https://www.faz.net/-gqe-rg4d

Elektronik : Thales will nicht an eine Absage der Bundesregierung glauben

  • Aktualisiert am

Der französische Rüstungskonzern Thales will seine Hoffnungen auf eine Übernahme der deutschen Atlas Elektronik GmbH nicht aufgeben. Dies sagte der Vorstandsvorsitzende des französischen Unternehmens, Denis Ranque, bei der Halbjahrespressekonferenz in Paris.

          3 Min.

          Der französische Rüstungskonzern Thales will seine Hoffnungen auf eine Übernahme der deutschen Atlas Elektronik GmbH nicht aufgeben. Dies sagte der Vorstandsvorsitzende des französischen Unternehmens, Denis Ranque, bei der Halbjahrespressekonferenz in Paris. "Hoffen wir, daß das beste Angebot gewinnt", erklärte er und wollte Berichten in dieser und anderen deutschen Zeitungen keinen Glauben schenken, wonach die Bundesregierung einen Verkauf von Atlas an Thales verhindern will (F.A.Z. 15. September). Der britische Eigentümer BAE Systems will sich von Atlas Elektronik trennen, um sich stärker auf Geschäfte in den Vereinigten Staaten zu konzentrieren. Derzeit läuft ein Bieterprozeß, an dem neben Thales auch der deutsche Industriekonzern Thyssen-Krupp sowie das deutsch-französische Rüstungsunternehmen EADS teilnehmen. Eine detaillierte Unternehmensprüfung (due diligence) sei derzeit im Gange und könne noch einige Wochen dauern, sagte ein Sprecher von BAE Systems. Analysten haben den Wert der Atlas Elektronik GmbH, die vor allem ein führender Lieferant für U-Boote ist, auf mehr als 300 Millionen Euro geschätzt.

          Ein hochrangiger Vertreter der Bundesregierung hat in dieser Woche mitgeteilt, daß man einem Verkauf von Atlas an Thales aus sicherheits-, industrie- und rüstungspolitischen Gründen nicht zustimmen könne. Ranque wolle diese Aussagen in Paris am Donnerstag nicht kommentieren. Er habe noch keine Informationen von der Bundesregierung erhalten. Eine Übernahme von Atlas sei sinnvoll, weil hohe Synergieeffekte entstünden. Atlas als der weltweit führende Elektronik-Ausstatter von U-Booten und Thales als die Nummer zwei würden bedeutende Entwicklungsmöglichkeiten entstehen lassen. "Unser Angebot ist von den Gewerkschaften, vom Management und von der Stadt Bremen sehr gut aufgenommen worden", sagte er. Man sei auch dafür offen, ein gemeinsames Angebot mit einem Partner abzugeben, etwa Thyssen-Krupp, ergänzte Ranque.

          Favorit Thyssen

          Nach Andeutungen aus Regierungskreisen favorisiert die Bundesregierung offenbar einen Verkauf von Atlas an Thyssen-Krupp. Die französische Wirtschaftszeitung "Les Echos" berichtete, daß Thyssen-Krupp sowie EADS in einem Gemeinschaftsunternehmen den Zuschlag bekommen würden. Dazu war bei diesen Unternehmen kein Kommentar zu erhalten. In Industriekreisen hieß es jedoch, daß über eine solche Lösung noch nicht entschieden worden sein kann, weil der formelle Verkaufsprozeß noch nicht so weit fortgeschritten sei.

          Unterdessen macht Thales offenbar bei seinen Fusionsverhandlungen mit der staatlichen französischen Werft DCN Fortschritte. Diese Gespräche werden seit mehr als einem Jahr ergebnislos geführt. Ohne ins Detail zu gehen, sagte Ranque, daß es Fortschritte gäbe. Er nannte die Verhandlungen "produktiv" und brachte "sein Vertrauen über ein gutes Ergebnis" zum Ausdruck. Allerdings sprach er auch von "schwierigen Themen", die noch zu lösen seien. Die Finanzmärkte sollten nicht den Eindruck bekommen, die Transaktion sei schlecht für Thales, sagte er. Offenbar geht es darum, daß Thales eine Beteiligung an DCN eingeht und man sich noch über den Preis dafür einigen muß. Presseberichte, nach denen Thales für 30 Prozent 400 Millionen Euro zahlen soll, blieben unkommentiert.

          Gemischte Halbjahresergebnisse

          Die Halbjahresergebnisse von Thales sind gemischt ausgefallen. Der Nettogewinn verlief flach und damit besser als erwartet, doch dafür fiel der Betriebsgewinn schlechter aus als von den Analysten erwartet. Dies lag an einem verlustreichen Auftrag im Bereich der Luftsysteme. Der Konzernumsatz erhöhte sich im ersten Halbjahr um 4 Prozent auf 4,57 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn stieg um 2 Prozent auf 305 Millionen Euro. Die Umsatzrendite sank damit leicht auf 6,4 Prozent.

          Zufrieden zeigte sich Ranque vor allem mit dem Gewinn neuer Aufträge. Sie legten um 6 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zu. Im zweiten Halbjahr, dem traditionell stärkeren Jahresabschnitt, sei eine Verbesserung zu erwarten. Der Thales-Chef zeigte sich befriedigt über die Unterzeichnung eines 900 Millionen Euro umfassenden Vertrages für die militärische Aufklärung unter Einsatz von Dronen für das britische Militär. Dies sei der größte Auftrag, den Thales bisher in Großbritannien erhalten habe. Die Lieferung und elektronische Ausstattung indischer U-Boote - zusammen mit DCN - sei ein weiterer Großauftrag, der 1,2 Milliarden Euro einbringe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Emmanuel Macron und Angela Merkel Ende Oktober bei der Amtseinführung von Christine Lagarde als Präsidentin der Europäischen Zentralbank

          Europäische Souveränität : Macrons Schockstrategie

          Kanzlerin Merkel hat Macrons „Rundumschlag“ kritisiert. Doch der Führungsanspruch des Franzosen wirkt nur deshalb so übermächtig, weil der deutsche Ausgleich fehlt.
          Wie bei Dagobert Duck: Viele Aktivisten demonstrieren schon lange für das bedingungslose Grundeinkommen, wie hier bei einer Aktion 2013 in Zürich.

          Österreich entscheidet : Kommt das bedingungslose Grundeinkommen?

          Eine Privatinitiative fordert ein monatliches Grundeinkommen von 1200 Euro. Sollte das Volksbegehren Erfolg haben, muss sich das Parlament mit dem Thema beschäftigen. Die Kosten wären höher als der gesamte Bundeshaushalt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.