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250. 000 Dollar Schweigegeld : Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Elon Musk

Elon Musk Bild: AFP

Elon Musk soll eine Flugbegleiterin in seinem Privatjet belästigt haben. Er weist das scharf zurück – und wittert eine politische Verschwörung gegen sich.

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          Elon Musk sieht sich Vorwürfen sexueller Belästigung gegenüber. Einem Enthüllungsbericht der Onlinepublikation „Insider“ zufolge soll der Vorstandschef des Elektroautoherstellers Tesla und des Raumfahrtunternehmens SpaceX sich in einem Privatflugzeug vor einer Flugbegleiterin entblößt und sie ohne Einwilligung berührt haben. Er habe sie außerdem zu sexuellen Handlungen aufgefordert und angeboten, ihr dafür ein Pferd zu kaufen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Flugbegleiterin habe den Vorfall an SpaceX gemeldet, wo es dann zu einem Schlichtungsverfahren gekommen sei. Sie habe 250. 000 Dollar bekommen und im Gegenzug versprochen, keine Klage einzureichen und die Angelegenheit nicht an die Öffentlichkeit zu bringen.

          Musk hat die Vorwürfe scharf zurückgewiesen. Auf Twitter sprach er von „wilden Anschuldigungen“, die „völlig unwahr“ seien. Die in dem Bericht beschriebene Episode sei „nie passiert“. Die Publikation habe mit dem Artikel das Ziel verfolgt, den unlängst vereinbarten Verkauf von Twitter an ihn zu stören. Musk twitterte weiter, Attacken gegen ihn seien politisch motiviert. Der Tesla-Chef hat in jüngster Zeit verstärkt über seine persönliche politische Haltung gesprochen, in dieser Woche sagte er, er werde künftig nicht mehr wie früher die Demokratische Partei wählen, sondern die Republikaner.

          „Insider“ beruft sich in der Geschichte auf eine Freundin der Flugbegleiterin und Dokumente, die sie zur Verfügung gestellt habe, darunter E-Mails und eine von ihr unterschriebene Erklärung mit Beschreibungen des Vorfalls. Diese Erklärung habe sich auf Erzählungen der Flugbegleiterin berufen. Darin heißt es, sie sei ermutigt worden, sich jenseits ihrer eigentlichen Aufgaben auf eigene Kosten eine Lizenz als Masseurin zu beschaffen, um Musk massieren zu können.

          Der Vorfall habe sich 2016 auf einem Flug nach London ereignet. Musk habe die Flugbegleiterin für eine „Ganzkörpermassage“ in sein Zimmer gebeten. Er sei nackt gewesen und habe zunächst noch ein Tuch getragen, während der Massage aber seinen erigierten Penis entblößt. Er habe sie dann berührt und ihr das Pferd angeboten, wenn sie „mehr machen“ würde, was sie dann allerdings nicht getan habe.

          Belästigungvorwürfe bei Tesla und SpaceX

          Nach dem Vorfall habe sie weniger Schichten bekommen, und sie habe das Gefühl gehabt, sie solle aus dem Unternehmen gedrängt werden, weil sie Musks Annäherungsversuche zurückgewiesen habe. 2018 habe sie dann eine Anwältin angeheuert und mit deren Hilfe eine Beschwerde in der Personalabteilung von SpaceX eingereicht. Daraufhin sei es zur Schlichtung und zu der Abfindungsvereinbarung mit dem Schweigegeld gekommen.

          Weder die Flugbegleiterin noch die Freundin werden in dem Bericht identifiziert. „Insider“ zufolge habe die Freundin gesagt, sie habe sich entschieden, die Episode ans Licht zu bringen, ohne dies mit der Flugbegleiterin abgesprochen zu haben. Sie habe das als ihre Verantwortung gesehen, weil sie selbst Opfer eines sexuellen Übergriffs gewesen sei. Musk nannte die Freundin eine Lügnerin. Er sagte weiter, die Geschichte sei geschrieben worden, ohne dass „Insider“ mit ihm gesprochen habe. Die Publikation schrieb indessen, sie habe Musk kontaktiert, und er habe um mehr Zeit für eine Antwort gebeten, sich dann aber trotz verlängerter Frist nicht mehr gemeldet. Er habe weiter geschrieben, wenn er tatsächlich zu sexueller Belästigung neigte, wäre es unwahrscheinlich, dass dies nun zum ersten Mal in seiner langen Karriere ans Licht komme.

          Bisher sind tatsächlich nie solche Vorwürfe gegen Musk persönlich bekannt geworden. Allerdings gab es sie in jüngster Zeit in seinen Unternehmen. Eine ehemalige Mitarbeiterin von SpaceX veröffentlichte Ende vergangenen Jahres einen Blogeintrag, in dem sie schrieb, „zahllose“ Kollegen hätten ihr sexuelle Avancen gemacht. Ungefähr zur gleichen Zeit reichten sechs gegenwärtige und frühere Mitarbeiterinnen von Tesla eine Klage ein und erhoben den Vorwurf, sie seien am Arbeitsplatz sexueller Belästigung ausgesetzt gewesen, zum Beispiel ungewollten Berührungen. Einige Frauen nahmen dabei auch Musk selbst in die Verantwortung. Eine von ihnen sagte zur „Washington Post“, Musks bisweilen schlüpfrigen Tweets stachelten ihre männlichen Kollegen an. Der Anwalt der Klägerinnen sprach von einer „Einstellung an der Spitze“, die ein „Muster allgegenwärtiger Belästigung und Vergeltung“ ermögliche.

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