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Einzelhandel : Schlecker plant 1.000 neue Märkte in diesem Jahr

Der Drogeriefilialist setzt auf Expansion: In diesem Jahr sei die Eröffnung von mehr als tausend neuen Filialen geplant. Damit könnte Schlecker beim Umsatz schon nahe an die 7 Milliarden Euro kommen.

          Anton Schlecker, Ehingen. Der Drogeriefilialist setzt auf Expansion: In diesem Jahr sei die Eröffnung von mehr als tausend neuen Filialen geplant, heißt es bei Schlecker. Damit könnte Schlecker beim Umsatz schon nahe an die 7 Milliarden Euro kommen. Im zurückliegenden Jahr wurde der Umsatz von 6,2 auf 6,55 Milliarden Euro gesteigert, was einem Zuwachs von 5,6 Prozent entspricht. Die Zahl der Beschäftigten nahm um 4,8 Prozent auf 50 300 Mitarbeiter zu.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          In diesem Jahr werde der Schwerpunkt der Expansion in Deutschland liegen, sagte Schlecker-Sprecher Uwe Blank dieser Zeitung. Aber auch der Markteintritt in Polen, Ungarn, Slowenien und der Slowakei ist geplant, ebenso in Dänemark. Bisher ist Schlecker außerhalb Deutschlands mit knapp 3000 Geschäften vor allem in Süd- und Westeuropa präsent. Insgesamt betreibe die Kette europaweit 13.300 Filialen, damit gehöre Schlecker zu den 25 größten Handelsunternehmen in Europa. In Deutschland rangiert Schlecker dem Umsatz nach auf Platz 10 der Lebensmittelhändler.

          Gemessen an der Zahl der Filialen ist Schlecker noch deutlich dominanter. Nach Berechnungen des Unternehmens sind 74 Prozent aller Drogerie-Märkte in Deutschland Schlecker-Filialen. Ein Ziel sei es, nahe beim Verbraucher zu sein, heißt es bei Schlecker - sprich: Der Drogeriefilialist übernimmt die Nahversorger-Funktion, wo kleine Supermärkte fehlen. Daher geht das Sortiment von 4.000 Artikeln auch oft über das klassische Warenangebot eines Drogeriemarktes hinaus.

          Frischfleisch bei Schlecker

          Immerhin 25 Filialen in Süddeutschland bieten sogar Frischfleisch an, was so erstaunlich nicht ist, wenn man die Firmengeschichte betrachtet: Der heute 59 Jahre alte Unternehmer Anton Schlecker hat vor knapp 40 Jahren die Firma von seinem Vater übernommen, als sie noch eine kleine Metzger-Filialkette mit Fleischwarenfabrik war. Er ist zudem gelernter Metzger. Erst nach dem Wegfall der Preisbindung für Drogeriewaren Mitte der siebziger Jahre eröffnete Schlecker den ersten Drogeriemarkt. Betrieben werden auch heute noch "branchenfremde" Geschäfte. So gibt es im schwäbischen Ehingen, am Standort der Unternehmenszentrale, ein "Kinderland", einen Baumarkt und auch eine Tankstelle. Jeder einzelne Markt wird als Profit-Center geführt.

          Die geplante Expansion wird, wie es heißt, aus dem laufenden Geschäft finanziert. Nähere Angaben zu Erfolgskennziffern macht der Handelsriese nicht: Das Unternehmen ist immer noch ein Einzelunternehmen des Firmeninhabers Anton Schlecker. Allein zum Online-Handel läßt sich Schlecker-Sprecher Blank eine Bemerkung entlocken: "Wenn sich das nicht rentierte, würden wir das nicht machen."

          Online-Handel wird weiter ausgebaut

          Mit dem Online-Handel sei Schlecker Marktführer bei Drogeriewaren im Internet. Bereits im Jahr 2000 hat Schlecker ein großes Logistikzentrum bei Ulm eigens für das Online-Geschäft gebaut. Den Kunden wird der Einkauf vom Bildschirm aus schmackhaft gemacht, indem die Lieferung ab einem Einkaufsbetrag von 15 Euro versandkostenfrei erfolgt, und zwar innerhalb von zwei Werktagen an eine beliebige Adresse. Der Online-Handel werde weiter ausgebaut, kündigt Blank an, wobei sich die Expansion wohl vor allem auf neue Partnerschaften bezieht. Bereits jetzt kann von der Schlecker-Homepage aus auf die Angebote von rund 150 anderen Unternehmen zugegriffen werden, vom Spielzeughersteller bis zum Anbieter von behindertengerechten Fahrzeugausbauten. Selbst stark regulierte Märkte wie die für Autos oder Bücher hat Schlecker für sich entdeckt. "Wir wollen alles anbieten, was versandfähig ist", sagt Blank.

          Bei Schlecker wird betont, daß das schwäbische Unternehmen "sich vor allem auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten als zuverlässiger Arbeitgeber gezeigt" habe und jedem Mitarbeiter die Chance auf eine Karriere im Haus offenstehe, weil alle Führungspositionen intern besetzt würden. Gerade als Arbeitgeber hat Schlecker allerdings einen schlechten Ruf. Erst im Herbst vergangenen Jahres wurde Schlecker auf der bundesweiten Betriebsräteversammlung in Gotha mit einem besonderen Preis ausgezeichnet: Mit der "Goldenen Nase" wird Lohndumping und mangelnde Fürsorge gegenüber den Beschäftigten angeprangert. Immer noch stören sich die Betriebsräte an der mangelhaften Ausstattung der Schlecker-Filialen mit Telefon und Sicherheitsvorkehrungen bei Überfällen. Im Jahr 1998 hat das Landgericht Stuttgart das Inhaber-Ehepaar Schlecker zu je zehn Monaten Bewährung und einer Geldstrafe von einer Million Euro verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, daß Schlecker bis Mitte der neunziger Jahre zahlreichen Beschäftigten die Zahlung von Tariflohn vorgegaukelt habe, sie tatsächlich aber schlechter entlohnt habe.

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