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Eon : Deutscher Energie-Riese vor dem Neustart

Radikaler Schritt für den Neustart: Der größte deutsche Energiekonzern Eon plant eine Teilung. Bild: Reuters

Es soll die Antwort auf die Energiewende werden: Der Versorger Eon wagt für den Neustart einen radikalen Schritt. Was kommt auf die Aktionäre zu? Eine Analyse.

          3 Min.

          Johannes Teyssen und seine Spaltpilze sind fast am Ziel. Nach anderthalb Jahren harter Vorarbeit sollen die Aktionäre an diesem Mittwoch die Teilung des größten deutschen Energiekonzerns besiegeln. Die „alte“ Eon wird sich dann ganz der neuen Energiewelt widmen, während der zweite Teil unter dem Namen „Uniper“ die Stromerzeugung und den internationalen Energiehandel übernimmt. Der Plan ist eine radikale Antwort auf die Energiewende. Dass die Vorbereitungen Hunderte Millionen Euro kosten würden, war einkalkuliert. Nicht vorherzusehen war, dass sich die Ausgangsbedingungen so schnell verschlechtern würden. Der Verfall der Strompreise hat die Planungen verhagelt. Statt in neue Windräder und Photovoltaikanlagen zu investieren, ist Sparen angesagt. Der Weg wird länger und härter als vermutet.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Dem Konzept des integrierten Energieversorgers gibt Eon keine Zukunft mehr. Aus dem großen Tanker sollen zwei bewegliche Einheiten werden, die sich auf ihr jeweiliges Terrain konzentrieren. Ganz anders macht es RWE: Ökostrom, Vertrieb und Netze werden zwar ebenfalls in einer Untergesellschaft gebündelt und an die Börse gebracht. Doch über diese Konstruktion will sich der hochverschuldete und ausgemergelte Ruhrkonzern in erster Linie neuen Zugang zum Kapitalmarkt verschaffen, um an frisches Geld für Investitionen zu kommen. Alles unter einem Dach, lautet die Devise von Vorstandschef Peter Terium – bisher jedenfalls. Denn dass RWE den Konzern dauerhaft zusammenhält, ist nicht in Stein gemeißelt. Wie es weitergeht, wird auch davon abhängen, wie gut Eon vorankommt.

          Dort sind die letzten finanziellen Verbindungen gerade gekappt worden. Mit Hilfe eines Bankenkonsortiums löst Uniper die Darlehen des Mutterkonzerns ab. Die Tochtergesellschaft muss nicht nur einen riesigen Schuldenberg bewältigen, der sie dazu zwingt, große Teile ihres Vermögens zu verkaufen. Die entscheidende Frage lautet, ob und wie sie es schaffen wird, dem Preisverfall auf den Energiemärkten standzuhalten. Als Teyssen seinen Überraschungscoup verkündete, kostete die Megawattstunde Strom im Großhandel noch mehr als 30 Euro. Schon das war ein Preis, mit dem sich Gas- und Steinkohlekraftwerke kaum noch rentabel betreiben ließen. Auch die Politik hat Teyssen einen Strich durch die Rechnung gemacht: Die Atomkraftwerke bleiben nun doch bei Eon, damit steht der neu gewandete Ökostrom weiter für die Folgekosten der Kernenergie gerade.

          Zweifel an Mehrheit

          Trotzdem zweifelt kaum jemand daran, dass auf der Hauptversammlung die nötige Dreiviertelmehrheit zustande kommen wird. Wer das Vertrauen verloren hat, dürfte sich längst von seinen Aktien verabschiedet haben. Wer noch an Eon glaubt, wird den neuen Weg wohl mitgehen. Einen großen Vorteil hat die Aufspaltung auf jeden Fall: Die Anleger bekommen mehr Chancen, weil ihr Eon-Vermögen auf zwei Aktien verteilt wird. Möglichst noch im Herbst soll Uniper an die Börse gehen. Gut die Hälfte der Anteile erhalten die Eon-Aktionäre, knapp 47 Prozent verbleiben zunächst beim Mutterkonzern und sollen von 2018 an verkauft werden.

          Bei den wichtigen Banken- und Fondsvertretern haben Teyssen und Uniper-Chef Klaus Schäfer überwiegend Zustimmung ausgemacht. So wird auf der Hauptversammlung aller Voraussicht nach ein neues Kapitel in der noch gar nicht so langen Eon-Historie aufgeschlagen. Im Juni 2000 aus der Fusion der beiden traditionsreichen Mischkonzerne Viag und Veba hervorgegangen, hatte sich Eon zunächst sehr erfolgreich auf das Energiegeschäft konzentriert und alles verkauft, was nicht in diese Strategie passte. Heute schier unglaubliche fast 150 Euro kostete die Aktie auf ihrem Höchststand 2008. Dann kam mit dem Atomausstieg und der jahrelang sträflich verschlafenen Energiewende der steile Absturz. Nicht einmal mehr 9 Euro gibt es für das Papier.

          Die Wende soll kommen

          Nun soll die Wende kommen. Nach der Abspaltung von Uniper ist Eon zum größten Teil auf staatlich regulierten Märkten unterwegs. Wegen seiner niedrigen Margen viele Jahre als langweilig und uninteressant verschrien, bekommt sogar das Netzgeschäft neue Aufmerksamkeit, weil es kalkulierbare Erträge verspricht. Für langsam, aber stetig steigende Ergebnisse sollen Wind- und Sonnenstrom und der Vertrieb sorgen, so dass Eon vor allem sicherheitsbewusste Anleger umgarnt. Die andere Seite der Medaille bildet Uniper: mit größeren Risiken, aber auch der Chance, im Kraftwerksgeschäft wie im internationalen Energiehandel von einer Erholung der Märkte zu profitieren.

          Der Anstieg der Erdölpreise ist ein erster Hoffnungsschimmer. Wer will, kann auch auf die Politik wetten: Eine Verschärfung der Emissionsvorschriften würde Uniper mit seinem relativ modernen Kraftwerkspark ebenso in die Hände spielen wie die Einführung eines deutschen Kapazitätsmarktes, auf den Teyssen und Schäfer hoffen. Bei der Erstnotierung wird sich zeigen, ob die Anleger dem Zweckoptimismus folgen. Das Hauptrisiko trägt Eon: Sollte die Börsenbewertung zu weit hinter dem ehrgeizig angesetzten Buchwert von Uniper zurückbleiben, drohen dem Großaktionär Eon weitere Milliardenabschreibungen. Dann könnte der Neustart holprig werden.

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