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Elon Musk : Das erfolgreiche Großmaul von Tesla

Elon Musk, der Vorstandsvorsitzende von Tesla Bild: AP

Elon Musk versteht sich als ein Unternehmer, der noch echte Weltprobleme anpackt. Und er liebt es, wenn er mit seiner Firma Tesla dabei auch noch Staub aufwirbeln kann.

          3 Min.

          Elon Musk macht seinem Ruf wieder einmal alle Ehre. Der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Elektroautoherstellers Tesla Motors ist in seinem Element, wenn er vollmundige Ankündigungen machen und damit Staub aufwirbeln kann. Jetzt erklärte er kurzerhand Patente für überflüssig. Patente behindern nur den Fortschritt, zementieren die Position der Branchengiganten und bereichern die Anwälte, wetterte er. „Man sollte so schnell mit Innovationen sein, dass man seine früheren Patente selbst entwertet,“ verkündete er als seine Devise. Es ist schon etwas eigenartig: Musk ruft einen Patentfrieden aus, ohne selbst in einer nennenswerten Patentauseinandersetzung zu stecken. Der Mann, der sich als Angreifer in der Branche versteht, will nun seine Wettbewerber um sich versammeln mit dem Ziel, gemeinsam die Verbreitung von Elektroautos voranzutreiben. Seine Motive sind freilich keineswegs selbstlos. Wenn die ganze Branche mehr in Elektromobilität investiert, könnte davon auch Tesla profitieren. Nicht nur mit seinen eigenen Autos, sondern möglicherweise auch mit dem Verkauf von Batterien an Wettbewerber.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In jedem Fall ist Musk mit seinem Abgesang auf Patente wieder einmal ein öffentlichkeitswirksamer Coup geglückt, zumal in einer Zeit, in der in anderen Branchen wie der Elektronikindustrie Patentschlachten toben. Musk gefällt sich darin, wenn er eine große Bühne hat und kühne Ansagen macht. Sein Verständnis von Unternehmertum reicht weit darüber hinaus, mit irgendeiner Fotoanwendung für Smartphones reich zu werden. Er will ein Typ sein, der noch echte Weltprobleme anpackt. Mit Tesla will er den Durchbruch für Elektromobilität in der breiten Masse schaffen und damit eine Zukunft des umweltverträglichen Personentransports einläuten. Die Visionen für sein zweites großes Projekt, das Raumfahrtunternehmen Space X, das er ebenfalls als Vorstandsvorsitzender führt, klingen wie Science-Fiction. Er hat das Ziel ausgegeben, die Welt „multiplanetar“ zu machen und eines Tages ein Leben auf dem Mars zu ermöglichen. Nach seiner Meinung braucht die Menschheit eine Alternative, denn dem Leben auf der Erde drohe irgendwann die Auslöschung.

          Tesla wird von der Börse verehrt

          Ohne Zweifel ist der 42 Jahre alte Musk ein Großmaul. Aber er ist auch ein Unternehmer von einer Sorte, die es sonst nicht allzu oft gibt. Und bei allen Zukunftsfantasien, die er gerne verbreitet, kann er auch in der Gegenwart handfeste Erfolge vorweisen. So mag Tesla zwar längst kein Massenhersteller sein, schafft aber dennoch beachtliche Verkaufszahlen und wird von der Börse verehrt. Und mit SpaceX ist es ihm gelungen, eine neue Ära in der amerikanischen Raumfahrt einzuläuten. So schaffte das Unternehmen vor zwei Jahren mit seiner unbemannten Raumkapsel „Dragon“ die erste erfolgreiche Privatmission zur Raumstation ISS. Erst vor wenigen Wochen stellte SpaceX außerdem seine erste Raumkapsel für bemannte Flüge vor.

          Elon Musk kommt ursprünglich aus Südafrika. Technik faszinierte ihn schon als Kind. Als er zwölf Jahre alt war, programmierte er ein Videospiel und verkaufte es an eine Computerzeitschrift. Gegen den Willen seiner Eltern brach er mit 17 Jahren in die kanadische Heimat seiner Mutter auf, von dort aus ging er zum Studieren in die Vereinigten Staaten. Nach zwei Studienabschlüssen in Volkswirtschaft und Physik wollte er zunächst noch einen Doktortitel an der Stanford-Universität im kalifornischen Silicon Valley draufsetzen. Aber ihn packte der Gründergeist der Region und er beschloss, Unternehmer zu werden. Sein erstes Projekt war Zip2, ein Internetdienstleister für die Medienindustrie, dann folgte X.Com, ein Online-Bezahldienst, aus dem später Paypal werden sollte. Paypal wurde schließlich an Ebay verkauft, und Musk bekam 180 Millionen Dollar. Seinen neu gewonnenen Reichtum pumpte er zunächst in SpaceX und stieg danach kurz nach der Gründung bei Tesla ein. In beiden Unternehmen musste er herbe Rückschläge hinnehmen. So ging in den frühen Jahren von SpaceX eine Reihe von Raketenstarts schief, und Tesla wurde von Verzögerungen in der Produktentwicklung und Liquiditätsengpässen zurückgeworfen. Aber heute ist er mit beiden Unternehmen obenauf. Und auf der jüngsten „Forbes“-Liste wird Musk mit einem Vermögen von 8,2 Milliarden Dollar geführt.

          Seine Doppelbelastung als Vorstandschef zweier Unternehmen hält Musk nicht von anderen Projekten ab. So ließ er im vergangenen Jahr mit Plänen für die Hochgeschwindigkeitsbahn „Hyperloop“ aufhorchen, die Passagiere innerhalb von dreißig Minuten von Los Angeles nach San Francisco bringen sollen. Er beschrieb den „Hyperloop“ als Alternative zu einem geplanten Zugprojekt, das er für nicht ambitioniert genug hält. Ein typischer Seitenhieb von Musk im Kampf gegen die Mittelmäßigkeit.

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