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Elbphilharmonie : Zeugnis des Schreckens

Teure Toilettenbürsten

Es gibt noch andere Grundsätze, die Beust damals vergessen hat, vor allem die der kaufmännischen Vorsicht. 2006 hat die Stadt das Bauprojekt öffentlich ausgeschrieben. Zwei Bieter kamen in die enge Wahl: die Baukonzerne Strabag und Hochtief. Doch dann weigerte sich die Strabag, ein verbindliches Angebot abzugeben. Das Unternehmen sprach von „unkalkulierbaren Wagnissen“. Anhand der Ausschreibungsunterlagen sei es unmöglich, eine verlässliche Kalkulation vorzulegen. Tatsächlich waren die Ausführungspläne der Architekten damals sehr lückenhaft. Daher warnten sie die ReGe (und damit den Senat) in einem Schreiben vom 16.Juni 2006 eindringlich davor, das Projekt an den einzig verbliebenen Bieter Hochtief zu vergeben: Da das Bauvorhaben enorm komplex und die Planung unvollständig sei, könnten nachträglich zahlreiche Ergänzungen und Änderungen notwendig werden. „Dies erhöht die Gefahr, dass der Generalunternehmer für vom Vertrag abweichende Leistungen berechtigt oder unberechtigt sehr hohe Mehrkosten geltend machen wird.“ Wenn das Vergabeverfahren dennoch fortgeführt werde, sei „die Erreichung der angestrebten Qualität, des Kostenziels und des Fertigstellungstermins in höchster Gefahr“.

Doch die Stadt schlug diese und andere Warnungen in den Wind. Statt die Ausschreibung zu verschieben, vergab die ReGe den Bauauftrag an Hochtief. Prompt kam es wie befürchtet: Der Essener Baukonzern überzog die Stadt mit sogenannten Projektänderungsmitteilungen und unterlegte diese mit gewaltigen Nachforderungen. Ursache der Kostensteigerungen waren freilich auch nachträgliche Änderungswünsche der Stadt. Kaum war der Vertrag unter Dach und Fach, gab es neue Ideen, wie man die Elbphilharmonie weiter aufwerten könnte. Dabei sei das Streben nach einem „übertriebenen – teilweise maßlosen – Luxus“ zu erkennen gewesen, der jegliches Kostenbewusstsein habe vermissen lassen, heißt es in dem Bericht. Es gab neue Ausgabeposten, beispielsweise für einen dritten Saal für Konzertproben und für einen verbesserten Treppenaufgang zum großen Saal. Bei ihren Ermittlungen stießen die Abgeordneten aber auch auf Rechnungen über Papierhandtuchspender für 957 Euro brutto das Stück. „Allen an diesem Projekt Beteiligten hätte klar werden müssen, dass sich bei einem von der öffentlichen Hand errichteten Gebäude der Anspruch von Weltarchitektur nicht unbedingt bis auf Toilettenbürsten von 291,97 Euro das Stück erstrecken muss“, schreiben die Autoren.

Vermeintlicher Friedensschluss mit Hochtief

Hochtief und die Architekten lagen schwer über Kreuz. Sie beschuldigten einander, für Verzögerungen und Qualitätsmängel am Bau verantwortlich zu sein. Für das angespannte, phasenweise feindselige Verhalten war die problematische Vertragsarchitektur mitverantwortlich. Anstatt, wie bei solchen Großprojekten üblich, einen direkten Draht zwischen den Planern und dem Baukonzern zu schaffen, musste die ReGe als Schnittstelle für die Kommunikation zwischen den Vertragspartnern, den Architekten und den Bauunternehmen agieren. „Dies war einer der zentralen und schwerwiegendsten Fehler in dem Projekt Elbphilharmonie“, heißt es dazu im Entwurf des Untersuchungsberichts. Da die Terminpläne schlecht synchronisiert waren und die ReGe mit der Vielzahl an Informationen überfordert war, knirschte es schon bald gewaltig zwischen den Partnern. Beust spielte in dieser Gemengelage eine unrühmliche Rolle.

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