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Elektrosmog : Vorauseilender Gehorsam

  • -Aktualisiert am

Frankreichs Handyhersteller warnen vor möglichen Gefahren des Mobiltelefonierens. Die Angst vor Schadensersatzklagen macht es möglich.

          Noch ist nichts bewiesen. Doch um jeglichen Schadensersatzklagen vorzubeugen, weisen Frankreichs Handyhersteller ihre Kunden vorsorglich auf mögliche Gefahren des Elektrosmogs hin. Am weitesten wagt sich der drittgrößte Mobilfunkbetreiber des Landes, Bouygues Télécom, vor.

          Das Familienunternehmen versendet Rundbriefe an seine Abonnenten und informiert jeden, der Genaueres wissen will, über das Internet. Bouygues-Manager, Jean-Claude Bouillet, erklärt das ungewöhnliche Vorgehen so: "Wir haben Vergleiche mit Affären um Dioxin-Fleisch und aidsverseuchten Blutkonserven angestellt und sind zu dem Ergebnis gekommen: Wenn wir nichts sagen, könnte die Bevölkerung glauben, dass wir etwas zu verbergen hätten".

          Aus anderen Skandalen gelernt

          Verwunderlich, aber wahr: Frankreichs Mobilfunker haben von den zurückliegenden Skandalen anderer Branchen gelernt. Auch Cegetel aus dem Hause Vivendi tabouisiert das Thema Elektrosmog nicht wie andere Telekomkonzerne in der Welt, sondern schaltete auf seiner Homepage Links zu wissenschaftlichen Studien über das Thema. Nur Marktführer France Télécom hält sich bedeckt, wiegelt aber nicht grundsätzlich wie andere Unternehmen ab, die argumentieren, dass in Sachen Elektosmog keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise vorlägen.

          Zwei Fälle in den Vereinigten Staaten erklären den vorauseilenden Gehorsam französischer Unternehmen. Dort wurde Verfahren wegen Schadensersatz gegen die Mobilfunkbetreiber Verizon Wireless und Motorola eingeleitet. Zur neuen Offenheit der Hersteller hat aber auch der französische Verbraucherschutz beigetragen. Er fand heraus, dass Handys unterschiedlich stark strahlen und listete die harmloseren und gefährlicheren Varianten namentlich auf.

          Bouygues und Cegetel reagierten prompt: Sie verkündeten, dass sie Werbung für Kinderhandys für "kommerziell nicht korrekt" halten. Nicht nur Frankreichs Kinder dürfte die Debatte über Elektrosmog-Handys freuen, sondern auch die Hersteller schnurloser Headsets, mit denen man telefonieren kann, ohne das Gerät ans Ohr zu halten.



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