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ENBW-Affäre : Halbe Sache

Dirk Notheis: Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley Bild: dpa

Nach Bekanntwerden seines peinlichen Mailverkehrs mit Stefan Mappus in der ENBW-Affäre nimmt sich der Deutschland-Chef von Morgan Stanley eine unbefristete „Auszeit“. Diese halbe Entscheidung lässt Konsequenz vermissen.

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          Als Josef Ackermann als Mitangeklagter im Mannesmann-Prozess viele Tage in einem Gerichtssaal verbringen musste, verlegte er sein Büro in die nahe gelegene Düsseldorfer Niederlassung der Deutschen Bank. Mit Unterstützung seines Aufsichtsrates leitete er auch in dieser schwierigen Zeit Deutschlands führendes Geldhaus, unbeschadet des Reputationsschadens, den Ackermann damals in weiten Teilen der Öffentlichkeit erlitten hatte, und unbeschadet der mit dem Prozess verbundenen juristischen Risiken für den Vorstandschef.

          Dirk Notheis hat wegen seiner Rolle beim Kauf eines Anteils an dem Energieversorger ENBW durch das Land Baden-Württemberg zweifellos einen Reputationsschaden erlitten. Aber zumindest bis heute hat keine Staatsanwaltschaft gegen den Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley Anklage erhoben. Es ist auch gar nicht sicher, dass der Banker wegen dieser Affäre jemals juristischen Ärger bekommen wird. Dennoch nimmt Notheis eine unbefristete Auszeit von seiner Führungsfunktion. Diese halbe Entscheidung lässt Konsequenz vermissen.

          Die Auszeit ist vermutlich nichts anderes als der Beginn einer Trennung

          Morgan Stanley hatte zwei Möglichkeiten: Entweder steht die Bank zu ihrem deutschen Vormann und zeigt sich bereit, trotz seiner merkwürdigen Rolle in dieser Affäre und seines peinlichen Mailverkehrs mit Stefan Mappus zusammen mit dem Banker den Sturm durchzustehen und darauf zu warten, dass sich die Wellen der Entrüstung beruhigen. In diesem Fall durchliefen Morgan Stanley und Notheis einige schwierige Monate, aber es bliebe abzuwarten, ob der Netzwerker und lange Zeit erfolgreiche Investmentbanker tatsächlich auf Dauer von seinen zahlreichen Kontakten abgeschnitten wäre. Ein New Yorker Manager einer anderen führenden amerikanischen Bank sagte dieser Tage, als er von Notheis’ Schwierigkeiten erfuhr: „Ist das alles?“

          Morgan Stanley hätte umgekehrt auch zu dem Schluss gelangen können, die Rolle ihres deutschen Vorstandsvorsitzenden bei einem der größten Geschäfte der vergangenen Jahre erweise sich als unerträglich rufschädigend. Dann müssten sich die Bank und ihr Spitzenmanager unverzüglich trennen. Die Auszeit Notheis’ ist vermutlich nichts anderes als der Beginn einer Trennung, deren Einzelheiten noch ausgehandelt werden müssen und die angesichts der Verdienste, die sich Notheis durchaus auch erworben hat, für ihn möglichst gesichtswahrend verlaufen soll.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

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