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Elektronische Signatur : Signtrust-Auflösung: Mehr als eine Umstrukturierung

  • -Aktualisiert am

Die Post löst Signtrust auf. Ein Verkauf an Microsoft scheiterte. Die digitale Signatur soll vom Staat fortenwickelt werden, fordern Wissenschaftler.

          Die Deutsche Post wird ihr E-Business aufgeben oder in Teilen neu ordnen. Die Tochtergesellschaft E-Business GmbH, die im Jahr 2000 im Umfeld des Börsengangs der Muttergesellschaft zur Bündelung der internetbasierten Geschäftsideen gegründet worden war, steht jetzt vor einem radikalen Umbau.

          Nach Angaben der Deutschen Post stehen im Konzern einzelne Geschäftsfelder aus diesem Bereich hinsichtlich Integration oder Verkauf auf dem Prüfstand. Erstes Opfer der Neuausrichtung ist das Unternehmen Signtrust, einer Tochter von E-Business, das aufgelöst werden soll.

          Microsoft war interessiert

          Wie FAZ.NET aus Unternehmenskreisen erfuhr, liefen seit geraumer Zeit Verhandlungen mit der amerikanischen Microsoft. Der Softwarekonzern hatte offensichtliches Interesse an der Signtrust-Technologie auf Basis der elektronischen Signatur. Doch der Verkauf scheiterte wohl an der Forderung Microsofts, das Branding von Deutsche Post Signtrust mit übernehmen zu können. Dem wollte die Deutsche Post nicht entsprechen.

          Auch die sich bietende Alternative, Signtrust mit Hilfe einer Öffnung des Unternehmens für Wagniskapitalgesellschaften zu erhalten, habe die Post nicht ergreifen wollen.

          Wer zu früh kommt...

          Als Begründung für ihre Entscheidung Signtrust aufzulösen, erklärte Clemens Beckmann, Geschäftsführer der E-Business: „Unsere Pläne für die Geschäftsentwicklung waren unter den gegebenen Bedingungen nicht einzuhalten.“ Anders als die an einer Übernahme interessierte Microsoft hält Beckmann „die Zeit für eine solche Technologie“ noch nicht „für reif“.

          Die dem Kerngeschäft nahe stehenden Geschäftsmodelle wie ePost oder Deutsche Post Com seien bereits in den Unternehmensbereich Brief integriert worden. Auch bei E-Vita, dem Shoppingportal der Deutschen Post, ist an eine strategische Partnerschaft oder an einen Verkauf gedacht.

          Hoheitliche Aufgabe wird vernachlässigt

          Der angekündigte Rückzug der Deutschen Post aus dem Markt für digitale Signaturen zeigt nach Ansicht des Trierer Instituts für Telematik, dass der Staat das Thema Sicherheitsinfrastruktur fürs Internet nicht kommerziellen Anbietern überlassen darf. Professor Christoph Meinel, Direktor eines der in Deutschland führenden Forschungszentren für das Internet, befürchtete am Freitag bei der Vorstellung einer Signatur-Studie seines Instituts, dass die Durchsetzung der digitalen Signatur in Deutschland „nun noch stärker in die Sackgasse“ geraten werde. Die neuen elektronischen Unterschriften sollen helfen, digitalen Dokumentenaustausch übers Internet gegen Fälschungen abzusichern.

          Der Informatik-Wissenschaftler forderte den Staat auf, endlich seine hoheitliche Aufgabe wahrzunehmen, um im digitalen Zeitalter die Sicherheitsinfrastruktur für den immer bedeutender werdenden elektronischen Handel zu garantieren.

          Deutschland hat Vorsprung eingebüßt

          Meinel zog einen Vergleich mit der Sicherheit, die amtliche Personalausweise und Pässe bieten. Auch hier halte der Staat ja die entsprechende Infrastruktur vor. Der Vorsprung, den sich Deutschland im internationalen Vergleich mit dem schon vor fünf Jahren verabschiedeten anspruchsvollen Signaturgesetz verschafft habe, sei leider bereits eingebüßt, bedauerte Meinel mit Blick auf die Einführungsprobleme der digitalen Signatur.

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