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Energiekonzern Tepco : Betreiber von Fukushima vor der Zerschlagung

Medienvertreter in Schutzanzügen besichtigen den Reaktor 4 des Atomkraftwerks Fukushima Bild: AFP

Nach zahlreichen Pannen und Skandalen rund um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima droht Tepco die Aufspaltung. Der Konzern und das Innenministerium widersetzen sich.

          Die Betreibergesellschaft der havarierten Atomreaktoren in Fukushima, die Elektrizitätswerke von Tokio (Tepco), soll bis 2016 unter dem Dach einer gemeinsamen Holding in verschiedene Gesellschaften aufgespalten werden. Wie in Tokio jetzt bestätigt wurde, verhandelt das Unternehmen seit vergangener Woche mit dem für die Energiewirtschaft zuständigen Handels- und Industrieministerium (Meti) über die Umwandlung.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Nach den bisherigen Planungen sollen die Sparten für die Stromproduktion und die Netze von den Firmenteilen getrennt werden, die mit dem havarierten Atomkraftwerk zu tun haben. Sowohl innerhalb des Konzerns, wie auch im Ministerium gibt es dagegen jedoch noch hartnäckige Widerstände. Unumstritten ist, dass der Bereich abgespalten wird, der die Aufräumarbeiten in Fukushima verantwortet.

          Entsprechende Forderungen hatten zuvor schon die Energiepolitiker der Parlamentsfraktion der Liberaldemokratischen Partei (LDP) von Ministerpräsident Shinzo Abe erhoben. Sollten Stromproduktion und Netz künftig getrennt werden, könnte Tepco sogar zum Vorreiter der bereits von der Vorgängerregierung geplanten Liberalisierung des japanischen Energiemarkts werden. Ein Tepco-Sprecher erklärte, bislang seien keine Entscheidungen getroffen.

          Noch keine Kontrolle über die Situation

          Der Energiekonzern steht wegen riesiger Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Katastrophe in seinem Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, wo es nach dem Erdbeben und dem Tsunami im März 2011 in drei Reaktoren zur Kernschmelze gekommen ist, immer stärker in der Kritik. Der Firma wurde auch von der japanischen Atomaufsicht vorgeworfen, unprofessionell und zu langsam zu reagieren.

          Seit Wochen berichten die Medien über Pannen bei der Bewältigung der großen Mengen von radioaktiv belastetem Kühlwasser. Noch in diesem Monat will der Konzern mit der Bergung von Brennstäben aus dem Abklingbecken im Obergeschoss des zerstörten Reaktorgebäudes 4 Probleme beginnen. Reaktor 4 war während des Erdbebens im März 2011 nicht in Betrieb. Anders als in den Reaktoren 1 bis 3 ist es deswegen nicht zur Kernschmelze gekommen. Das Gebäude aber wurde schwer zerstört, der Abtransport der im Obergeschoss des Reaktors gelagerten Brennstäbe ist deswegen ein entscheidender Schritt, die Lage auf dem Gelände der Atomruine unter Kontrolle zu bekommen.

          Ursprünglich sollte mit der Bergung am Freitag begonnen worden sein. Die Verschiebung ist notwendig geworden, weil die Atomaufsicht zuerst Tests machen und so die Sicherheit der Bergung prüfen will. Sollte der Abtransport wirklich in diesem Monat beginnen können und problemlos verlaufen, wäre das für Tepco eine seiner jüngst wenigen Erfolgsmeldung. Seit Monaten versucht der Konzern - bislang ohne größeren Erfolg - die Situation mit den großen Mengen radioaktiv belasteten Kühlwassers unter Kontrolle zu bekommen.

          Grünes Licht fürs größte Atomkraftwerk der Welt

          Die Reaktoren 1 bis 3, in denen es im März 2011 zur Kernschmelze gekommen ist, werden noch über Jahre mit täglich rund 300 Tonnen Wasser gekühlt werden müssen. Hinzu kommen täglich rund 400 Tonnen Grundwasser, die in die Untergeschosse der zerstörten Reaktorgebäude eindringen. Gut 380.000 Tonnen belasteten Wassers lagern derzeit in provisorischen Containern. In den vergangenen Monaten sind dabei immer wieder Lecks gemeldet worden.

          Tepco wurde vergangenes Jahr mit Steuermitteln vor der Pleite gerettet und damit bereits de facto verstaatlicht. Die neuen Pläne für eine Aufspaltung des Konzerns werden von der Regierung in Tokio nicht nur wegen Zweifel an Tepcos Management in Fukushima vorangetrieben. Sie hofft darauf, dass die Aufspaltung es der Atomaufsicht erleichtern würde, den für die Stromproduktion zuständigen Abteilungen von Tepco die Genehmigung für einen Neustart seiner anderen Atomkraftwerke zu erteilen. Tepco will seine Atomreaktoren in der westlichen Präfektur Niigata spätestens im April 2014 wieder ans Netz gehen lassen.

          In Tokio wird erwartet, dass die Atomaufsicht zu Beginn dieser Woche grünes Licht gibt, die notwendigen Sicherheitsüberprüfungen im größten Atomkraftwerk der Welt, Kashiwazaki-Kariwa, zu beginnen. Tepco will dort bis zum Sommer die Reaktoren 6 und 7 wieder ans Netz gehen lassen. Derzeit sind alle 50 japanischen Atommeiler abgeschaltet. Der Konzern, der eine Vielzahl weitere Kraftwerke betreibt, sieht sich immensen Schadensersatzforderungen ausgesetzt und kann nur einen Bruchteil der für die Stilllegung der schwerbeschädigten Atomanlage nötigen Mittel selbst aufbringen.

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