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Einzelhandel : Metro stoppt Kaufhof-Verkauf

Auch der zweite Anlauf ist gescheitert: Der Metro-Konzern will sein Tochterunternehmen Kaufhof vorerst doch nicht mehr verkaufen Bild: REUTERS

Deutschlands größter Handelskonzern Metro will sein Tochterunternehmen Kaufhof „bis auf weiteres“ nicht mehr verkaufen. Offenbar waren die Preisvorstellungen zu unterschiedlich - und die Finanzierung des Milliardendeals nicht hundertprozentig gesichert.

          Der seit gut zwei Wochen amtierende neue Metro-Chef Olaf Koch nimmt den Kaufhof wieder aus dem Schaufenster. Die Gespräche mit Interessenten über eine Übernahme der Warenhausgesellschaft seien bis auf weiteres eingestellt, teilte der Düsseldorfer Handelskonzern am Dienstag überraschend mit. Begründet wird dieser Schritt mit der schwierigen Situation an den Finanzmärkten. „Die aktuelle Lage am Kapitalmarkt bietet keine geeigneten Rahmenbedingungen für eine so wichtige Transaktion“, erklärte Koch die mit Zustimmung der Großaktionäre und des Aufsichtsrats getroffene Entscheidung.

          An der Strategie ändert sich nichts

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          In der Finanzwelt war das Volumen der Transaktion auf 2 bis 3 Milliarden Euro veranschlagt worden, denn die Metro-Tochtergesellschaft besitzt wertvolle Innenstadtimmobilien. Kochs Vorgänger Eckhard Cordes hatte den Kaufhof vor fast vier Jahren auf die Verkaufsliste gesetzt. Dessen vornehmlich auf Deutschland konzentriertes Geschäftsmodell passe nicht zur Internationalisierungsstrategie des globalen Handelskonzerns, wurde damals argumentiert. Allerdings wurden die Verkaufspläne schon bald von den Folgen der Finanzkrise 2008/2009 durchkreuzt. An der grundsätzlichen Strategie, die Expansion des Cash & Carry-Geschäftes sowie der Elektronikmärkte von Media/Saturn in den Mittelpunkt zu stellen, ändert sich auch nach dem neuerlichen Abbruch des Vorhabens nichts. Wie schnell ein abermaliger Anlauf genommen werden kann, ist nun aber ungewiss.

          An der Börse kam die gleichzeitig mit ersten Zahlen für das Geschäftsjahr 2011 veröffentlichte Meldung erstaunlich gut an. Nach anfänglichen Verlusten legte der Kurs der Metro-Aktie um mehr als 5 Prozent auf über 28,80 Euro zu. Analysten lobten, dass Metro in der Lage sei, auf ein günstigeres Umfeld zu warten und nicht auf einen kurzfristigen Verkaufserlös, sondern vielmehr auf ein gutes Ergebnis ziele. Allerdings bedeute das auch, dass den Aktionären nun keine Sonderdividende winke.

          „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“

          Um den Kaufhof hatten zuletzt der österreichische Immobilieninvestor René Benko und dessen griechischer Geschäftspartner George Economou sowie der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen gemeinsam mit dem Finanzinvestor Blackstone gebuhlt. Während die Gruppe um Benko schon tiefe Einblicke in die Bücher genommen hatte und anfänglich als Wunschpartner des Metro-Vorstands galt, hatte Berggruen zwar zuletzt noch ein nachgebessertes Angebot vorgelegt. Seinen Teams war bisher aber noch kein Zugang in den Datenraum gewährt worden. Das Ziel, die beiden letzten großen Warenhausunternehmen in Deutschland zu vereinen und damit auch eine Zukunftslösung für Karstadt zu präsentieren, muss Berggruen nun zurückstellen. „Wir respektieren die Entscheidung von Metro, den Verkaufsprozesse im Moment auszusetzen. Vom Konzept Warenhaus in Deutschland sind wir weiterhin überzeugt“, teilte der deutsch-amerikanische Finanzinvestor mit. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, wurde Benko zitiert.

          Die Offerten und die damit verbundenen Pläne für Kaufhof waren dem Metro-Vorstand am Ende wohl zu unattraktiv und zu wackelig, die Finanzierung des Milliardengeschäfts zudem mit zu vielen Risiken behaftet. So hatten beispielsweise Benko und seine Signa-Holding in den langwierigen Verhandlungen unter anderem ein Verkäufer-Darlehen von Metro gefordert. „Wir haben immer betont, dass ein Verkauf das Potential von Kaufhof reflektieren muss“, sagte Koch. Aus heutiger Sicht könne man das Potential von Kaufhof besser selbst heben als durch einen Verkauf, fügte er hinzu.

          Enttäuschendes Weihnachtsgeschäft

          Kaufhof hat im vergangenen Jahr zwar eine Umsatzeinbuße von fast 4 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro erlitten. Das Unternehmen verdient mit seinen annähernd 20.000 Mitarbeitern aber seit Jahren seine Kapitalkosten. Koch hatte jüngst noch bekräftigt, keine „kalte Finanztransaktion“ zu Lasten der Mitarbeiter zu unterstützen und bei der Abwägung der Offerten nachhaltige, tragfähige Lösungen und eine „glasklare Finanzierung“ in den Vordergrund zu stellen.

          Wie Metro schon angedeutet hat, ist der Konzernumsatz im gerade beendeten Geschäftsjahr leicht um 0,8 Prozent auf 66,7 Milliarden Euro gesunken. Trotz des guten Endspurts sei das Weihnachtsgeschäft insgesamt enttäuschend verlaufen, in vielen Ländern Europas hätten zudem die Schuldenkrise und hohe Arbeitslosenzahlen eine Kaufzurückhaltung bewirkt. Während der Umsatz in Deutschland um 1 Prozent auf 26 Milliarden Euro zurückging, verbuchte der Konzern in Westeuropa ein Minus von rund 3 Prozent. In Osteuropa wurde ein leichtes und in Asien ein kräftiges Wachstum erzielt. Dabei fiel die Entwicklung im vierten Quartal insgesamt schlechter aus als in den ersten neun Monaten. Der Vorstand bestätigte die im Dezember gekappte Prognose für das operative Ergebnis (Ebit): Vor Sonderfaktoren wird ein Wert leicht unter Vorjahresniveau von 2,4 Milliarden Euro erwartet.

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