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Gastbeitrag : Deutschlands gescheiterte Klimapolitik

  • -Aktualisiert am

Deutschland ist einer der Vorreiter dieses Trends in OECD-Ländern und hat 2013 rund 2 Milliarden Euro für Klimaprojekte im Ausland zugesagt, 90 Prozent stammten aus dem Budget des Entwicklungsministeriums. Doch das ist nicht, was die Entwicklungsländer brauchen.

Die Vereinten Nationen haben mehr als 7 Millionen Menschen nach ihren Prioritäten befragt. Es überrascht nicht, dass sie sich bessere Bildung und ein besseres Gesundheitssystem, weniger Korruption, mehr Arbeitsplätze und günstige Nahrungsmittel wünschen. Sie setzen die Erderwärmung ganz unten auf die Liste, als Priorität Nummer 16 von 16. Die Ärmsten der Welt wollen Deutschlands 2 Milliarden Euro für Medizin, Nahrungsmittel und Wasser, nicht für die Senkung der CO2-Emissionen. Das kann man ihnen nicht übelnehmen. Würden Deutschlands 2 Milliarden Euro verwendet, um Solar- und Windenergie zu fördern, wie es momentan der Fall ist, könnte man damit die weltweiten CO2-Emissionen um 10 Mt senken. Entsprechend einem Standard-Klimamodell würde dies die Temperaturen bis zum Jahr 2100 in so unbedeutendem Maße senken, dass es einer Hinauszögerung der Erderwärmung um 80 Minuten am Ende des Jahrhunderts entspricht.

Die 2 Milliarden Euro hätten stattdessen dafür verwendet werden können, mehr als 20 Millionen Kinder vor Unterernährung zu bewahren. Man hätte mehr als 2 Millionen Menschen vor dem Malariatod retten können. In einer Welt, in der 2,5 Milliarden Menschen unter Armut und Hunger leiden, scheinen ihnen die führenden Staaten zu sagen: Hier habt ihr Geld, damit ihr eure CO2-Emissionen senken könnt. Das ist ohne Zweifel gut gemeint, aber moralisch nicht vertretbar.

Subventionen bringen keine Innovationen

Klimaaktivisten werden argumentieren, dass die Energiewende nicht nur erneuerbare Technologien installiert, sondern auch umweltfreundliche Innovationen vorantreibt. Durch den Bau vieler Windräder sollten wir demnach mehr Innovationen in der Windkraft bekommen. Eine vom Bundestag eingesetzte Expertenkommission hat diese Frage beleuchtet und kam zum eindeutigen Schluss, dass die Subventionen keine Innovationen im Bereich der erneuerbaren Energien schaffen. Der Grund: Für Unternehmen ist es viel sicherer, weiterhin auf stark subventionierte Windräder, Solar- und Biogasanlagen zu setzen, als bestehende Technologien weiterzuentwickeln und neue, praktikable Alternativen zu fossilen Brennstoffen zu erfinden. Die Subventionen schaffen schlichtweg die falschen Anreize. Die Fachleute stellten fest, dass sie keine signifikante positive Innovationswirkung entfalten. Die subventionierte Nutzung erneuerbarer Energien ist offensichtlich nicht der richtige Weg, um nötige Innovationen voranzutreiben.

Eine gute Lektion zum Thema Innovation bietet die Entwicklung des Computers. Computer wurden nicht etwa weiterentwickelt, indem in den 1950ern Vakuumröhren staatlich gefördert und in Massen produziert wurden. Es wurden keine riesigen Subventionsprogramme angeschoben, damit 1960 alle Bewohner der westlichen Welt einen Computer in ihren Kellern stehen haben. Es wurden auch keine Steuern auf Alternativen wie zum Beispiel Schreibmaschinen eingeführt. Die Entwicklung wurde durch enorme Investitionen in Forschung und Entwicklung angekurbelt, was zu verschiedenen Innovationen führte und Unternehmen wie IBM und Apple erlaubte, Computer herzustellen, die die Verbraucher tatsächlich kaufen wollten.

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