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Energiepolitik : Kritik an britischen Atomplänen

„Ich hoffe, das ist das erste von vielen neuen Kernkraftwerken in Großbritannien“: James Cameron am Montag über die Renaissance der Kernkraft in seinem Land. Bild: PA

In Großbritannien soll erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder ein Kernkraftwerk gebaut werden. Für Kritik sorgen nun die hohen Subventionen.

          Das Vorhaben der britischen Regierung, zwei neue Kernreaktorblöcke 200 Kilometer westlich von London zu errichten, stößt in Deutschland auf Unverständnis. „Atomkraftwerke sind eine sehr teure Art und Weise zur Herstellung von Strom“, sagte Manuel Frondel, der Leiter des Energiebereichs des Rheinisch Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Es sei verwunderlich, dass ein Staat, der zuletzt eine liberale Energiepolitik verfolgt habe, auf staatsfinanzierte Stromerzeugung umschwenke. „Kohle- oder Gaskraftwerke zu errichten, wäre deutlich günstiger“, sagte Frondel. Auch in Deutschland würde es sich schon alleine aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr lohnen, ein neues Atomkraftwerk zu errichten.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Der britische Premierminister David Cameron hatte am Montag eine Absichtserklärung für das 16 Milliarden Pfund (19 Milliarden Euro) teure Bauprojekt verkündet. Umsetzen sollen es staatliche Konzerne aus Frankreich und China. Cameron hatte es mit der Sicherung der Stromversorgung begründet.

          Für Erstaunen bei Energieforscher Frondel sorgt die Abnahmegarantie, die die Regierung den Investoren für einen Zeitraum von 35 Jahren zusagt. Sie sollen mehr als 10 Cent je Kilowattstunde erhalten. Da der Börsenpreis nur halb so hoch liege, sei etwa die Hälfte des Preises subventioniert. Hinzu komme, dass es noch immer schwierig sei, Kernkraftwerke flexibel in ihrer Leistung zu regeln. „Auch da haben moderne Gaskraftwerke Vorteile“, sagte Frondel. Lediglich der geringere Ausstoß von Kohlenstoffdioxid spreche noch für neue Atomkraftwerke.

          Dass die staatlich garantierte Vergütung in etwa genauso hoch ist wie die derzeitige Einspeisevergütung für neue Photovoltaikanlagen in Deutschland, sehen die Verfechter der Energiewende als Erfolgsbeweis. „An dem Fall wird deutlich, dass neue Atomkraftwerke keine ernstzunehmende Konkurrenz mehr sind“, sagte Bärbel Höhn, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag. Auch die deutschen Atomkraftwerkbetreiber RWE und Eon hatten sich ursprünglich am Ausbau der Kernenergie in Großbritannien beteiligen wollen. Sie haben diese Pläne aber aufgegeben. „Wir kommentieren das aktuelle Projekt nicht“, sagte ein RWE-Sprecher.

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