https://www.faz.net/-gqe-2lwo

Einzelhandel : Deutsche Discounter auf Globalisierungskurs

  • -Aktualisiert am

Metro, Aldi oder Rewe sind auf Expansionskurs. Der Wettkampf in der Handelsbranche wird globaler.

          3 Min.

          Aldi eröffnet Discountläden in Australien, die Metro fasst Fuß in Japan und Tengelmann hat eine Supermarktkette in den USA. Fast alle bauen gleichzeitig ihr Europageschäft konsequent aus. Während in Deutschland gnadenloser Verdrängungswettbewerb herrscht, locken im Ausland noch einträgliche Gewinnspannen. Doch sind die Unternehmen genauso Jäger wie Gejagte. Denn im Ausland treffen die Unternehmen auf harte Konkurrenz aus den USA, Frankreich und den Niederlanden.

          Ganz vorn bei der Internationalisierung ist Deutschlands größter Einzelhändler, die Düsseldorfer Metro AG. Schon heute macht der viertgrößte Handelskonzern der Welt deutlich 42 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Nach umfangreichen Akquisitionen verfügt er inzwischen über 353 Cash-und-Carry-Großmärkte in 20 Ländern. Außerdem ist er mit SB-Warenhäusern, seiner Elektronikmarkt-Kette Media-Markt/Saturn und den Praktiker Baumärkten international präsent.

          Metro weit vorne bei Internationalisierung

          Als neuesten Coup will der Konzern jetzt auch seine Kaufhausaktivitäten internationalisieren. Erst vor wenigen Wochen erwarb die Metro-Tochter Kaufhof den belgischen Konkurrenten INNO. Erklärtes Ziel ist es, Erfahrungen für eine Expansion auch in anderen Länder zu sammeln.

          Auch der Konkurrent KarstadtQuelle ist mit seinen Versandhäusern Neckermann und Quelle längst weit über die deutschen Grenzen hinausgewachsen. Versandhaustöchter gibt es inzwischen in 13 europäischen Ländern. Dennoch meint der neue Quelle-Vorstandschef Christoph Achenbach das Unternehmen sei noch immer „sehr deutschlandlastig“.
          Die Kölner Rewe-Gruppe ist einer der größten Lebensmittelhändler Europas und verfügt über 2.345 Filialen im europäischen Ausland. Ihre Penny- und MiniMAL-Märkte sind inzwischen in elf Ländern Europas zu finden. In Österreich besitzt Rewe außerdem mit der Lebensmittelkette Billa den Marktführer im Lebensmittelhandel. Im Supermarktbereich ist sie nach eigenen Angaben Marktführer in Polen, Tschechien und der Slowakei. Im Discountbereich führt die Gruppe in Ungarn und Tschechien den Markt an.

          Lidl ist Nummer eins im Discount-Geschäft

          Tatsächlich sind die Deutschen vor allem mit Discount-Läden international auf Erfolgskurs, denn damit haben sie mehr Erfahrungen als alle Konkurrenten. In Deutschland haben sich die Billiganbieter einen Marktanteil von fast ein Drittel gesichert. In Frankreich, Spanien und Italien liegt er dagegen derzeit noch unter zehn Prozent.
          So ist das Neckarsulmer Familienunternehmen Lidl inzwischen zur Nummer eins der europäischen Discount-Branche herangewachsen. Und der große Konkurrent Aldi macht unter anderem in Australien, den USA, Großbritannien und Frankreich den etablierten Händlern Konkurrenz. Tengelmann eröffnet in dieser Woche die ersten vier Plus-Märkte in Portugal. Langfristig sollen es 200 werden.

          Konkurrenz von WalMart und Carrefour

          Doch außerhalb dieses Spezialgebiets haben die Deutschen durchaus ernst zu nehmende Konkurrenten: den größten Handelskonzern der Welt Wal Mart etwa, den französischen Handelsriesen Carrefour oder den niederländischen Handelskonzern Ahold. Alle drei liegen inzwischen weltweit vor der deutschen Nummer eins Metro.
          Der US-Gigant Wal-Mart spielt eigentlich in einer eigenen Liga. Er macht mehr Umsatz als die 15 größten Unternehmen des deutschen Lebensmittelhandels zusammen und könnte dank seiner Finanzkraft selbst den Kauf der Metro mühelos abwickeln. Doch außerhalb der USA tut sich der Riese bislang schwer.

          Deutlich weiter ist international mit 9.000 Geschäften in 27 Ländern schon der französische Handesriese Carrefour, der bei der Fusion mit dem Konkurrenten Promodes im Jahr 1999 die Metro als größtes Handelsunternehmen Europas ablöste. Carrefour hat in Frankreich 25 Prozent Marktanteil und ist auch in Spanien Marktführer. Auch in Asien und Südamerika sind die Franzosen präsent.

          Dynamik bei der niederländischen Royal Ahold

          Als besonders dynamisch gilt unter Branchenkennern aber auch die niederländische Royal Ahold, die nach dem Geschäftsjahr 2000 die Metro vom dritten Platz unter den weltgrößten Handelskonzernen verdrängte. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaften die Niederländer in den USA. Auch sie sind in Südamerika und Asien präsent. Insgesamt verfügen sie über 8.500 Geschäfte in 25 Ländern. Aholds Anspruch an sich selbst ist ehrgeizig: „Aholds Mission ist es, der beste und erfolgreichste Lebenmittelhändler der Welt zu werden.“ Die deutschen Konzerne können sich also auf einen harten Kampf gefasst machen.

          Weitere Themen

          Chef von Astra-Zeneca weist Vorwürfe der EU zurück

          Impfstoff-Hersteller : Chef von Astra-Zeneca weist Vorwürfe der EU zurück

          Die EU habe keinen Grund, über Lieferengpässe zu klagen, sagt Pascal Soriot. Brüssel habe erst spät unterschrieben, es gebe keine Pflicht für eine bestimme Menge. Meldungen, wonach der Astra-Zeneca-Impfstoff nicht bei Älteren wirke, bezeichnete er als „dummes Zeug“.

          Topmeldungen

          Astra-Zeneca ist Hersteller eines schon in mehreren Ländern zugelassenen Impfstoffs gegen Covid-19.

          Impfstoff-Hersteller : Chef von Astra-Zeneca weist Vorwürfe der EU zurück

          Die EU habe keinen Grund, über Lieferengpässe zu klagen, sagt Pascal Soriot. Brüssel habe erst spät unterschrieben, es gebe keine Pflicht für eine bestimme Menge. Meldungen, wonach der Astra-Zeneca-Impfstoff nicht bei Älteren wirke, bezeichnete er als „dummes Zeug“.
          Beamte der Bundespolizei kontrollieren am Frankfurter Flughafen Passagiere, die aus sogenannten Hochrisikoländern nach Deutschland kommen.

          Frankfurter Flughafen : Viele Passagiere ignorieren Corona-Regeln

          Unter den Heimkehrern am Frankfurter Flughafen ist die Zahl der Verstöße gegen die Corona-Regeln deutlich höher als gedacht. Da hilft es wenig, dass der Flughafenbetreiber Fraport das TÜV-Siegel „Sicher gegen Corona“ weiter führen darf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.