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Musks Übernahmepläne : Twitter wird zum Spielball

  • -Aktualisiert am

Elon Musk im Dezember 2020 Bild: Reuters

Elon Musk tritt einen feindlichen Übernahmekampf los. Das ist ein Albtraum für die Onlineplattform – auch wenn fraglich ist, wie ernst der Kaufversuch überhaupt gemeint ist.

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          Twitter-Vorstandschef Parag Agrawal hat nicht untertrieben, als er seine Mitarbeiter vor wenigen Tagen vor „Ablenkungen“ und „Lärm“ warnte. Er hätte auch von einem Albtraum sprechen können. Denn sein neuer Großaktionär Elon Musk, der eigentlich als Vorstandschef von Tesla und SpaceX genug am Hut hätte, hat Twitter jetzt unaufgefordert ein Kaufangebot gemacht – und damit wird ein Horrorszenario für das Unternehmen wahr. Seit Tagen scheucht Musk es vor sich her, nun stürzt er es auch noch in einen feindlichen Übernahmekampf.

          Was genau Musk in dieser Saga antreibt, ist unklar. Es scheinen jedenfalls nicht nur finanzielle Motive zu sein. Womöglich spielt die pure Lust an der Provokation eine Rolle. Er selbst beschreibt sein Engagement als einen Kampf gegen Zensur und für Demokratie, er argumentiert, Twitter beschneide die freie Meinungsäußerung. Ob er als einer der größten Radau-Macher auf der Plattform in der Lage ist, das nüchtern zu beurteilen, darf indessen bezweifelt werden.

          Querschüsse eines erratischen Großaktionärs

          Fraglich ist auch, wie ernst er den Kaufversuch überhaupt meint. Das „beste und endgültige“ Angebot, das er abgegeben hat, ist keineswegs großzügig, und er dürfte damit erst einmal abblitzen. Vielleicht zöge er sich dann sogar beleidigt zurück. Auf jeden Fall hat er Twitter mit seinem Vorstoß aber zum Spielball der Finanzmärkte gemacht. Dort wird nun die Frage gestellt, ob sich auch andere Kaufinteressenten finden könnten.

          All das kommt für Twitter-Vorstandschef Agrawal zur Unzeit. Er hat seinen Posten erst vor wenigen Monaten angetreten, und seine Aufgabe ist ohnehin schwer genug. Twitter versteht es seit Jahren nicht, sein Potenzial auszuschöpfen. Es gibt ein kurioses Missverhältnis zwischen der gewaltigen Präsenz, die das Unternehmen im öffentlichen Diskurs hat, und seiner überschaubaren wirtschaftlichen Größe, etwa im Vergleich mit Facebook.

          Agrawal will das ändern und hat für die nächsten Jahre ehrgeizige Ziele ausgegeben. Nun muss er sich nebenbei mit Querschüssen eines erratischen neuen Großaktionärs herumschlagen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

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