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Umstrittenes Atomkraftwerk : Fessenheim bleibt bis 2018 am Netz

Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass Bild: dpa

Frankreich will den Reaktor erst vom Netz nehmen, wenn ein neues Kraftwerk in Betrieb geht. Das kann jedoch noch dauern. Gegner warnen vor den Gefahren - vor allem nach Pannen in der Vergangenheit.

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          Das älteste Kernkraftwerk Frankreichs, jenes in Fessenheim am Oberrhein, wird vorerst nicht vom Netz genommen. Die französische Umwelt- und Energieministerin Ségolène Royal kündigte bei einem Besuch in Straßburg an, dass die beiden Reaktoren von Fessenheim erst Ende 2018 abgeschaltet werden. Damit macht sie jedoch eine Ankündigung, für die sie nicht garantieren kann. Denn aufgrund der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Jahr 2017 weiß niemand, wer im darauffolgenden Jahr regieren wird.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Chancen für Präsident François Hollande auf die Wiederwahl, wenn er abermals antreten sollte, stehen jedenfalls nicht gut. So ist es auch möglich, dass Fessenheim noch über das Jahr 2018 hinaus Atomstrom produzieren wird. Die konservativ-bürgerlichen Republikaner sowie der Front National hegen keine Pläne, die mit der Energiewende von Präsident François Hollande vergleichbar wären. Auch der staatliche Kraftwerksbetreiber EdF hat immer wieder versichert, dass der 1977 eröffnete Standort Fessenheim wegen umfangreicher Nachrüstungen noch etliche Jahre weiter betrieben werden könnte – die Atomgegner bestreiten dies allerdings mit Verweis auf etliche Pannen in der Vergangenheit.

          In Berlin reagierte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) mit Bedauern und Enttäuschung. Sie habe sich mehrfach an ihre französische Kollegin gewandt, um für eine möglichst frühzeitige Abschaltung dieses alten Atomkraftwerkes zu werben. „Ich hatte erwartet, dass das AKW wie angekündigt bis 2017 vom Netz geht.“

          Die französische Regierung will den Anteil der Stromproduktion aus den 58 Kernreaktoren des Landes bis 2025 von rund 75 auf 50 Prozent senken, doch das macht sie noch lange nicht zu einem Atomgegner. Laut Energiewendegesetz von Ende Juli soll das aktuelle Produktionsniveau bei rund 63Gigawatt Atomstrom eingefroren werden. Für die Abschaltung von Fessenheim galt daher die Voraussetzung, dass ein neuer Reaktor ans Netz geht. Er steht im Kernkraftwerk Flamanville in der Normandie, doch seine Fertigstellung verzögert sich aufgrund technischer Schwierigkeiten. EdF berichtete in der vergangenen Woche, dass Flamanville frühestens Ende 2018 in Betrieb genommen werden kann. Hollande hatte noch im März die Abschaltung von Fessenheim vor Mai 2017 versprochen. Jetzt leitet seine Umweltministerin den Rückzug ein: „Wenn Flamanville öffnet, muss Fessenheim schließen“, sagte sie – jedoch nicht davor.

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