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Energie : Enron-Pleite zieht weite Kreise

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Enron lässt vieles im Dunkeln Bild: dpa

Das Kerngeschäft von Enron scheint gesichert, doch bei den Untersuchungen geraten immer mehr Beteiligte ins Zwielicht.

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          Die Schweizer Großbank UBS übernimmt das Kerngeschäft des US-Energieversorgers Enron in der größten Firmenpleite in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte. UBS zahlt dafür nach eigenen Angaben nur wenig Bares und erhält ein Drittel der zukünftigen Erträge. Enron, der siebtgrößte amerikanische Konzern, hatte Anfang Dezember Konkurs angemeldet. Bei den Untersuchungen zur Enron-Pleite geraten immer mehr Beteiligte in Zwielicht.

          Die Großbank UBS, die bei der Versteigerung des Energiehandelsgeschäfts von Enron den Zuschlag erhalten hat, soll dafür einen Teil der künftigen Erträge zahlen. Mitgeboten hatte neben der Schweizer Bank nur die Citigroup. Stimmt der Konkursrichter Arthur Gonzalez am Freitag dem Gebot zu, dann hält UBS zehn Jahre lang die Lizenzrechte am Enron-Geschäft und darf die Beschäftigten übernehmen. UBS ist mit 73 Millionen Dollar Enrons siebtgrößter Kreditgeber.

          Ermittlungen auf breiter Front

          Allein sechs Ausschüsse des Kongresses befassen sich mit dem Fall, das Justizministerium ermittelt und die Wertpapier- und Börsenaufsicht SEC untersucht die Vorgänge, die zum Konkurs führten.

          Interessenskonflikte bei der Börsenaufsicht

          Mit Vorwürfen wegen Interessenskonflikten wird der Vorsitzende der amerikanischen Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt, konfrontiert. Vor seiner Ernennung war Pitt Partner bei Arthur Andersen, der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die auch die Bücher von Enron prüfte.
          Vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass die Prüfer Enron-Akten vernichtet hatten.

          Mitte November hatte Enron eingeräumt, dass der Gewinn in den vergangenen vier Jahren um rund 20 Prozent zu hoch angegeben worden war und ein Großteil der Schulden von 15 Milliarden Dollar nicht in den Bilanzen ausgewiesen wurde. Die Prüfer von Arthur Andersen hatten die Jahresabschlüsse von Enron genehmigt.

          Mögliche Insidergeschäfte bei Managern

          Mit dem Konkurs verlor die Enron-Aktie, die noch vor einem Jahr bei 82 Dollar lag, rapide an Wert und notiert derzeit bei 67 Cent. 850 Millionen Dollar, die die Enron-Mitarbeiter als betriebliche Altersversorgung nach amerikanischem Recht in Firmen-Aktien angelegt hatten, lösten sich in Luft auf. Vor dem Zusammenbruch des Energie-Konzerns hatten jedoch zahlreiche Top-Manager ihre Anteile abgestoßen. Insgesamt eine Milliarde Dollar sollen die Führungskräfte, darunter auch Konzernchef Kenneth Lay, mit ihren Aktiengeschäften verdient haben.

          Lay gehörte zu den größten Geldgebern im Wahlkampf von Präsident George Bush. Als einer der 214 „Pioniere“ der Bush-Kampagne zahlte er Spendengelder in Höhe von mindestens 100.000 Dollar. Bevor der Konzern Konkurs anmeldete, hatte sich Lay mit der Bitte um Unterstützung an das Weiße Haus gewandt.

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