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Nach jahrelanger Stagnation : Energiekosten steigen in fast ganz Europa

Offshore-Windpark vor der Küste von Dänemark, wo die Menschen in Europa am meisten für Strom bezahlen Bild: AFP

Verbraucher in fast ganz Europa müssen mehr für Strom und Gas zahlen. Deutschland gehört zu den wenigen Ländern mit gesunkenen Energiekosten, steht in Sachen Strompreis aber trotzdem weit vorne – und bleibt es wohl auch.

          Höhere Kosten für Erzeugung und Vertrieb haben europaweit zu einem spürbaren Anstieg der Energiepreise geführt. Im Vergleich zum Vorjahr zahlten Verbraucher Ende 2018 rund 3,5 Prozent mehr für Strom und 5,7 Prozent mehr für Gas. Das teilte das europäische Statistikbüro Eurostat am Dienstag mit. Damit ist der jahrelange Trend stagnierender Preise erstmals wieder gebrochen. Einschließlich Steuern und Abgaben kostet eine Kilowattstunde Strom nun knapp 21 Cent und eine Kilowattstunde Gas 6,7 Cent.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Deutschland gehört allerdings zu den wenigen Ländern, in denen die Energiepreise leicht gefallen sind. Während Gaskunden mit 6 Cent etwas weniger als im europäischen Mittel zahlen müssen, sind die Stromkosten hierzulande mit rund 30 Cent je Kilowattstunde trotzdem nach wie vor überdurchschnittlich hoch. Mehr als 15 Cent davon entfallen wie schon in den Vorjahren auf Steuern, Abgaben, Netzentgelte und die Umlage nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG). Mit 54 Prozent bleibt die Steuer- und Abgabenquote deutlich höher als im Durchschnitt aller EU-Mitgliedstaaten (37 Prozent). 

          In Dänemark beträgt der Anteil sogar 64 Prozent. Mit 69 Prozent waren sie in der letzten Eurostat-Erhebung jedoch noch höher. Dass die Dänen dennoch höhere Stromrechnungen begleichen müssen und mit neuerdings mehr als 31 Cent je Kilowattstunde wieder an die europäische Spitze geklettert sind, ist gestiegenen Kosten auf Erzeugerseite geschuldet. Auch in Belgien liegen die Strompreise bei rund 30 Cent, während Verbraucher in Bulgarien, Litauen und Ungarn nur ein Drittel dessen und europaweit am wenigsten zahlen.

          Experten rechnen mit weiterem Preisanstieg

          Aus Sicht von Andreas Löschel, Energieökonom an der Universität Münster, ist die leichte Entspannung am deutschen Strommarkt wegen zuletzt leicht rückläufiger Netzentgelte und EEG-Umlagen nicht ganz verwunderlich. Hoffnung, dass sie von Dauer ist, macht er sich aber keine. So würden die kräftig gestiegenen Preise für Zertifikate im europäischen Emissionshandel auf kurz oder lang durchschlagen und seien angesichts der Abschaltung von Atom- und Kohlemeilern Knappheiten zu erwarten. Für ein Gelingen der Energiewende auch in den Sektoren Verkehr und Wärme müsse Strom deshalb günstiger werden, Verbraucher auf der Abgabenseite also entlastet werden, sagte Löschel zu FAZ.NET. „Mit diesen Strompreisen kann das nicht klappen.“

          Ähnlich sieht es Valerian Vogel, Energiefachmann beim Verbraucherportal Verivox. Er verweist darauf, dass die Strompreise hierzulande seit Herbst 2018 – also seit Ende des von Eurostat betrachteten Zeitraums – wieder spürbar angestiegen seien und eine Entlastung bei Steuern und Abgaben vorerst nicht in Sicht sei. Der Monat Mai markierte laut Verivox für deutsche Verbraucher mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden und rund 1200 Euro sogar ein neues Allzeithoch.

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