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Energie : Öl so teuer wie seit Golfkrieg nicht mehr

  • Aktualisiert am

Ölförderung in Arabien Bild: dpa

Knappe Reserven in Amerika und die Sorge vor einem Irak-Krieg treiben die Ölpreise in die Höhe. Die Opec versucht, die Ängste zu dämpfen. Der hohe Ölpreis aber hinterläßt seine Spuren in der Gesamtwirtschaft.

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          Öl kostet mittlerweile so viel wie seit dem Golfkrieg 1990/91 nicht mehr. Am späten Mittwochabend stieg der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent zeitweise um 73 Cent und kostet 33,05 Dollar. In New York wurden am Donnerstag für ein Fass Rohöl Lieferung April bis zu 39,99 Dollar bezahlt. Das ist so viel wie zuletzt im Oktober 1990.

          Für den Preisschub sorgte die Meldung der amerikanischen Behörden, die Ölreserven seien in der vergangenen Woche um mehr als eine Million Fass auf knapp 272 Millionen Fass gesunken. Damit lägen die Reserven nicht einmal mehr zwei Millionen Fass über der Marke, die die Regierung als notwendig ansieht, damit die Ölraffinerien ihren Betrieb aufrechterhalten können. Heizöl- und Diesel-Reserven fielen erstmals seit Mai 2000 unter 100 Millionen Fass. Laut Angaben der Internationalen Energieagentur lagen auch die Reserven der Länder der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) im Dezember deutlich niedriger als noch im Vorjahr, und zwar um 107 Millionen Fass.

          Analysten sind entsetzt. „Die jüngsten Daten zu den Vorräten sind Furcht erregend", sagte Paul Horsnell, Ölanalyst bei JP Morgan. Es fehle nicht mehr viel, bis der Preis 40 Dollar erreiche.

          Zusätzlich drückt die anhaltende Irak-Krise den Ölpreis nach oben. Die Sorge geht um, dass im Fall eines Kriegs die Ölexporte aus der Region unterbrochen werden. Zumindest die Förderung von Irak, täglich etwa zwei Millionen Fass, dürfte im Kriegsfall zeitweise ausfallen.

          Opec versucht, die Sorgen zu dämpfen

          Gegen dauerhaft steigende Ölpreise spricht indes einiges. Saudi-Arabien hat schon angekündigt, dass es im Kriegsfall seine Förderung erhöhen werde. Nach Angaben aus Washington soll es dabei um zusätzliche 1,5 Millionen Fass pro Tag gehen. Auch die Opec, der Saudi-Arabien angehört, hatte ähnliches angekündigt. Die Opec peilt ein Preisniveau zwischen 22 und 28 Dollar pro Fass (156 Liter) an. Die freien Kapazitäten der Opec reichen aus, um einen Totalausfall der irakischen Fördermenge auszugleichen, hatte der saudische Ölminister Ali Naimi erst kürzlich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt.

          Die Opec verfüge über Reservekapazitäten von vier Millionen Fass pro Tag, die sie freigeben könnte, sagte Generalsekretär Alvaro Silva am Donnerstag in Wien. Allerdings halte er den Markt bereits für überversorgt; der Preisanstieg resultiere allein aus der Angst vor einem Irak-Krieg.

          Die Opec hatte auch während des Streiks in Venezuela ihre Produktion erhöht, um Preisausschläge nach oben einzudämmen. Erst im Januar hatten die Opec-Länder eine Erhöhung der Fördermenge von zehn Mitgliedstaaten (ohne Irak) um 1,5 Millionen Fass je Tag auf 24,5 Millionen Fass beschlossen. Die Quote von Saudi-Arabien wurde dabei um 488.000 Fass je Tag auf 7,9 Millionen Fass angehoben. Die Opec trifft sich am 11. März, um über die Förderquoten für das zweite Quartal zu beraten.

          Auf mittlere Sicht dämpfend auf den Ölpreis wirkt auch, dass die Ölförderung in Venezuela nach den Streiks wieder verstärkt anläuft.

          Auch die Politik versucht, die Sorgen zu dämpfen. Der amerikanische Präsident George W. Bush sagte am Mittwoch, die Vereinigten Staaten würden im Kriegsfall das irakische Öl vor Sabotage schützen.

          Ölpreis hinterlässt seine Spuren

          Der Ölpreis ist in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 70 Prozent geklettert. Deutlich hinterlässt der Anstieg seine Spuren in den Inflationsraten und anderen Preisindizes. So ist die Teuerungsrate in Deutschland nach vorläufigen Angaben im Februar von 1,1 auf 1,3 Prozent gestiegen. Die Mineralölkonzerne erhöhen die Benzinpreise an den Tankstellen, Fluggesellschaften erhöhen ihre Flugpreise.

          Die höheren Ölpreise drücken die Kaufkraft der Verbraucher. Das ist ein Grund für das sinkende Verbrauchervertrauen und die Konsumzurückhaltung. Höhere Energiepreise belasten aber auch die Unternehmen. Im Januar stiegen deshalb die Erzeugerpreise sprunghaft.

          Volkswirte beobachten die Entwicklung mit großer Sorge: Der Ölpreisanstieg bedroht die erwartet schwache konjunkturelle Erholung. Die Sorgen gehen nicht nur, aber vor allem um Deutschland und Europa: Jedes Zehntel Prozentpunkt Wachstumsverlust aufgrund höherer Ölpreise wiegt hier umso schwerer, weil die Aussichten ohnehin trübe sind.

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