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Elektroautos : VW will den I.D. klimaneutral bauen

Das Logo von VW auf Autos, die für eine Konzeptstudie entworfen wurden. Bild: Reuters

Der neue Elektrowagen I.D. soll in Zwickau mit Grünstrom gebaut werden. Die Zulieferer müssen nachhaltiger werden, um in der Wertschöfpungskette bestehen zu können. VW droht mit dem Ausschluss.

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          Volkswagen will mit seinen neuen Elektroautos, die unter dem Namen I.D. von 2020 an auf den Markt kommen, einen großen Schritt in Richtung klimaneutraler Mobilität machen. „Der neue I.D. wird das erste bilanziell klimaneutral hergestellte Serienauto des Konzerns“, sagte Thomas Ulbrich, der Vorstand für E-Mobilität der Marke VW am Freitag auf einem Symposium in der Gläsernen Manufaktur in Dresden.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die Herstellung des I.D. verbessere die Klimabilanz um mehr als eine Million Tonnen CO2 im Jahr. Wenn die Kunden konsequent Grünstrom laden, könne der I.D in Zukunft als erstes Elektroauto des Konzerns über den gesamten Lebenszyklus in der Bilanz CO2-neutral sein.

          Weg zur Neutralitität wird kein leichter sein

          Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ralf Pfitzner, der Leiter Nachhaltigkeit im Wolfsburger Konzern, sagte, dass ein Auto mit Verbrennungsmotor bei VW über den Lebenszyklus derzeit im Schnitt 43,7 Tonnen CO2 emittiert. Davon entfielen rund zwei Drittel allein aufs Tanken – also die Emissionen beim Fahren.

          Zuerst einmal steigt bei der Zulieferung von wichtigen Teilen wie Batterien für die Elektroautos die Menge an CO2 deutlich an, die emittiert wird. Rund 150 Prozent kommen beim I.D. gegenüber einem Golf Diesel obenauf. Die Menge an CO2 versucht VW bis zum Prosuktionsstart Ende dieses Jahres deutlich zu senken. Beim I.D. komme VW – mit den bereits beschlossenen Maßnahmen in der CO2-Gesamtbilanzierung – derzeit etwa auf eine Halbierung.

          Grüne Produktion laut dem Konzern

          Die Produktion der neuen Elektroautos im VW-Werk im sächsischen Zwickau wird nach Angaben von VW nur mit externem Strom aus erneuerbaren Quellen betrieben werden. Von 158.000 Tonnen CO2 hat Zwickau die Emissionen trotz leicht gesteigerter Produktion bereits auf 53.000 Tonnen im letzten Jahr reduziert. Auch mit dem I.D. werde ein Rest bleiben, hieß es. Das will VW kompensieren durch Maßnahmen wie zum Beispiel die Aufforstung tropischer Wälder.

          Die Batteriezellen kauft VW in Europa – zum größten Teil in Polen. Obwohl in dem Land Kohle bei der Stromversorgung noch eine zentrale Rolle spielt, decken die polnischen Zellzulieferer nach Angaben von VW die Energie für die Zellfertigung mit Grünstrom. Das senke die CO2-Emissionen bei der Zellfertigung immerhin um rund 80 Prozent, berichtete Marco Philippi, der beim I.D. für die Beschaffung zuständig ist.

          Zulieferer stehen unter Zugzwang

          Schwieriger sieht es bei den Rohstoffen für die Batterien aus. „Wir können ihnen da nicht sagen, wieviel Potential zur CO2-Einsparung wir da erwarten.“ Nachhaltigkeit spiele beim I.D. aber eine entscheidende Rolle. Auch für VW sei das eine Kulturrevolution gewesen. Die Zulieferer sollten dem folgen. „Wir werden Lieferanten, die nicht unseren Anforderungen entsprechen, ausschließen“, sagte Philippi.

          „Wenn wir das Ziel einer emissionsfreien Mobilität 2050 erreichen wollen, dann muss die Veränderung jetzt beginnen.“ Mit diesen Worten begründete Christian Senger, der Leiter der Baureihe e-mobilty, dass sich Volkswagen nach den Betrügereien im Abgasskandal mit dem I.D, zum ökologischen Musterknaben wandeln will. Senger geht davon aus, dass das Elektroauto in gut 20 Jahren die dominierende Fahrzeugart sein wird. Treiber dürfte China sein, wo VW 2040 einen Marktanteil von 80 Prozent für Elektroautos erwartet, in der EU sollten es 70 Prozent sein, in den Vereinigten Staaten 60 Prozent.

          VW erwartet auf seinem Weg zur klimaneutralen Mobilität allerdings auch eine stärkere Unterstützung der Politik. Hürden für das E-Auto, etwa beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur, müssten schnell abgebaut werden. Zudem müsse es auch bei der Energiewende klarere Zielvorgaben geben.

          Für Georg Kell, den Sprecher des Nachhaltigkeitsrats bei Volkswagen, ist die Dekarbonisierung neben der Digitalisierung der zweite große Megatrend der Autobranche. „Der Wettbewerbsvorteil der Zukunft wird immer mehr davon abhängen, wie klimaneutral man ist“, sagte er. Die Zahlen, die VW auf dem Symposium bekannt gab, scheinen das zu bestätigen.

          Aus den ursprünglich zehn Millionen Elektroautos, die der Konzern in der ersten Phase von 2020 an auf der Basis des neuen, modularen Elektrobaukastens plante, sind jetzt 15 Millionen geworden. „Wenn VW etwas macht, dann machen wir es groß“, sagte Senger – mit jeder Händlerrunde, auf denen das Unternehmen den neuen I.D. präsentierte, seien die Planzahlen gestiegen – getrieben vor allem vom chinesischen Markt.

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