https://www.faz.net/-gqe-8bwgr

Energiewende : Industrie warnt vor übertriebenen Kohleausstiegsplänen

  • Aktualisiert am

Kohlekraftwerk in Moorburg Bild: dpa

Der derzeitige Stand der Technologie erlaubt den vollständigen Ausstieg aus der Kohle noch nicht, sagt der BDI. Die Industrie bringe Wohlstand, Arbeitsplätze und Innovationen - gerade auch für die Energiewende.

          Nach der Einigung auf das Pariser Klimaabkommen hat die Industrie vor überzogenen Plänen zum Kohleausstieg bis Mitte des Jahrhunderts in Deutschland gewarnt. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, hält den von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) angekündigten Klimaschutzplan 2050 für übertrieben. Auch in den nächsten Jahrzehnten würden Kohle und Gas wohl benötigt.

          „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht vom Vorreiter zum Einsiedler werden“, sagte Grillo. „Wir können aus Deutschland heraus nicht das Weltklima retten.“ Alle strebten einen Rückgang der Kohlendioxid-Emissionen an. Das schließe auch nach und nach einen Rückgang der fossilen Energieträger Kohle und Gas ein: „Dazu brauchen wir keine technologiespezifischen politischen Sonderpläne.“ Dies werde der Handel mit Verschmutzungsrechten der Industrie, der sogenannte Emissionsrechtehandel, auf effizientem Wege von allein bewirken. Bei einem globalen funktionsfähigen Emissionshandel werde der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen dort eingespart, wo es am günstigsten sei.

          BDI: Industrieunternehmen sind Problemlöser und keine Dinosaurier

          Nach den Worten des BDI-Chefs muss garantiert werden, dass die Stromversorgung langfristig sicher bleibt. „Keinem ist gedient, dem Industriestandort Deutschland den Stecker zu ziehen“, sagte Grillo. „Selbst 2050 wird es nach allem, was wir heute wissen, mangels Speicherlösungen noch fossile Kraftwerke in unserem Land geben müssen - anders geht es nicht.“

          Die Politik müsse anerkennen, dass Industrieunternehmen die Problemlöser seien und keine Dinosaurier, sagte Grillo. „Wir bringen Wohlstand und Arbeitsplätze und Innovationen, gerade auch für den Klimaschutz und die Energiewende.“ Deutschland verfüge über die weltweit mit Abstand effizienteste Kohleverstromung. Es mache keinen Sinn, diese stillzulegen, wenn in China gleichzeitig regelmäßig neue Kohlekraftwerke ans Netz gehen.

          Der Klimaschutzplan 2050 soll nach Angaben von Umweltministerin Hendricks im Sommer 2016 ins Bundeskabinett gehen. Bis dahin sollen Gespräche mit Industrie und Gewerkschaften über einen „Kohleausstieg ohne Strukturbrüche“ geführt werden. Im Kern geht es darum, dass bis Mitte des Jahrhunderts auf Kohle, Öl und Gas als Energieträger verzichtet werden soll.

          Weitere Themen

          Untersuchung von Tech-Konzernen angekündigt Video-Seite öffnen

          Amerikanische Justiz : Untersuchung von Tech-Konzernen angekündigt

          Die amerikanische Regierung kündigte Untersuchungen in die Wettbewerbspraktiken einiger großer Technologie-Unternehmen an. Sollten Gesetzesverstöße festgestellt werden, werde man "entsprechend handeln", hieß es am Dienstag in einer Erklärung des Justizministeriums in Washington.

          Topmeldungen

          Boris Johnson : Alles andere als irrwitzig

          Der neu gewählte Tory-Vorsitzende und künftige Premierminister Boris Johnson ist nicht „mad“. Verrückt ist nur die Lage des Landes – drei Jahre nach dem Brexit-Referendum. Ein Kommentar
          Der radikale Konzernumbau der Deutschen Bank führt zu Milliardenverlusten im zweiten Quartal 2019.

          In drei Monaten : Die Deutsche Bank macht 3,1 Milliarden Euro Verlust

          Das größte und wichtigste deutsche Kreditinstitut will und muss sich radikal verändern. Die Belastungen durch den Umbau des Konzerns führen zu tiefroten Zahlen. Besonders betroffen ist die einst bedeutendste und berüchtigtste Sparte des Unternehmens.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.