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Carsten Knop

Elektroautos : Mobilität ohne Subventionen

  • -Aktualisiert am

Für den Kauf eines Elektroautos wird es keine staatliche Prämien geben, hat die Bundesregierung vor dem Spitzentreffen zur Elektromobilität an diesem Montag unterstrichen. Das ist eine gute Nachricht. Deutschland braucht keine Subventionen für Elektroautos. Nur im Wettbewerb wird sich die beste Technik durchsetzen.

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          Deutschland braucht keine Subventionen für Elektroautos. Die Industrie hat keine direkten Kaufanreize im Stile einer zweiten Abwrackprämie nötig, auch keine Forschungsförderung in Milliardenhöhe und keine Steuererleichterungen. Der Staat muss noch nicht einmal auf Kosten der Steuerzahler teure Elektromobile für seine Dienstwagenflotten anschaffen. Den erbitterten Streit, den sich die deutschen Industrieverbände in den vergangenen Monaten um die Besetzung der einflussreichsten Posten in den Arbeitsgruppen des Netzwerks geliefert haben, das künftig die Anstrengungen von Wirtschaft, Forschung und Politik in Fragen zur Elektromobilität bündeln soll, hat seinen Grund aber vor allem in diesem Kampf um die Subventionstöpfe.

          Das Ergebnis dieses Lehrstücks über die Auswirkungen von Lobbyarbeit in Deutschland ist zunächst, dass die Arbeitsgruppen überbesetzt sind ( lesen Sie dazu Elektromobilität: Kagermann übernimmt Führungsrolle). Ihre Koordinierung wird zur Herkulesaufgabe, und sie wird nicht dadurch einfacher, dass es auch hierfür mehrere Koordinatoren geben wird. Wenn die Arbeit in dem Netzwerk mit dem Namen „Nationale Plattform Elektromobilität“ so weitergeht, heißt das nichts Gutes für die deutschen Anstrengungen auf dem Gebiet.

          Gefahr: Geld in die falschen Kanäle

          Wichtiger noch ist die Feststellung, dass auch die besten Fachleute in den Arbeitskreisen der neuen Plattform heute nicht wissen können, welche Richtung die technologische Entwicklung in den kommenden zehn Jahren einschlagen wird. Das ist selbst in reifen Industrien wie zum Beispiel der Stahlherstellung (der Subventionen auch noch nie etwas gebracht haben) kaum vorhersehbar – und gelingt erst recht nicht für Produkte, die es noch nicht gibt. Die entsprechende Vergabe von Fördergeldern wird deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit die falschen Kanäle befüllen.

          Zur Begründung für diese Argumentation lässt sich zum einen ganz aktuell die verfehlte Solarförderung in Deutschland heranziehen, die zu diversen Fehlsteuerungen von Ressourcen führt – und nicht zuletzt Arbeitsplätze in China geschaffen hat. Trotz dieser Erkenntnisse schafft es die Regierung aber nicht, den von der Subventionsdroge abhängigen Solarunternehmen den Förderhahn zuzudrehen.

          Zum anderen lässt sich die Überlegung anstellen, was passiert wäre, hätte Deutschland in der Mitte der neunziger Jahre eine „Nationale Plattform Internet“ eingerichtet. Die Fachleute hätten damals festgestellt, dass der Markt für Suchmaschinen von Yahoo fest besetzt ist, dass Sun Microsystems die besten Netzwerkrechner (Server) baut und dass die Deutsche Telekom in America Online einen sehr ernsten Gegner für die Zugänge zum Internet bekommen würde. Dann hätte man Subventionen in Entwicklungen gelenkt, die auf diesem Status quo aufgebaut hätten. Doch wäre dabei das deutsche Google entstanden? Hätte man den Niedergang von Sun schnell genug bemerkt? Stünde Deutschland im Internet trotz verschwendeter Steuergelder heute besser da? Wohl kaum. Für die Elektromobilität gelten vergleichbare Feststellungen. Die Milliarden, die andere Länder derzeit in die Branche stecken, sollten die Deutschen daher nicht unter Druck setzen.

          E ine gute Nachricht

          Deshalb ist es eine gute Nachricht, dass die Einrichtung der Arbeitsgruppen der Nationalen Plattform Elektromobilität nicht gleich, wie ursprünglich von der Industrie erhofft, mit einer Erhöhung schon bestehender Subventionen verbunden sein wird. So können die Gremien unter der Führung des ehemaligen SAP-Vorstandsvorsitzenden Henning Kagermann die wahre Chance nutzen, die in ihnen steckt: Sie könnten zu einer Kontaktbörse und damit zur Grundlage eines Clusters werden, das den Ingenieuren und ihren Arbeitgebern in Deutschland durch Informationsaustausch wirklich weiterhilft.

          Auf dieser Basis ist nicht unwahrscheinlich, dass deutsche Unternehmen etwa in der Batterietechnik, in der sie auf den ersten Blick im Rückstand zu sein scheinen, bald an der technischen Spitze stehen werden. Jedenfalls wird hier im Land die Technologie entwickelt, die dafür sorgt, dass moderne, hochleistungsfähige Lithium-Ionen-Autobatterien etwa nach einem Auffahrunfall nicht einfach Feuer fangen. Auch die Komplexität des Batteriesystems werden deutsche Ingenieure vermutlich besser beherrschen als chinesische, und das soll nicht überheblich klingen. Ähnliches gilt für die geordnete und zügige Errichtung der Infrastruktur, zum Beispiel von Elektrotankstellen, für die es lediglich die richtigen Rahmenbedingungen, also zügige Genehmigungen braucht.

          Die beste Technik jedenfalls wird sich auch ohne Subventionen und staatliche Forschungsförderung durchsetzen, zumal dann, wenn sie aus dem Land mit der wettbewerbsfähigsten Autoindustrie der Welt kommt. Private Geldgeber für Projekte, die attraktive Renditen versprechen, werden sich immer finden. Und mit privatem Geld, das von der Industrie ja durchaus schon heute investiert wird, kann man auch viel schneller auf Forschungsprojekte umsatteln, die im Laufe der kommenden zehn Jahre lohnender erscheinen. Diese Flexibilität sollte sich Deutschland bewahren, gerade auf dem wichtigen Gebiet unserer zukünftigen individuellen Mobilität.

          Der technologische
          Fortschritt ist nicht vorhersehbar. Subventionen zementieren Strukturen.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

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