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Einzelhandel : „Sondereffekt“ bei Umsätzen des Einzelhandels

  • Aktualisiert am

Hält das Umsatzplus im Einzelhandel an? Bild: dpa

Der Einzelhandel verzeichnete bei den Umsatzzahlen im April ein kräftiges Plus. Ob das von Bestand ist, wird unterschiedlich beurteilt.

          2 Min.

          Im Vergleich zum Vormonat verzeichnete der deutsche Einzelhandel im April 2001 einen überraschend hohen Umsatzzuwachs von real, das heißt saison- und kalenderbereinigt, fünf Prozent.

          Jedoch sind die Umsätze im Vergleich zum April 2000 um real 0,7 Prozent gesunken. Nominal sind die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent und gegenüber März 2001 um fünf Prozent gestiegen. Analysten hatten einen durchschnittlichen Rückgang der Umsätze um 1,8 Prozent im Jahres- und einen Zuwachs von 0,8 Prozent im Monatsvergleich erwartet.

          Kein Anlass zum Enthusiasmus im Einzelhandel

          Ob es sich bei der Aufwärtsbewegung bei den Umsatzzahlen um einen längerfristigen Trend handelt ist schwer vorherzusagen. Ein Sprecher der Metro AG wollte sich nicht dazu äußern, wie man den weiteren Verlauf im Geschäftsjahr 2001 einschätzt. Unwägbarkeiten wie der Konjunkturverlauf, die Entwicklung der Verbraucher- und Ölpreise aber auch BSE und MKS würden eine seriöse Prognose nahezu unmöglich machen, begründete der Sprecher seine Zurückhaltung.

          Holger Wenzel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) winkt ab. Die gestiegenen Umsatzzahlen seien „stark interpretationsbedürftig“. Vor allem die Geschäftsentwicklung der nicht zum klassischen Einzelhandel gehörenden Bereiche Apotheken, Tankstellen, Brennstoff und Kraftfahrzeug hätten den Zahlen ein Schub gegeben.

          Die Zahlen würden sich „kolossal relativieren“, wenn man nur den klassischen Einzelhandel berücksichtige. Hier sind die Umsätze im ersten Quartal 2001 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Milliarden Mark gefallen. Von einem Aufschwung für den Einzelhandel könne daher nicht die Rede sein. Laut Wenzel gibt es nur im Lebensmittelhandel leichte Umsatzsteigerungen. Das liege an den wegen BSE und MKS angezogenen Preisen. Für den Einzelhandel bedeutet dies aber nicht, dass die Geschäfte auch Gewinn gemacht haben.

          Hoffnungsschimmer am Ende des Tunnels

          Christoph Hausen, Volkswirt der Commerzbank, bewertet das Monatsplus im April als einen „Sondereffekt“, der auf saisonalen Faktoren beruht. So sei das gesamte Ostergeschäft nicht wie im Vorjahr in den März, sondern in den April gefallen. Dementsprechend positiv hätten sich die Umsatzzahlen im April entwickelt. Doch auch ohne diesen einmaligen Sondereffekt rechnet Hausen mit einem „gewissen Aufwärtstrend“ im Einzelhandel, da er einen Anstieg der privaten Konsumausgaben im restlichen Geschäftsjahr erwartet. Die Erfahrung zeige, dass durch Steuerreformen zusätzlich verfügbare Einkommen in den Konsum fließen. Insgesamt sei es aber sehr schwierig zuverlässige Aussagen über die weitere Entwicklung zu machen, so Hausen.

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