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Elektronisches Buch : Zahlen aus Amerika schocken die Buchbranche

Manche würden lieber heute als morgen gedruckte Bücher aus den Regalen der Leser verschwinden lassen Bild: dpa

Das elektronische Buch steht vor dem Durchbruch. Zahlen vom amerikanischen Markt alarmieren auch deutsche Buchhändler. Dennoch glauben sie, am Branchenwachstum zu partizipieren. Das größte Hindernis: 60 Prozent des digitalen Marktes beherrschen Raubkopierer. In Frankfurt präsentiert sich eine verunsicherte Buchbranche im Umbruch.

          Die Welt des Buches verändert sich. Noch sind es nur kleine Inseln in der Welt der Bücher, die sogenannten Hot Spots auf der Frankfurter Buchmesse. Auf diesen Hot Spots präsentieren 100 Aussteller ihre Version vom digitalen Buch - sie stellen Technik vor, Programme und Dienstleistungen für das elektronische Buch. Aber auch wenn nebendran noch die meisten der 7400 Aussteller gedruckte Bücher ausstellen, steht die Messe ganz unter dem Eindruck der neuen Medien. Konnte man bisher darauf verweisen, dass hierzulande seit acht Jahren über das elektronische Buch gesprochen wird, es aber dennoch keine nennenswerten Marktanteile erobern konnte (jüngste Marktdaten geben dem elektronischen Buch hierzulande einen Marktanteil von 0,7 Prozent), so haben jetzt Erhebungen aus den Vereinigten Staaten aufhorchen lassen.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Im ersten Halbjahr 2011 sind nach Angaben der Buchmesse die Umsätze mit Taschenbüchern jenseits des Atlantiks um 64 Prozent und die mit fest gebundenen Büchern um 25 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig sei der Markt für elektronische Bücher expandiert und liege derzeit bei manchem großen Verlag schon bei 20 Prozent des Umsatzes. Das iPad von Apple habe den Markt bereitet, weitere Geräteanbieter folgen wie Amazon mit dem Kindle fire.

          Die Lesegeräte werden immer preiswerter

          Auch in Deutschland steigt die Zahl neuer Lesegeräte von Weltbild Hugendubel, von Thalia und auch vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der über seine Tochtergesellschaft MVB ein Gerät herausbringt, das der Buchfachhandel vom 2. Januar kommenden Jahres an vertreiben wird.

          Viele Beobachter gehen davon aus, dass die technische Entwicklung jetzt so weit ist, um dem elektronischen Buch zum Durchbruch zu verhelfen. Die Geräte sind preiswerter (bei Weltbild 60 Euro), haben Farbdisplays und liegen ergonomisch bequem in der Hand. Das elektronische Buch, dessen Anteil am Branchenumsatz in den vergangenen Jahren immer nur bei knapp einem Prozent lag, wird in diesem Jahr auf 3 Prozent steigen, einige Beobachter erwarten gar 5 Prozent. Gottfried Honnefelder, Vorsitzender des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, geht davon aus, dass er in fünf Jahren bei knapp 10 Prozent liegen wird. Das wäre ein großes Wachstum in einem Gesamtmarkt, der im bisherigen Jahresverlauf noch im Minus (2 bis 3 Prozent) liegt.

          Die Buchbranche setzte in Deutschland im vergangenen Jahr 9,7 Milliarden Euro um, 0,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Davon entfielen mit 4,9 Milliarden Euro ziemlich genau 50 Prozent auf den stationären Buchhandel. Dieser hat im Augenblick große Schwierigkeiten, weil immer mehr Bücher über das Internet bestellt werden. Honnefelder zeigte sich bei der Eröffnung der Buchmesse aber überzeugt davon, dass der Buchhandel seinen Anteil von etwa 50 Prozent über die kommenden 15 Jahre halten könne. Handel wie Verlage seien sich der Herausforderungen durch die Elektronik bewusst und nähmen sie an.

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