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EU-Entscheidung : Angriff auf die Macht der Sportverbände

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Eisschnellläufer dürfen künftig freier entscheiden, wo sie laufen. Bild: dpa

Die EU-Kommission trifft eine weitreichende Entscheidung für Athleten und Vereine. Plötzlich sind der Fußballverband Fifa und das Olympische Komitee unter Druck.

          Die EU-Kommission hat eine für Sportverbände weitreichende Entscheidung getroffen und das Machtmonopol der Organisationen eingeschränkt. Im konkreten Fall betroffen ist die Internationale Eislaufunion (ISU), deren Zulassungsbestimmungen für die Teilnahme von Sportlern an Eisschnelllaufwettkämpfen gegen das EU-Wettbewerbsrecht verstoßen. Die ISU muss diese Bestimmungen nun binnen 90 Tagen ändern. Tut sie das nicht, muss sie mit Geldbußen rechnen. Das hat EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Freitag mitgeteilt.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Die Entscheidung der EU-Wettbewerbsbehörde wirkt sich auf die Bestimmungen vieler Sportverbände aus – bis hin zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Denkbar wären nun auch große Fußballturniere außerhalb der Verbandshoheit, ohne dass die bestehenden Fußballorganisationen die Teilnehmer sanktionieren dürften.

          Die von der Kommission beanstandeten ISU-Bestimmungen laufen auf harte Sanktionen für Sportler hinaus, die an nicht von der Eislaufunion genehmigten Wettkämpfen teilnehmen. Diese Sanktionen reichen bis zur lebenslangen Sperre für internationale Wettkämpfe. Da die ISU der einzige vom IOC anerkannte Dachverband für Eisschnelllauf und Eiskunstlauf ist, stuft die Kommission ihr Gebaren als den Missbrauch ihrer marktbeherrschenden Stellung ein. Dieser ist nach EU-Wettbewerbsrecht verboten.

          Die Eislaufunion hat zu viele Wettkämpfe verboten

          Ausschlaggebend für die Entscheidung war nach Angaben der EU-Behörde, dass die ISU auch dann Sportler für ihre Teilnahme an Konkurrenzveranstaltungen bestraft, wenn diese keine Gefahr für „legitime, den Sport betreffende Ziele“ betreffen, etwa die Gesundheit der Sportler. Der Verband dürfe die Teilnahme der Athleten an anderen Wettkämpfen nur insoweit regulieren, als solche sportbezogenen Ziele betroffen seien. Die ISU habe dagegen die unternehmerische Freiheit der Sportler beschränkt.

          Die Entscheidung dürfte Präjudizcharakter haben, da viele andere Verbände ebenfalls praktisch als Monopolisten auftreten. Vestager warf der ISU vor, mit den Sanktionen ihre eigenen geschäftlichen Interessen zu schützen und andere daran zu hindern, eigene Veranstaltungen zu organisieren. Die Eislaufunion müsse „Sportlern und konkurrierenden Veranstaltern im Interesse aller Eislauffans neue Möglichkeiten eröffnen“. Das ISU-Verfahren geht auf eine Beschwerde zweier niederländischer Eisschnellläufer zurück. Sportverbände unterliegen dem EU-Wettbewerbsrecht, wenn sie eine wirtschaftliche Tätigkeit ausüben.

          „Die Bedeutung der Entscheidung kann gar nicht überschätzt werden. So wie das Bosman-Urteil den Fußballern den Weg in die Freiheit geöffnet hat, so öffnet nun die ISU-Entscheidung allen Sportlern und Klubs die Tür zur kommerziellen Freiheit“, sagte der Kartellrechtler Mark-E. Orth aus München dieser Zeitung. Davon würden nicht nur die Sportler oder Vereine profitieren, sondern sämtliche Akteure im Sport – auch Investoren. Wegen der politischen Lobbyarbeit der Sportverbände sei lange zu oft vergessen worden, dass es die Athleten und Klubs sind, die ihre Knochen riskierten und ihren Schweiß investierten. Sämtliche Fachsportverbände und das IOC müssten nun Regelwerke und Verhaltensweisen korrigieren.

          Dazu passt, dass sich in Deutschland das Bundeskartellamt mit dem IOC-Werbeverbot für Athleten zu Olympischen Spielen beschäftigt. Danach dürfen Sportler bislang neun Tage vor Spielen, während und drei Tage danach nicht mit den eigenen Sponsoren werben und eine Nähe zu Olympia herstellen. Das Kartellamt führt in der Sache ein Verwaltungsverfahren gegen den Deutschen Olympischen Sportbund.

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