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Deutsche Energieabhängigkeit : Habeck: Russische Ölimporte bis Jahresmitte halbieren

  • -Aktualisiert am

Im Fokus: Vizekanzler Robert Habeck gibt in seinem Ministerium eine Pressekonferenz zur Energiesicherheit in Deutschland. Bild: dpa

Wirtschaftsminister Robert Habeck sagt, wann Deutschland ohne russische Energie auskommt: Im Herbst keine Kohle mehr, zum Jahresende kein Öl, aber noch länger Gas.

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          Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine versucht Deutschland, die Energielieferungen aus Russland zu senken. Nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) geht es dabei gut voran. Teilweise sinkt der russische Anteil schon jetzt, sagt er. Bis zum Herbst soll Deutschland unabhängig von russischer Steinkohle sein und bis zum Jahresende „nahezu unabhängig“ von russischen Ölimporten. Doch mit Erdgaslieferungen rechnet Habeck noch zwei Jahre lang. Erst bis Mitte 2024 sei es möglich, weitgehend unabhängig von russischem Gas zu werden.

          Jan Hauser
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Habeck sprach am Freitag davon, dass wichtige Etappenziele erreicht seien, um sich aus dem Klammergriff der russischen Importe zu lösen. „Es ist die große Einigkeit der Staatengemeinschaft, sich unabhängig von russischen Energielieferungen zu machen, um Putin das Handwerk zu legen“, sagt er auf einer Pressekonferenz im Wirtschaftsministerium.

          Schwierig gestaltet es sich vor allem in der Gasversorgung. In den vergangenen Jahren lag der russische Anteil an den Erdgaslieferungen in Deutschland und Europa bei rund der Hälfte. Für Deutschland ist dies in den ersten drei Monaten dieses Jahres nach Schätzungen auf rund 40 Prozent gesunken, weil andere Länder mehr liefern.

          Drei schwimmende Terminals

          Damit Russlands Anteil weiter sinkt, soll Energie gespart, die erneuerbaren Energieträger ausgebaut werden und auch mehr Gas aus anderen Ländern kommen. Helfen sollen dabei drei schwimmende LNG-Terminals. Die Energiekonzerne RWE und Uniper haben für diese Flüssiggas-Anlagen eine Option im Auftrag der Bundesregierung gesichert, wie Habeck jetzt verkündete. In diesem und im kommenden Jahr sollen die schwimmenden Terminals in Deutschland in Betrieb gehen.

          Für die Energieversorgung hob er auch Ankündigungen aus dem Entlastungspaket hervor, dass die Ampel-Koalition am Donnerstag bekannt gab. Habeck setzt darauf, dass ab dem Jahr 2024 nur noch in Ausnahmefällen neue Gasheizungen eingebaut werden dürfen. Die Regierung werde noch ein Programm zum Austausch von Öl- und Gasheizungen auflegen. Einen großen Schritt für die Energieeffizienz nannte er das. „Ich möchte mich bei allen Menschen bedanken, die jetzt ihren Anteil leisten, uns von russischen Energielieferungen unabhängig zu machen“, sagte er: „Jede eingesparte Kilowattstunde hilft dabei und schadet Putin.“

          Schwimmende Gas-Terminals

          Während das Erdgas aus Russland vor allem durch Pipelines durch Osteuropa nach Deutschland kommt, wird Flüssiggas aus Amerika, Kanada oder Qatar per Schiff transportiert. Bisher hat Deutschland selbst dafür keine Aufnahme-Infrastruktur, sondern ist auf entsprechende Terminals im Ausland wie in den Niederlanden angewiesen.

          Daher bemüht sich die Regierung nun darum, dass rasch LNG-Terminals im Inland wie etwa in Brunsbüttel entstehen, um mehr Flüssiggas als bisher aufzunehmen. Gleichzeitig sieht Habeck sich auch im Austausch mit den Niederlanden, dass Deutschland über deren Anlagen mehr Kapazitäten erhält.

          Die Vereinigten Staaten von Amerika wollen in diesem Jahr mehr Flüssiggas in die EU liefern. Das kündigte der amerikanische Präsident Joe Biden zusammen mit der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Freitag in Brüssel an. Laut der Kommission soll das rund ein Drittel der derzeitigen Gasimporte aus Russland ersetzen. Allerdings ist die Rede von zusätzlichen 15 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas LNG in diesem Jahr, was weniger als fünf Prozent des Gesamtverbrauchs in der EU ist. Erst langfristig soll dies auf 50 Milliarden Kubikmeter im Jahr steigen.

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