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Energie : Erneuerbare Energien: Der Mix macht´s

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Nicht jede erneuerbare Energie kann schon heute sinnvoll eingesetzt werden. Dazu Energie-Experte Peter Hennicke im Interview.

          In der Debatte um den Ausstieg aus der Kernenergiegewinnung und um die Reduzierung des Kohlendioxid Ausstoßes wird immer wieder das Stichwort der so genannten erneuerbaren Energien genannt. Mit ihrer Hilfe soll die Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffen gemindert und eine umweltverträglichere Energiebereitstellung gewährleistet werden.

          Doch muss unterschieden werden. Nicht jede erneuerbare Energie kann schon heute sinnvoll eingesetzt werden, bei mancher wird es noch Jahrzehnte dauern, bis sie wirklich zum Energieträger in großem Maßstab taugt. Um mehr Klarheit zu schaffen, sprach FAZ.NET mit Professor Peter Hennicke vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

          Herr Hennicke, haben erneuerbare Energien wirtschaftlich überhaupt eine Zukunft?

          Ich denke, die kritische Debatte krankt daran, dass entweder die Photovoltaik als teuerste Stromerzeugungstechnik herausgegriffen wird oder irgend eine andere Einzeltechnik und das häufig die Erneuerbaren gegen die Effizienz ausgespielt werden.

          Im Paket macht der Mix an erneuerbaren Energien mit der Effizienzsteigerung enormen Sinn. In erster Linie sollten wir den Wind weiter nutzen, aber vorsichtig mit der weiteren Landschaftsinanspruchnahme umgehen. Wir dürfen den Konflikt zwischen Naturschutz und ökologischerer Stromproduktion nicht weiter vertiefen. Das spricht auch für entsprechend geeignete Offshore-Windanlagen. Das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft, und in diesem Bereich haben wir die stärkste Kostendegression. Ich rechne damit, dass Windenergie aus 3-5MW-Anlagen zwischen sechs und sieben Pfennig im Offshore-Bereich kostet. Das wäre konkurrenzlos billig.

          Aber auch in diesem Bereich sind die Kapazitäten begrenzt. Was würde die Windenergie ergänzen?

          Wichtig ist als zweite Option die Biomasse-Vergasung zur Stromherstellung und natürlich im Wärmebereich die Solarthermie-Nutzung. Man kann sehr viel Heizenergie sparen, wenn man Solarkollektoren bei der Warmwasser Erzeugung einsetzt, aber auch zur Zufeuerung in Heizungssystemen.

          Biomasse-Nutzung ist in Österreich bereits ein wesentlicher regenerativer Energieträger. Dennoch brauchen wir noch einen technologischen Durchbruch bei der Vergasung, um daraus mit hocheffizienten Mikroturbinen Kraft-Wärme-gekoppelte biomassegespeiste Systeme für Strom und Wärme bereit zu stellen. Das dauert aber noch höchstens fünf Jahre, dann wird der technologische Durchbruch da sein.

          Welche Rolle kann denn die bereits erwähnte Technik der Photovoltaik übernehmen?

          Photovoltaik ist eine Option, die für die Dritte Welt, insbesondere für die Elektrifizierung von kleinen Dörfern, die nicht mit Netzen verbunden sind, auch jetzt schon in Teilen wirtschaftlich ist. Wenn man darüber hinaus einen Teil der Produktion in die Dritte Welt verlagern würde, könnte das dort ganz wichtig für die ländliche Industrialisierung sein. Bei uns kann von der Photovoltaik auch ein nennenswerter Beitrag geleistet werden. Den Hauptdurchbruch erwarte ich allerdings in den Entwicklungsländern, im Sonnengürtel der Erde.

          Wasserstoff und Brennstoffzelle sind kein Optionen?

          Die entscheidende längerfristige Perspektive ist sicher eine Wasserstoffwirtschaft mit dem Übergangstreibstoff Erdgas, wo über einen Reformer erst einmal Wasserstoff hergestellt wird. Dies erstreckt sich sowohl auf den mobilen als auch auf den stationären Einsatz. Das Ziel ist es, solare Wasserstofferzeugung wirtschaftlich zu machen und die vorhandene Infrastruktur dann schrittweise zu nutzen für Wasserstoff. Denn da ist in Verbindung mit der Brennstoffzelle ein sehr vielversprechendes Potenzial - vielleicht aber erst in 20 oder 30 Jahren.

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