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Energieeffizienzhäuser : Musterhäuser für Mustermänner

Hoffentlich gut abgestimmt: Wer energetisch saniert, sollte ein Gesamtkonzept haben. Bild: Thomas Trutschel/photothek.net

Der Wohnkomfort? Spitze. Schimmel? Vergangenheit. Ein unsaniertes Haus? Nie wieder! Die meisten Eigentümer, die ihren Altbau mit einer energetischen Generalsanierung in ein Effizienzhaus verwandelt haben, können sich nichts anderes mehr vorstellen.

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          Jens Zukunft hat es getan. All jenen zum Trotz, die bezweifeln, dass sich solch ein Aufwand jemals lohnen wird, hat er sein Zweifamilienhaus aus den siebziger Jahren vom Keller bis zum Dach einer Generalsanierung unterzogen. Ein Holzpelletkessel ersetzt seitdem die Ölheizung. Die neuen Fenster entsprechen Passivhausstandard. Und auf dem Ziegelmauerwerk kleben 20 Zentimeter dicke Dämmplatten. Auch Bodenplatte und Dach sind isoliert, auf dass kein Lüftchen entweicht. Weshalb der Bau auch über eine Lüftungsanlage verfügt, mit Wärmerückgewinnung versteht sich. Schließlich soll keine Energie verlorengehen. Für Energiegewinn, der in die Warmwasserbereitung fließt und die Heizung unterstützt, sorgt außerdem eine Solarthermieanlage auf dem Dach.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dank all dieser Maßnahmen hat sich das Haus von einer Energieschleuder, die reichlich Kohlendioxid in die Umwelt bläst, in ein Vorzeigeobjekt verwandelt. Seitdem trägt der Altbau das Siegel „Effizienzhaus 55“, denn sein errechneter Jahresprimärenergiebedarf ist nun stattliche 45 Prozent geringer, als es die Energieeinsparverordnung für Neubauten vorschreibt. „Die energetische Sanierung unseres Hauses war genau die richtige Entscheidung“, hat Jens Zukunft der Deutschen Energie-Agentur GmbH (Dena) angesichts dieser Bilanz versichert. Seitdem ist der Familienvater mit seinem am Stadtrand von München gelegenen „Effizienzhaus 55“ gewissermaßen der Max Mustermann des Unternehmens.

          Politische Zielvorgabe

          Wären mehr Altbaubesitzer wie Jens Zukunft, wäre aus Sicht der Dena viel gewonnen. Das Unternehmen hat sich auf die Fahnen geschrieben, dafür zu sorgen, dass die Bundesregierung ihre energiepolitischen Ziele erreicht. Das bedeutet: Der Wärmebedarf von Gebäuden soll in diesem Land bis zum Jahr 2020 um 20 Prozent sinken, der Primärenergiebedarf bis 2050 gar um 80 Prozent. Gleichzeitig soll sich die Sanierungsrate verdoppeln. Die liegt derzeit jährlich bei einem Prozent. Das ist mickrig, wenn man bedenkt, dass drei Viertel aller Wohnhäuser noch vor 1975 gebaut wurden und deshalb heutigen energetischen Standards nicht ansatzweise genügen. Geht die Modernisierung in diesem Tempo weiter, ist die Zielvorgabe nicht zu schaffen.

          „Viele Eigentümer sind verunsichert“, erklärt sich Christian Stolte, der bei der Dena den Bereich Energieeffiziente Gebäude leitet, warum die Mehrheit der Hauseigentümer die energetische Modernisierung ihrer Immobilien nicht anpackt. Die bisherige Debatte um das Für und Wider einer solchen Investition sei oft von wenig repräsentativen Einzelbeispielen geprägt, klagt der Dena-Mann. Da würden zum Beispiel zwei Häuser verglichen, das eine ungedämmt, das andere gedämmt. Ausgerechnet letzteres soll eine schlechtere Energiebilanz aufweisen. Vor Schimmelbildung werde gewarnt, vor trockener Luft, vor umweltunfreundlichen und leicht entflammbaren Baustoffen und dergleichen mehr. Stolte will das nicht gelten lassen. „Wir haben in Deutschland genormte und sinnvolle Produkte, die Technik ist da“, sagt er. Aus Sicht der Dena gibt es weder an den Zielvorstellungen der Energieeinsparverordnung noch an Materialeinsatz und Aufwand etwas zu kritteln.

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