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Energie : OMV steigt zum Marktführer in Mittel- und Osteuropa auf

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Nach der größten Übernahme in der Geschichte des österreichischen Energie- und Mineralölkonzerns ist die OMV dem Ziel näher gekommen, ihre Marktposition bis zum Jahr 2008 zu verdoppeln und Marktführer im Tankstellengeschäft zu werden.

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          Der österreichische Mineralölkonzern OMV hat sein Ziel erreicht, Marktführer im Tankstellengeschäft in Zentral- und Osteuropa zu werden. Erreicht wurde dies durch den bislang größten Zukauf in der Geschichte des Unternehmens - dem Erwerb von 313 Tankstellen von der Deutsche BP AG, Bochum. Daneben geht auch ein Anteil von 45 Prozent an der Bayernoil Raffineriegesellschaft mbH sowie ein Anteil von 18 Prozent an der die bayerischen Raffinerien versorgenden Transalpin-Pipeline (TAL) an OMV über. BP hat damit sämtliche Auflagen erfüllt, die ihr im Zuge der Übernahme der ehemals zum Eon-Konzern gehörenden Gesellschaften Veba Oel und Aral im Dezember 2001 vom Bundeskartellamt auferlegt worden sind.

          Der Kaufpreis für das gesamte BP-Paket liegt bei 377 Millionen Euro in bar zuzüglich des Wertes des Umlaufvermögens am Tag der Übergabe. Die beiden Parteien erwarten, daß die Transaktion im Verlauf des zweiten Quartals vollzogen werden wird. In diesem Zeitraum soll auch die weit fortgeschrittene Integration aller Geschäftsbereiche von Veba Oel, Aral und BP abgeschlossen sein, wie der Vorstandsvorsitzende der Deutschen BP, Wilhelm Bonse-Geuking, mitteilt.

          Starke strategische Versorgungsposition

          Die OMV ist der geplanten Verdoppelung ihrer Marktposition bis 2008 einen weiteren Schritt näher gekommen. Nach der Übernahme des internationalen Explorations- und Produktionsgeschäfts der Preussag Energie GmbH von der TUI AG ist dies der zweite bedeutende Expansionsschritt des Unternehmens innerhalb kurzer Zeit. Im einzelnen erwirbt OMV 247 Tankstellen vornehmlich in der südlichen Hälfte Deutschlands sowie in Sachsen und Thüringen. Hinzu kommen 55 Stationen in Ungarn sowie 11 Stationen in der Slowakei und damit das gesamte Aral-Netz in diesen beiden Ländern. Die deutsche BP-Gruppe verfügt damit künftig noch über annähernd 2570 Tankstellen, davon mehr als 1830 unter der Marke Aral und 735 unter der von BP. Letztere sollen bis zum Jahresende einheitlich auf die blau-weiße Marke des Branchenführers Aral umgestellt werden.

          Die OMV vergrößert durch das Geschäft ihr zentral- und osteuropäisches Tankstellennetz von 1232 per Vorjahresende auf 1615 Stationen, was einem Marktanteil von zwölf Prozent entspricht. Mit zusätzlichen 5,4 Millionen Tonnen steigert das größte börsennotierte Unternehmen Österreichs seine bayerische Raffineriekapazität von rund 3,4 Millionen Tonnen auf 8,8 Millionen Tonnen im Jahr. Die OMV integriert dadurch ihre Raffinerie Burghausen in das 1998 geschaffene 12 Millionen Tonnen umfassende süddeutsche Raffinerienetzwerk von Bayernoil und erreicht damit eine starke strategische Versorgungsposition. Zudem nutzt der Ölkonzern kurz- und langfristige Synergieeffekte zur Optimierung des Tankstellen- und Kundengeschäfts. Mit dem zusätzlich erworbenen Anteil an der TAL verfügt die OMV nunmehr über ein Viertel an einer der bedeutendsten Rohölpipelines vom Mittelmeer in den Norden.

          Exploration und Produktion in 13 Ländern

          Mit der Transaktion wendet die OMV nach eigenen Angaben rund 220 Millionen Euro für das Tankstellennetz, 142 Millionen Euro für die Raffineriebeteiligung sowie knapp 15 Millionen Euro für die TAL auf. Zusätzlich zum Kaufpreis wird mit einer Finanzierung für das notwendige Umlaufvermögen von rund 150 Millionen Euro gerechnet. Die Finanzierung wird den Angaben zufolge kurzfristig über eine Erhöhung der Bankdarlehen erfolgen, was sich in einer Steigerung des Verschuldungsgrades von derzeit 19 auf 50 Prozent niederschlagen wird.

          Die OMV wies 2001 einen Konzernumsatz von 7,74 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 610 Millionen Euro aus und beschäftigt 2001 rund 5600 Mitarbeiter. Der Konzern ist in zwölf zentral- und osteuropäischen Ländern im Raffineriegeschäft tätig und betreibt in 13 Ländern Exploration und Produktion. Sie hält unter anderem 25 Prozent an Borealis, rund zehn Prozent an der ungarischen MOL sowie die Sperrminorität an The Rompetrol Group. Bis 2008 will die teilverstaatlichte Gesellschaft ihre Fördermenge von derzeit 100 000 auf 160 000 Faß Öläquivalent täglich steigern und den Marktanteil im Tankstellengeschäft in Zentral- und Osteuropa auf 20 Prozent verdoppeln. Die ambitionierte Vorgabe gründet darauf, daß der Donauraum mit derzeit hundert Millionen Einwohnern einer der wenigen wachsenden Ölmärkte ist.

          Auflagen erfüllt

          Das Bundeskartellamt hatte nach der Übernahme der Veba Oel AG und deren Tochtergesellschaft Aral verlangt, daß neben der Raffineriebeteiligung auch 4 Prozent des kombinierten Marktanteils aufgegeben werden und damit der BP- und Aral-Anteil im deutschen Tankstellengeschäft auf 22 Prozent reduziert wird.

          Im Dezember hatte die Gesellschaft das "Nordpaket", bestehend aus 494 Tankstellen, an den größten polnischen Ölkonzern, die Polski Koncern Nawtowy Orlen S.A. (PKN Orlen), für 140 Millionen Euro verkauft. Der jetzt vereinbarte Kaufpreis liegt wegen des Raffinerieanteils sehr viel höher. BP wird künftig noch direkt 10 Prozent an Bayernoil halten; hinzu kommt eine indirekte Beteiligung von 25 Prozent über die Ruhr Oel GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen mit Petroleos de Venezuela. (ela./B.K.)

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