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ENBW-Affäre : Banker Notheis lässt sein Amt ruhen

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Die enge Verbindung zwischen Morgan-Stanley-Deutschland-Chef Dirk Notheis und Stefan Mappus könnte für den Banker Konsequenzen haben Bild: Röth, Frank

Wegen seiner umstrittenen Rolle bei der Verstaatlichung des Energiekonzerns ENBW zieht sich Morgan-Stanley-Deutschlandchef Dirk Notheis auf unbestimmte Zeit aus dem operativen Geschäft zurück.

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          Dirk Notheis habe den Aufsichtsrat von Morgan Stanley informiert, eine Auszeit zu nehmen, sagte eine Sprecherin am Montag. Seine Aufgaben als Deutschland-Chef würden ab sofort von Aufsichtsratschef Lutz Raettig übernommen, der diese Rolle früher schon einmal innehatte. Die übrigen Vorstandsmitglieder übernähmen Notheis’ operative Aufgaben des Tagesgeschäfts. Zur Dauer von Notheis’ Auszeit teilte die Bank zunächst nichts mit.

          Die Nachrichtenagentur Reuters hatte am Wochenende gemeldet, dass Notheis seinen Rücktritt angeboten hatte. Darüber liefen noch Gespräche mit dem 44-Jährigen Investmentbanker, der zu den führenden Fusionsberatern in Deutschland zählt.

          Derzeit prüft ein Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags den umstrittenen fünf Milliarden Euro schweren ENBW-Teilverkaufs, bei dem Notheis seinen CDU-Freund und damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus beraten hat. Es geht um die Frage, ob das Land zuviel bezahlt hat. Der Staatsgerichtshof des Landes hat den ohne Mitwirkung des Parlaments von Mappus und Notheis eingefädelten Kauf der Anteile vom französischen Energiekonzern EdF als Verfassungsbruch beurteilt.

          Der Badener, der seit 1999 nach einer steilen CDU-Karriere bei Morgan Stanley ist und seit 2009 an der Spitze des Deutschland-Geschäfts steht, reagiert mit dem Schritt auf den starken öffentlichen Druck der vergangenen Tage - auch aus der Politik.

          So kamen zuletzt sogar aus den Reihen der CDU und FDP kritische Stimmen. Die Grünen-Fraktion im Landtag verlangte von der Finanzaufsicht BaFin zu prüfen, ob er seine Lizenz zur Leitung einer Bank behalten dürfe.

          Für zusätzliche Brisanz sorgten vor kurzem durch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung bekanntgewordenen E-Mails von Notheis an Mappus, in denen der Investmentbanker dem Ministerpräsidenten in teilweise flapsigem Ton Regie-Anweisungen gab, wie er das am Nikolaustag 2010 überraschend verkündete Milliarden-Geschäft in der Öffentlichkeit und bei Parteifreunden vermitteln soll. Darin soll er zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel als „Mutti“ bezeichnet haben, die als Druckmittel von Mappus mobilisiert werden könne, um das Geschäft voranzubringen. Notheis hat bereits im Kreuzverhör des Untersuchungsausschusses gestanden, könnte aber erneut vorgeladen werden.

          Gut befreundet, exzellent vernetzt

          Notheis ist seit vielen Jahren eng mit Mappus befreundet und gilt auch in der politischen Szene in Berlin als gut vernetzt, was seinem Haus viele lukrative Aufträge eingebracht hat. Bankinsider betonen, Notheis’ Weggang reiße ein großes Loch auf. Er habe in der Vergangenheit zahlreiche große Deals, wie etwa die Mandate für die Börsengänge von Air Berlin oder der Postbank eingefädelt. Wer ihm nachfolgen könnte, ist noch offen.

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