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Elektromobilität : Der Batterie-Visionär vom Polarkreis

Peter Carlsson auf der Baustelle der Batteriefabrik von Northvolt Bild: © 2019 Bloomberg Finance LP

Peter Carlsson hat sich mit seiner Firma Northvolt vorgenommen, Europas größte Batteriefabrik für Elektroautos zu bauen. Günstiger Strom ist dafür in Schwedens hohem Norden reichlich vorhanden.

          8 Min.

          Kann man sich in eine Fabrik verknallen? Die Frage drängt sich auf, wenn Peter Carlsson mit geradezu zärtlichen Worten davon erzählt, wie sehr er es als Schuljunge vor bald vierzig Jahren genossen hat, den Arbeitsplatz seines Vaters im Stammwerk des schwedischen Lastwagenherstellers Scania zu besuchen. „Eine Fabrik mit einer unglaublich starken Seele. Das hat mich immer fasziniert.“ Er sagt es, als redete er von einer Jugendliebe.

          Später kamen professionelle Vergleichswerte hinzu; Carlsson legte eine internationale Karriere als Einkaufs- und Logistikmanager hin; seine Leidenschaft für die Industrie ist nicht geringer geworden. Er beschreibt sie nicht anhand von kalten Kennzahlen, sondern mit einem speziellen Gefühl, einer Mischung aus Ehrfurcht und Hingabe: In einer Halbleiterproduktion in Taiwan habe er diesen wohligen Schauder empfunden, dann auch im Porsche-Werk in Zuffenhausen und beim Elektroautohersteller Tesla in Kalifornien. „In den neunziger Jahren habe ich mir beruflich mehr als 200 Fabriken auf der ganzen Welt angesehen“, sagt Carlsson. „In den besten steckt eine besondere Energie. Der gemeinsame Nenner ist der Eindruck von Ruhe, den das perfekt synchronisierte Zusammenspiel von Menschen, Maschinen und Material hinterlässt.“

          Genau so soll es eines Tages in der Fabrik zugehen, deren Bau Peter Carlsson gerade selbst im hohen Norden von Schweden für seine Firma Northvolt vorantreibt, nicht weit entfernt vom Polarkreis. Dort, wo es jetzt im Winter kaum hell wird, soll Europas gebeutelter Autoindustrie ein Licht aufgehen. Northvolt will die Batteriezellen für Millionen von Elektroautos liefern, die Europa in den kommenden Jahren brauchen wird, um die selbstgesteckten Ziele im Ringen gegen den Klimawandel erreichen zu können.

          Ein waghalsiges Unterfangen

          Es ist ein Projekt, vor dem in der Vergangenheit so namhafte Kandidaten wie Bosch und Continental zurückgeschreckt sind. Denn erstens sind gigantische Anfangsinvestitionen nötig. Und zweitens wirkt die Konkurrenz aus Asien auf dem Weltmarkt übermächtig.

          Peter Carlsson verspricht ungerührt, im Preiskampf bestehen zu können – und zugleich die „grünste Batterie der Welt“ zu liefern. Billig und umweltfreundlich, das soll sich plötzlich nicht mehr ausschließen. Ein Viertel des europäischen Markts will Carlsson mit dieser Formel erobern. Etwas Schwierigeres kann sich ein Manager in dieser Branche derzeit kaum vornehmen. Dass er nicht etwa im Auftrag eines Chemiekonzerns oder großen Autozulieferers derart vorprescht, sondern an der Spitze eines unerfahrenen Start-ups steht, macht aus der Sache ein waghalsiges Unterfangen.

          Viele meinen, für den beruflichen Aufstieg komme es vor allem auf individuelle Leistung und Talent, auf Tatkraft und Zielstrebigkeit an. Im echten Leben sind glückliche Zufälle indes manchmal genauso wichtig. Es war tief in der Nacht, als Anfang 2016 in Peter Carlssons Haus das Telefon klingelte. Damals wohnte er noch in Amerika. Er hatte sich nirgends um eine neue Stelle beworben. Er ging nicht mit unerfüllten Ambitionen hausieren, er drängte sich nirgends auf. Er wartete auch auf keinen bedeutsamen Rückruf. Erst recht nicht von einer Nummer mit der Ländervorwahl 0046, also aus seiner alten Heimat Schweden.

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