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Elektroautos : Der Mennekes-Stecker ist europäische Norm

Spannung: In Darmstadt wird der Betrieb von Elektrobussen geprüft. (Symbolbild) Bild: Irl, Maria

Das mittelständische Unternehmen aus dem Sauerland hat sich mit seinem Ladestecker für Elektroautos durchgesetzt. Dafür hat die Firma auf ein Patent verzichtet - und einen Teil des wachsenden Marktes gewonnen. Mehr als 700.000 öffentliche Ladestationen müssen bis 2020 aufgestellt werden.

          Im sauerländischen Kirchhundem knallen die Korken: Der als Mennekes-Stecker bekannte Ladestecker für Elektroautos hat sich durchgesetzt. Die Kommission der EU hat entschieden, dass ganz Europa künftig seine Elektroautos mit jenem Stecker aufladen wird, der von dem mittelständischen Unternehmen Mennekes Elektrotechnik GmbH & Co. KG entwickelt worden ist. Der Name Mennekes ist fast schon zum Gattungsbegriff für Ladestecker für Elektroautos geworden.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Das Familienunternehmen hatte sich früh Gedanken gemacht, wie es am Markt für Elektromobilität teilhaben kann. Zu früh: Inhaber Walter Mennekes und Entwicklungschef Volker Lazzaro hatten schon Ende der neunziger Jahre die Idee. Damals interessierte sich kaum jemand dafür. Erst im Jahr 2008 kam die Idee aus der Schublade - und zur Geltung.

          Das Mennekes-System hat sich gegen große Konkurrenz durchgesetzt

          Es lag nahe, dass sich gerade der Mittelständler Mennekes mit einem Stecker für die Elektromobilität auseinandersetzte. Denn er ist ein bedeutender Hersteller von Industriesteckern. Überall, wo Starkstrom fließen muss, ist ein Mennekesstecker nicht weit. Immerhin hat man im vergangenen Jahr für 102 Millionen Euro Industriestecker verkauft. Daneben ist das Geschäft mit den Autoladesteckern noch bescheiden. Es belief sich im Jahr 2012 auf 8 Millionen Euro. Das wird sich jetzt ändern, viele Abnehmer, teilweise ganze Länder, haben nicht in die Infrastruktur für Elektroautos investiert, weil sie abwarten wollten, welches System sich durchsetzt.

          Diese Frage ist jetzt zumindest für Europa beantwortet. Die Europäische Kommission hat sich nach jahrelangen Diskussionen auf den sogenannten Typ-2-Stecker als gemeinsamen Ladestecker festgelegt. Damit hat sich das Mennekes-System, das auch das deutsche Modell war, gegen große internationale Konkurrenz durchgesetzt. Bis zum Schluss bestand vor allem Frankreich auf einem in Italien hergestellten und vom Stromerzeuger EDF favorisierten Stecker, der angeblich einen besseren Kinderschutz bietet. Der hatte eine vom Kinderschutz für Schukostecker bekannte Abdeckung, die sich beim Einstecken an die Seite schiebt. Den hat der Mennekes-Stecker nun auch - obwohl er ihn nicht braucht, wie Unternehmenssprecher Burkhard Rarbach betont. Denn der Schutz vor einem ungewollten Stromschlag gehe bei Mennekes weit über den Kinderschutz hinaus. Wenn an der Ladestation kein Strom abgerufen wird, bleibt die gesamte Ladestation stromfrei. Am offenen Stecker ist also nie Strom. Dennoch bestand die EU auf dem Kinderschutz. Der nachträgliche Einbau hat sich gelohnt: Der europäische Markt steht jetzt offen.

          Mennekes erwartet steigende Umsätze

          Global gibt es noch die Konkurrenz des Typ-1-Steckers, der das in Asien und Amerika auch bei Hausinstallationen übliche einphasige Laden zulässt, während der Typ-2-Stecker das ein- und das dreiphasige Laden erlaubt, das höhere Ladeleistungen und kürzere Ladezeiten ermöglicht. Der französische Stecker wäre der Typ 3 mit zweiphasigem Laden gewesen.

          Mennekes erwartet nach der Entscheidung steigende Umsätze in den kommenden Jahren und hofft, dass sie nicht zu plötzlich kommen, um die Produktion und die Belegschaft (heute 1000 Mitarbeiter) langsam und organisch aufbauen zu können. Dabei freut sich das Unternehmen vor allem über eine zweite Regelung der EU. Sie hat sich nämlich nicht nur auf die Festlegung eines Normsteckers beschränkt. Diese Entscheidung ist Teil eines „Maßnahmenpakets zum Aufbau alternativer Tankstellen in ganz Europa mit gemeinsamen Standards für deren Gestaltung und Nutzung“. Um alternative Antriebe durchzusetzen, fordert die EU von den Ländern, etwa 10 Prozent der zu erwartenden Ladestationen öffentlich zur Verfügung zu stellen. Das sind für die gesamte EU immerhin 785.000 öffentlich zugängliche Ladestationen, davon 150.000 für Deutschland. Insgesamt sind davon erst etwa 11.000 in der gesamten EU aufgestellt, in Deutschland etwa 2000.

          Den Markt wird sich Mennekes mit etwa zehn weiteren Herstellern teilen müssen, denn auf die eigene Entwicklung hat man kein Patent und daher auch kein Monopol. Das wurde nicht etwa vergessen. Darauf hat der Mittelständler bewusst verzichtet: „Hätten wir unsere Entwicklung patentieren lassen, wäre sie unverkäuflich gewesen, weil ein Monopolprodukt eines Herstellers niemals zu einer Norm für eine ganze Region erhoben worden wäre“, begründet Rarbach die Entscheidung von Mennekes. Die Alternative wäre also gewesen, ein unverkäufliches Patent zu besitzen oder sich einen großen Markt mit anderen zu teilen. Mennekes hat auf die zweite Variante gesetzt - und sich auf den wachsenden Markt schon vorbereitet.

          Für die Produktion der Autostecker und Ladestationen ist schon Produktionsfläche gekauft worden. „Wir wünschen uns jetzt eine stetige Umsatzsteigerung“, sagt Rarbach. Dazu will das Unternehmen, das in Deutschland eine gute Marktposition hat, diese auch auf die europäischen Märkte ausweiten. Und selbst global ist der Mennekestecker nicht chancenlos. Zumindest haben sich neben den europäischen auch alle japanischen und amerikanischen Autohersteller darauf geeinigt, in Europa angebotene Fahrzeuge bis zum Jahr 2017 mit dem Mennekes-Stecker zum Aufladen auszurüsten. Vielleicht ist das ein Vorbild für weitere Regionen.

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