https://www.faz.net/-gqe-plnn

Einzelhandel : Börse begrüßt die Einigung bei Karstadt-Quelle

  • Aktualisiert am

Die Kunden für die Weihnachtseinkäufe können kommen Bild: dpa/dpaweb

Mit Erleichterung hat die Börse am Freitag auf das Ende der Zitterpartie bei Karstadt-Quelle reagiert. Die jungen Aktien kommen zum Kurs von 5,75 Euro heraus. Damit kam der Konzern den Kleinaktionären entgegen.

          3 Min.

          Mit Erleichterung hat die Börse am Freitag auf das Ende der Zitterpartie bei Karstadt-Quelle reagiert. Bei insgesamt leichterem Auftakt ist die Aktie des angeschlagenen Handelskonzerns mit einem Plus von drei Prozent gestartet. Auch wenn der Kurs bald wieder unter 10 Euro rutschte, gehörte das Papier auch im späteren Verlauf noch zu den Gewinnern im M-Dax.

          Nach zähem Ringen mit den sechs widersprechenden Aktionären hatte der Essener Handelskonzern am Donnerstag wenige Stunden vor Mitternacht die Konditionen für die Kapitalerhöhung veröffentlicht. Wie in Teilen der Auflage vom 26. November berichtet, werden dem Unternehmen 535 Millionen Euro zufließen, vor Kosten sind das 35 Millionen mehr als ursprünglich geplant. Der auf 5,75 Euro festgelegte Ausgabekurs für die jungen Aktien liegt deutlich über dem von den Opponenten der Kapitalerhöhung als zu niedrig kritisierten Mindestkurs von 4 Euro.

          Sieben junge gegen acht alte Aktien

          Diese Kapitalzufuhr von den Eigentümern ist die Voraussetzung des mit den 16 Gläubigerbanken kürzlich unterzeichneten dreijährigen Kreditrahmens über 1,75 Milliarden Euro. Den Aktionären werden nun für jeweils acht Aktien sieben junge zum Bezug angeboten. Bereits Mitte Oktober hatten sich Madeleine Schickedanz und die Allianz-Gruppe als die beiden Mehrheitsaktionäre dazu verpflichtet, Aktien zum Mindestbetrag von 280 Millionen Euro zu zeichnen. Sie werden also mehr als die Hälfte des frischen Kapitals einschießen.

          Seit sich zunächst sieben Aktionäre durch ihren Widerspruch die Möglichkeit einer Klage gegen die am Montag beschlossene Kapitalerhöhung offengehalten haben, waren wegen der vorgegeben Fristen die Pläne für eine Kapitalerhöhung noch in diesem Dezember ernsthaft gefährdet. Bei längerem Verzug der finanziellen Restrukturierung hätte Karstadt-Quelle die Insolvenz gedroht. Praktisch in letzter Stunde vor dem entscheidenden Termin für den Prospektandruck am 26. November hat das Management eine Verständigung mit sechs der Opponenten erzielt. Ein Fall ist wegen eines Formfehlers - dieser Aktionär hat seinen Widerspruch nicht zu Protokoll gegeben - nicht weiterverfolgt worden.

          Geradezu banale Ergebnisse

          Angesichts der dramatischen Lage, in die Karstadt Quelle durch die Widersprüche geraten ist, klingen die Ergebnisse dieser Verständigung geradezu banal. In einem Fünf-Punkte-Katalog wird unter anderem festgelegt, daß alle Aktionäre kurzfristig zusätzliche Informationen aus dem Sanierungsgutachten von Roland Berger erhalten werden, daß der Vorstand im Geschäftsbericht 2004 ausführlich über Ursachen und Folgen der Krise berichtet und weiterhin regelmäßig über den Stand der Sanierung informiert. Schließlich hat sich der Vorstand verpflichtet, die Kritik der Opponenten am Abschlußprüfer BDO an den Aufsichtsrat weiterzuleiten. "Dafür hat sich die Gefahr nicht gelohnt, das Unternehmen an den Rand der Insolvenz zu drängen", kritisierte Jürgen Kurz, der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), am Freitag.

          Als Gegenleistung verzichten die Opponenten darauf, aus ihren Widersprüchen weitere rechtlichen Schritte gegen die Kapitalerhöhung herzuleiten. Interessanter als die Inhalte der Vereinbarung ist der Zusatz, der die Opponenten von den Verdächtigungen erpresserischer Motive reinwaschen soll. Demnach gibt es zu dieser Vereinbarung keine Nebenabreden, keine Sondervorteile oder Kostenerstattungen für die widersprechenden Aktionäre. Die gesamte Vereinbarung wird in allen Pflichtblättern der Frankfurter Börse veröffentlich, auf Aktionärsverlangen hin aber nicht in der F.A.Z.

          Bezugsfrist endet am 13. Dezember

          Nachdem die Blockade ausgeräumt ist, ist der Bezugsrechtshandel vom 30. November bis 9. Dezember vorgesehen. Dann würde die Bezugsfrist am 13. Dezember enden. Die Anleger müßten sich nun eine Zeichnung junger Aktien genau überlegen, denn das Handelsunternehmen stehe noch vor sehr schwierigen Zeiten, erklärte Kurz. Auch die ersten Reaktionen von Analysten sind eher vorsichtig.

          So stuft die Hypo-Vereinsbank die Aktie von Karstadt Quelle unverändert mit "underperform" ein und bleibt beim Kursziel von 8 Euro. Zwar dürfte nun die Liquidität des Unternehmens für Monate gesichert sein. Aber damit seien die operativen Probleme noch immer nicht gelöst. Marktbeobachter zeigen sich vor allem darüber besorgt, ob die aus dem Kreis der Gläubigerbanken geschürten Spekulationen über den Austausch von Vorständen bis hin zum Vorstandsvorsitzenden Christoph Achenbach anhalten werden. Auch wenn die Gerüchte auf einen Vorstandsumbau nach der Sanierungsphase abstellen, werden sie doch als höchst störend für das außerordentlich wichtige Weihnachtsgeschäft gewertet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Freie Fahrt? Auf Deutschlands Autobahnen wartet die „größte Verwaltungsreform seit Jahrzehnten“.

          Autobahnen : Besser als Google Maps

          Bald übernimmt der Bund Planung, Bau und Betrieb der Autobahnen. Anfang 2020 beginnt ein erster Härtetest: Eine Verwaltung, die sich Jahrzehnte eingespielt hat, wird durcheinandergewirbelt. Wird alles klappen?
          Die Dividenden ersetzen die Zinsen nicht.

          Die Vermögensfrage : Die Dividende ist nicht der neue Zins

          In Zeiten abgeschaffter Zinsen werden neue Anlagemöglichkeiten gesucht und gefunden: die Dividende. Ein guter Tausch? Dividendentitel können ein attraktiver Bestandteil der eigenen Aktienanlagestrategie sein, den Zins aber ersetzen sie nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.