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Stau an der Grenze : Französische Zollbeamte streiken gegen Chaos-Brexit

Gründliche Kontrollen führen zu Stau in Calais. Bild: AFP

Kilometerlange Staus bei Calais und Dunkerque: Die französischen Gewerkschaften wollen zeigen, was bei einem harten EU-Austritt der Briten an den Grenzübergängen droht. Die Zollverwaltung vermutet andere Beweggründe.

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          Ein Streik der Zollbeamten in Calais und in Dunkerque führt seit Wochenbeginn zu kilometerlangen Lastwagen-Staus auf den naheliegenden Autobahnen in Nordfrankreich. Die Beschäftigten der Zollverwaltung in Nordfrankreich klagen, dass ihre Behörde nicht auf den Brexit vorbereit sei und fordern mehr Personal sowie höhere Löhne.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Beamten haben die Arbeit nicht eingestellt, kontrollieren aber gründlicher als sonst. „Diese Aktionen werden fortgesetzt, sie können sich lange hinziehen“, sagte der Generalsekretär der Zoll-Abteilung in der Gewerkschaft Unsa, Vincent Thomazo. Die Zollverwaltung weist die Vorwürfe, dass sie nicht auf den Brexit vorbereitet sei, zurück. Der zuständige Minister, Gérald Darmanin, hat aber zugesagt, sich Anfang nächster Woche mit den Gewerkschaften zu treffen.

          Die Gruppe der Streikenden ist nicht groß, die Rede ist von mehreren Dutzend, doch weil sie an neuralgischen Punkten zum Eurotunnel-Eingang sowie zu den Fährhäfen arbeiten, haben ihre Aktionen große Konsequenzen. Am Mittwoch wurden in Calais und am Eurotunnel-Eingang 3200 wartende Lastwagen gezählt. Pkw-Fahrer versuchten auszuweichen, was im Stadtgebiet von Calais weitere Staus verursachte. Auch bei den Zügen kam es zu Verspätungen. Die Gewerkschaften verweisen auf die drohende Überforderung, wenn es in drei Wochen zu einem harten Brexit kommen sollte. „Wir wollen auf die sich verschlechternden Arbeitsbedingungen hinweisen. Wir sind überhaupt nicht vorbereitet. Die Verwaltung hat mit ihren Maßnahmen einfach zu lange abgewartet“, sagte der Gewerkschaftssprecher  Thomazo.

          „Brexit-Prämie“?

          Der französische Premierminister hat die Anstellung von 700 zusätzlichen Zollmitarbeitern angekündigt, doch in den Augen der Streikenden reicht dies nicht. „Wenn Großbritannien ein Drittland wird, kommt es zu gründlichen Kontrollen. Heute zeigen wir, wozu das dann führen wird“, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft CGT, die die Zollbeamten in ganz Frankreich inzwischen zum Streik aufgerufen hat.

          Die Zollverwaltung bestreitet indes, auf den Brexit schlecht vorbereitet zu sein. Sie weist daraufhin, dass nach dem Brexit die importierten Waren gründlicher kontrolliert werden – nicht aber auf der französischen Seite jene Lastwagen, die Frankreich verlassen. Zudem vermutet die Zollverwaltung, dass die Gewerkschaften die angespannte Lage nur für die Interessen ihrer Mitglieder ausnutzen wollen. So verlangen sie eine „Brexit-Prämie“, höhere Zuschläge für Nachtarbeit (7 Euro statt 1,8 Euro), bessere Bedingungen bei der Krankenversicherung und höhere Risikozuschläge. „Vorsicht, man sollte das Brexit-Datum nicht nutzen, um Forderungen durchzusetzen, die seit langem existieren“, heißt es bei der Zollverwaltung.

          Auf der Autobahn A16 zwischen Dunkerque und Calais stauen sich die Lastwagen.

          Rodolphe Gintz, der Generaldirektor der Zollverwaltung, sagte, dass in der nordfranzösischen Region Hauts-de-France bald 267 neue Zollmitarbeiter die Arbeit antreten werden. Die Verwaltung betont auch, dass die Kontrollen nicht vor der Einfahrt in den Tunnel oder an den Häfen stattfinden, sondern während der Überfahrt. Allerdings müssen die Spediteure Zollerklärungen vorher im Internet ausgefüllt haben. Wenn dies nicht der Fall ist, sollen die Lastwagen auf der jeweils anderen Seite herausgewunken und separat abgefertigt werden.

          Die Präfektur der Region Hauts-de-France warnte auch am Donnerstag vor langen Staus. Betroffen sind vor allem die Autobahnen A16 und A26 bei Calais und Dunkerque. Zusätzliche Stellflächen für die Lastwagen würden bereitgestellt, wie die Behörde auf Twitter mitteilte.

          Der Vorstandsvorsitzende der Eurotunnel-Betreibergesellschaft Getlink, Jacques Gounon, hatte schon Anfang Februar vor drohenden Streiks an der französisch-britischen Grenze gewarnt (F.A.Z. 2. Februar). „Wir wechseln von einer offenen Grenze zu einer geschlossenen und sehr verwalteten Grenze. Man braucht zwei Jahre, um sich darauf vorzubereiten. Lange Staus sind sicher“, sagte auch David-Olivier Caron, Generalsekretär der Gewerkschaft CFDT beim Eurotunnel-Betreiber. Mehr als ein Viertel des britischen Warenaußenhandels passiert den Eurotunnel.

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