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Schweizer Nationalbank : Schluss mit den Negativzinsen in der Schweiz

Die Schweizer Nationalbank in Bern Bild: REUTERS

Wegen des wachsenden Inflationsdrucks erhöht die Notenbank abermals die Zinsen. Dabei ist die Teuerung viel geringer als in der Eurozone.

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          In der Schweiz endet nach fast acht Jahren die Zeit der Negativzinsen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erhöht von diesem Freitag an die Leitzinsen um 0,75 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent. „Damit wirken wir dem erneut gestiegenen Inflationsdruck entgegen und erschweren ein Übergreifen auf bisher von der Teuerung weniger betroffene Waren und Dienstleistungen“, sagte der SNB-Präsident Thomas Jordan am Donnerstagmorgen auf einer Pressekonferenz in Zürich. „Es ist nicht auszuschließen, dass weitere Zinserhöhungen nötig sein werden, um die Preisstabilität in der mittleren Frist zu gewährleisten“, fügte Jordan hinzu.

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Die Inflation in der Schweiz betrug im August 3,5 Prozent. Das ist zwar deutlich weniger als in der Eurozone (9,1 Prozent), aber immer noch klar oberhalb des Zielkorridors von 0 bis 2 Prozent, der für die SNB Preisstabilität bedeutet. Schon im Juni hatte die Nationalbank den Leitzins, der seit Anfang 2015 rekordtiefe minus 0,75 Prozent betragen hatte, um einen halben Prozentpunkt erhöht. Die SNB hatte den Negativzins nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses eingeführt, um einer Aufwertung der Schweizer Währung entgegenzuwirken. Nach Aussage Jordans half er auch dabei, die Preisstabilität zu sichern.

          Vergleichsweise geringe Inflation in der Schweiz

          Der Nationalbank-Präsident sieht Anzeichen dafür, dass Preiserhöhungen verstärkt auf Waren und Dienstleistungen übergreifen, die nicht direkt vom Krieg in der Ukraine oder von den Pandemiefolgen betroffen sind. Zudem erhöhten die weiter steigenden Energiepreise den Inflationsdruck. Damit verstärke sich das Risiko von Zweitrundeneffekten. Deshalb sei eine weitere Straffung der Geldpolitik angebracht. Die SNB rechnet für das vierte Quartal 2022 jetzt mit einer Teuerung von 3,4 Prozent. Im Juni hatte die Notenbank für diesen Zeitraum noch eine Anstieg der Konsumentenpreise von 3,0 Prozent erwartet. Im Durchschnitt des kommenden Jahres erwartet die Notenbank eine Inflation von 2,4 Prozent; für 2024 avisierte sie 1,7 Prozent. „Ohne die heutige Zinserhöhung wäre die Inflationsprognose deutlich höher“, sagte Jordan.

          SNB-Präsident Thomas Jordan
          SNB-Präsident Thomas Jordan : Bild: dpa

          Für die vergleichsweise geringe Inflation in der Schweiz gibt es mehrere Gründe. Eine wichtige Rolle spielt die Stärke der Schweizer Währung. Ein Franken ist inzwischen mehr wert als ein Euro; aktuell bekommt man für einen Euro noch 0,95 Franken. Dies hat mit dem Nimbus der Schweizer Währung als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten zu tun. Mehr noch jedoch reflektiert es die Schwäche der Gemeinschaftswährung, die unter den düsteren Aussichten für die europäische Wirtschaft leidet. Der starke Franken verbilligt die Importe in die Schweiz und bremst so die Inflation.

          Das Land profitiert auch von dem günstigeren Energiemix: Ein großer Teil des benötigten Stroms kommt aus der heimischen Wasser- und Atomkraft. Zudem arbeitet die Schweizer Wirtschaft vergleichsweise energieeffizient. Nach Angaben des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse benötigt man in Deutschland für die Produktion von Güter und Dienstleistungen mehr als doppelt so viel Energie wie in der Schweiz. Hinzu kommt: Energieausgaben haben im Warenkorb der Schweizer Haushalte ein viel geringeres Gewicht als andernorts. Höhere Preise für Erdöl und Gas schlagen sich also weniger stark in der Inflationsrate nieder.

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