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Wohnmobile an der Börse : Knaus Tabbert bricht den Bann

Knaus-Tabbert-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Speck neben dem Börsen-Bullen Bild: Lucas Bäuml

Der Börsengang des Wohnmobilherstellers gelingt in reduzierter Form. Der Waffentechniker Hensoldt und Siemens Energy folgen bald.

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          Den fest installierten Bereich für die Börsenneulinge hat die Deutsche Börse längst abgeschafft. Angeblich nicht, weil es ohnehin fast keine Börsengänge in Frankfurt gibt, sondern weil das Halbrondell auf dem Börsenparkett zu viel Platz weggenommen habe. Doch die Börsengangslosigkeit in Frankfurt bleibt frappierend. Während in Amerika und Asien ein IPO dem nächsten folgt und wie zuletzt bei Snowflake in New York muntere Kurssprünge bejubelt werden können, ruht in Frankfurt still der See.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun aber Knaus Tabbert. Der Wohnmobilhersteller aus dem bayerischen Wald hat das volle Programm gebucht: Vier Fahrzeuge konnten auf dem Börsenplatz bewundert werden, Flaggen von Knaus Tabbert überall, draußen und drinnen im Börsensaal. Auf allen Handelsrondellen war zu lesen, dass man mit den Fahrzeugen von Knaus Tabbert überall zu Hause ist und nun auch an der Frankfurter Börse.

          Preis und Menge reduziert

          Fast wäre jedoch das ganze Programm vergebens vorbereitet gewesen. Am Montag sackte der Dax um 4,4 Prozent ab. So etwas irritiert Investoren und ihre Lust auf Börsenneulinge ist schnell dahin. Auch der Aktienkurs des französischen Konkurrenten Trigano geriet unter die Räder. Am Dienstagabend musste lange beratschlagt werden, wie es mit Knaus Tabbert weitergeht. Knapp fünf Millionen Aktien sollten möglichst zu 74 Euro das Stück verkauft werden. Erst kam am Abend die Mitteilung, es werden nur vier Millionen Aktien sein. Und in der Nacht dann der Vollzug: Für 58 Euro das Stück sind sie verkauft. Das war der niedrigstmögliche Preis in der anvisierten Spanne von 58 bis 74 Euro.

          Es zeigt sich, wie mühsam Börsengänge in Frankfurt sind, und wie dünn die Investorenbasis hierzulande ist. Am Ende stehen immerhin 20 Millionen Euro Erlös für Knaus Tabbert und gut 200 Millionen Euro für die beiden niederländischen Eigentümer Wim de Pundert und Klaas Meertens, die das Unternehmen im Jahr 2009 vom Insolvenzverwalter Michael Jaffé übernommen hatten. Sie feierten am Mittwoch auf dem Parkett, auch wenn sie sicherlich gern rund 100 Millionen Euro mehr auf das Konto bekommen hätten. Ihnen gehören nun noch knapp 60 Prozent der Aktien, dem Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Speck gut 2 Prozent. 38,5 Prozent der Aktien sind nun breit gestreut.

          Kostet 280.000 Euro: Blick in ein Luxus-Wohnmobil der Marke Morelo
          Kostet 280.000 Euro: Blick in ein Luxus-Wohnmobil der Marke Morelo : Bild: Lucas Bäuml

          „Wir wollten unsere Investorenbasis verbreitern und das haben wir geschafft“, sagte Speck der F.A.Z. Das Unternehmen arbeitet seit Jahren in seinen vier Fabriken in Bayern, Hessen und Ungarn an der Kapazitätsgrenze und will mit dem Erlös aus dem Börsengang die Kapazitäten schnell ausbauen. Im Juli ließen die Behörden doppelt so viele Wohnmobile in Deutschland zu wie im Vorjahr. Knaus Tabbert setzte im vergangenen Jahr mit 26000 verkauften Fahrzeugen 780 Millionen Euro um und machte 31 Millionen Euro Gewinn. Der erste Kurs wurde am Mittwoch von der Baader Bank auf dem Ausgabepreis von 58 Euro festgestellt. Am Nachmittag lag er auf rund 55 Euro. Damit kommt das Unternehmen auf knapp 600 Millionen Euro Börsenwert und ist etwas günstiger bewertet als der Konkurrent Trigano und der amerikanische Thor-Konzern, zu dem der schwäbische Anbieter Hymer seit zwei Jahren gehört.

          Wohnmobile ab 11.000 Euro

          Entscheidend für den weiteren Kursverlauf dürfte sein, ob sich der Trend zu mehr Wohnmobilreisen fortsetzt oder nicht. Zuletzt wurde er befeuert durch die Corona-Pandemie. Speck verweist zudem auf das hohe Durchschnittsalter von Wohnmobilen in Deutschland von 13,5 Jahren, was auf einen Erneuerungsbedarf schließen lassen könnte. Knaus Tabbert bietet Wohnmobile und Wohnwagen zu Preisen von 11000 bis mehr als 700000 Euro an.

          Am Finanzplatz Frankfurt wurde mit Interesse beobachtet, wie mühsam es unterm Strich dann doch war, die Aktien zu platzieren. Am Freitag steht mit dem Waffentechnikkonzern Hensoldt gleich der nächste Börsengang in Frankfurt an. Einerseits herrscht Erleichterung, dass Knaus Tabbert den Bann gebrochen hat und nach Teamviewer im September 2019 den größten IPO seither in Frankfurt geschafft hat. Andererseits wurde unter Finanzinvestoren registriert, dass sie sich an der Börse nicht so leicht von ihren Anteilen trennen können wie gedacht. Beim Hensoldt-Börsengang will der Finanzinvestor KKR rund 400 Millionen Euro einnehmen.

          31. Dax-Wert: Siemens Energy

          Am nächsten Montag wiederum steht der größte Neuzugang für die Frankfurter Börse an. Es ist aber kein echter Börsengang. Siemens spaltet seine Energiesparte ab. Alle Siemens-Aktionäre erhalten dann Papiere von Siemens Energy ins Depot gebucht. Der Dax wird am Montag daher zum vierten Mal für einen Tag 31 Werte enthalten. Erstmals war dies im Jahr 2005 so, als Bayer Lanxess abgespalten hat, dann 2013 als sich Siemens von Osram löste und zuletzt 2016 beim „Spin-Off“ von Uniper aus dem Eon-Konzern. Am Ende des Montagshandels lässt sich der Wert von Siemens Energy feststellen und auf dieser Basis dann das Gewicht von Siemens im Dax entsprechend reduzieren.

          Ob der kleine Schwung aus drei neuen Unternehmen an der Frankfurter Börse einen Trend auslöst, darf bezweifelt werden. Seit Jahren ziehen sich mehr Unternehmen von der Börse zurück als neu dazukommen. Wahrscheinlich lohnt es für die Deutsche Börse daher nicht, das IPO-Halbrondell wieder aus der Versenkung zu holen. Die Finanzierung von Unternehmen über die Börse ist in Deutschland anders als in Amerika oder China nach wie vor weder Standard noch erste Wahl. Aber Knaus Tabbert hat zumindest die monatelange Ruhe auf dem Parkett unterbrochen.

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