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Elmar Degenhart : Der neue Schaeffler-Günstling

Künftig wird der Schaeffler-Manager Elmar Degenhart den Reifenhersteller führen Bild: Privat

Elmar Degenhart soll künftig den Reifenhersteller Continental führen. Noch-Conti-Chef Neumann nennt Degenhart sportlich einen „guten Typ“. Klar ist gleichzeitig: Degenhart ist ein Mann der Schaeffler-Familie. Ein Porträt.

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          „Guter Typ“. Das allein ist Auszeichnung genug. Die gewinnt jedoch an Gewicht als positives Urteil für Elmar Degenhart, wenn sie aus dem Mund desjenigen kommt, der gar nicht gut auf Degenhart zu sprechen sein sollte: Karl-Thomas Neumann, der – noch – Vorstandsvorsitzender der Continental AG ist. An diesem Mittwoch soll seine Absetzung auf der Aufsichtsratssitzung des Automobilzulieferers in Hannover erfolgen. Neumann, 48 Jahre, soll durch Elmar Degenhart, 50 Jahre, ausgewechselt werden.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Degenhart leitet derzeit noch die Automotive-Sparte des Conti-Großaktionäres Schaeffler. Er ist ein Mann der Schaeffler-Familie, Eigentümer des Wälzlagerherstellers in Herzogenaurach. Und er gilt als ein Mann von Geschäftsführer Jürgen Geißinger. Beide kennen sich schon mehr als zehn Jahre bestens. Das muss nicht per se eine Beschäftigungsgarantie als Conti-Vorstandschef sein. Denn vor nicht einmal einem Jahr galt auch Neumann als Auserwählter der Schaefflers und von Geißinger. Sein bevorstehender Abgang ist das Ende einer von Außen für viele nicht mehr nachvollziehbaren Wandlung des einstigen Schaeffler-Günstlings, der in Ungnade gefallen ist.

          Neumann gibt sich sportlich

          Doch Neumann gibt sich sportlich, indem er in Degenhart den „guten Typ“ sieht. Das dürfte er vor allem menschlich meinen. Denn Degenhart – Maschinenbauingenieur mit Fachrichtung Luft- und Raumfahrttechnik, der in Reinraumtechnik promoviert hat – gilt als ruhiger und sehr ausgeglichener Mensch. Er ist somit ein Antityp zu Neumann, der wesentlich stimmungsabhängiger ist. Vor allem ist Degenhart jemand, der auf der Suche nach Ausgewogenheit und Ausgleich ist. Er hört verschiedene Standpunkte, bevor er entscheidet. Mit seinem überlegten Handeln gilt er zudem als äußerst diszipliniert.

          Neben dem Ingenieur Degenhart soll es auch einen Manager Degenhart geben, der thematisch breiter aufgestellt ist und auch in kapitalmarktrelevanten Themen besser zu Hause sein soll als Neumann. Dabei gibt es Stimmen, die meinen, er könne Neumann unternehmerisch und strategisch nicht das Wasser reichen. Tatsächlich wird sich das schon in den nächsten Wochen und Monaten zeigen, wenn der neue Vorstandsvorsitzende von Continental erst einmal wieder für Ruhe nach dem Chaos zwischen Hannover und Herzogenaurach sorgen muss.

          Es geht um die Refinanzierung des hochverschuldeten Unternehmen;s um die Entscheidung einer Kapitalerhöhung; um die Art des Zusammenschlusses von Conti und Schaeffler; um eine Entscheidung über den Sitz einer möglichen Holding – in Hannover oder Herzogenaurach –, die die Politik in Niedersachsen und in Bayern auf den Plan ruft. Und es geht um die Krisenbewältigung mit Absatzeinbrüchen in der Autoindustrie und einer Sanierung der Motoren- und Getriebesparte Powertrain.

          Der Schaeffler-Mann - unbestritten

          Hierbei handelt es sich nur um einen Ausschnitt seiner neuen Agenda. Degenhart wird zugeschrieben, dass er mit einer amerikanischen Führungskultur und dem damit verbundenen Führungsstil die Probleme direkter angehen würde als in manchen Dingen taktierende deutsche Manager. Das mag einer der Gründe sein, warum Degenhart nur eineinhalb Jahre bei Bosch gewesen ist, wo er die Sparte Chassis-Systeme leitete. Den Sitzehersteller Keiper Recaro verließ er 2008 nach drei Jahren in der Führungsposition, weil der Sohn des Firmeninhabers Chefambitionen entwickelte.

          Als Degenhart am 1. August 2008 in der Automotive-Sparte von Schaeffler mit 6 Milliarden Euro Umsatz und rund 40.000 Mitarbeitern angefangen hatte, gab er schließlich nach vielen Jahren dem Drängen von Jürgen Geißinger nach. Die beiden kennen sich seit den neunziger Jahren vom amerikanischen Zulieferkonzern ITT. Geißinger war dort Chef von Degenhart, der bei Teves arbeitete. Teves wurde 1998 an Continental verkauft. Geißinger wechselte zu Schaeffler und wollte Degenhart mitnehmen. Der ging seinen Weg. Er stieg in die Geschäftsleitung von Teves auf und war für elektronische Bremssysteme zuständig. Immer wieder soll Geißinger versucht haben, ihn zu Schaeffler zu holen. Der aber blieb konsequent. Er verließ Conti, weil er gegen Wolfgang Ziebart das Nachsehen hatte. Ziebart galt lange als Thronfolger vom damaligen Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer.

          Degenhart ist unbestritten der Schaeffler-Mann – und vielleicht auch ein Geißinger-Mann. Doch wird es von ihm abhängen, ob er einfach nur ausführendes Organ einer Schaeffler-Familie im Spitzenmanagement von Continental sein wird, wie es durchaus auch mal mit Karl-Thom,as Neumann angedacht war. Allerdings hat sich seit dessen Ernennung die Situation grundlegend gewandelt. Denn die hohe Verschuldung von Schaeffler in Folge der Mehrheitsübernahme von Conti hat dazu geführt, dass die Familie über kurz oder lang ihren Einfluss verlieren wird. Das ist eine Chance für den auf Ausgleich bedachten Degenhart. Klar ist, dass er nicht einfach nur ein Vasalle von Geißinger ist. Doch muss Elmar Degenhart noch einiges tun, um seine Gegner eines anderen von zu überzeugen.

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