390.000 Quadratmetern an mittelradioaktivem Material könnte nach einem Zeitraum von hundert Jahren in einer „Reihe von Szenarien hoch profitabel“ sein, hieß es in dem vorläufigen Bericht der vor einem Jahr eingesetzten Kommission. (AFP)

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