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Elektrotechnik : Siemens-Betriebsrat befürchtet Abbau von 74.000 Stellen

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Der Siemens-Betriebsratsrat hat die drohende Verlagerung tausender Stellen erneut heftig kritisiert und bei Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz den Gang vor Gericht angekündigt. Das Unternehmen selbst wies unterdessen Berechnungen der Arbeitnehmer strikt zurück, wonach letztlich bis zu 74.000 Arbeitsplätze gefährdet sein könnten.

          „Das, was die Firmenleitung 'Optimierung der globalen Wertschöpfung' nennt, bedeutet konkret, ein erfolgreiches und gut funktionierendes Unternehmen zu zerlegen und in alle Winde zu zerstreuen", teilte Gesamtbetriebsratschef Ralf Heckmann am Donnerstag in München mit. Es handele sich um ein „Arbeitsplatzvernichtungsprogramm“ für Deutschland.

          Siemens erwartet Kooperation bei Kostensenkungen von Betriebsräten

          Siemens hatte Anfang des Monat erklärt, theoretisch seien bis zu 5000 der insgesamt 167.000 Stellen in Deutschland wegen Kostennachteilen oder strukturellen Problemen gefährdet. IG Metall und Betriebsrat hatten damals hingegen von konzernweit mehr als 10.000 bedrohten Arbeitsplätzen gesprochen.

          Siemens hat die Betriebsräte aufgefordert, sich Kostensenkungen - etwa durch die teilweise Einführung einer 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich - nicht zu verweigern und so Stellen zu retten. Arbeitsgruppen prüfen nun Möglichkeiten - ein Prozeß, der nach früheren Angaben mehrere Wochen dauern soll.

          Betriebsrat lehnt Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ab

          Heckmann warnte Siemens davor, Maßnahmen umzusetzen bevor die Beratungen des Betriebsrats abgeschlossen seien. „Der Gesamtbetriebsrat behält sich vor, den Rechtsweg zu beschreiten, falls sich die Firmenleitung über diese Bestimmungen hinwegsetzen sollte", hieß es in der Erklärung. Die vom Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer geforderte Rückkehr zur 40-Stunden-Woche lehnte Heckmann „mit und erst recht ohne Lohnausgleich als volkswirtschaftlich grundverkehrt“ ab, wie er am Donnerstag erneut erklärte.

          Der Betriebsrat appellierte an die Konzernleitung, die Fertigung in Deutschland zu belassen und nicht mehr in Diktaturen zu investieren. Bei der Vergabe von EU-Fördermitteln für neue Standorte müsse die Politik die Zustimmung der betroffenen Betriebsräte vorschreiben.

          Seit längerem weist Siemens darauf hin, daß Umsatz und Wertschöpfung in den jeweiligen Märkten in Einklang gebracht werden sollen. Während in Deutschland etwa 40 Prozent der Mitarbeiter arbeiten, liegt der Umsatzanteil lediglich bei gut 20 Prozent.

          „Eine konsequente Umsetzung des 'Anpassungsziels' würde für Deutschland einen Abbau der Belegschaft um 74.000 Mitarbeiter bedeuten", wiederholte der Gesamtbetriebsrat in einem bereits vor Wochen veröffentlichten Positionspapier. „Das ist eine Milchmädchenrechnung", dementierte ein Siemens-Sprecher. Die Arbeitnehmerseite betreibe Panikmache.

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