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Fragen und Antworten : Wer zahlt für abgesagte Reisen?

Reisender mit Atemmaske in der Flughafenbahn am New Yorker JFK-Flughafen Bild: AFP

Die Vereinigten Staaten haben ein weitgehendes Einreiseverbot erlassen. Wer kommt für die Kosten auf? Und wer zahlt, wenn man sein Urlaubshotel nicht mehr verlassen darf?

          4 Min.

          In welche Länder darf man nicht mehr reisen?

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit dem Einreiseverbot für Menschen aus dem europäischen Schengen-Raum, darunter auch Deutschland, haben die Vereinigten Staaten eine drastische Maßnahme ergriffen. Sie gilt für vorerst vier Wochen. Indien erklärte mit Wirkung vom 13. März allen an Ausländer erteilten Visa für ungültig - vorerst bis zum 15. April, was einem umfassenden Einreiseverbot gleich kommt. Mit Tschechien untersagte ein direktes Nachbarland Deutschlands die Einreise für Bundesbürger ohne Wohnsitz in Tschechien.

          Die ersten Beschränkungen hatte China eingeführt. Eine ausdrückliche Reisewarnung des Auswärtigen Amts gibt es allerdings nur für die Provinz Hubei. Von nicht notwendigen Reisen in das übrige China wird bis auf weiteres abgeraten. Wer dennoch dorthin reist, dem wird empfohlen, sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts einzutragen. In Italien ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt, formal gilt das ganze Land als Sperrzone. Dort darf man nur unterwegs sein, wenn es aus beruflichen, gesundheitlichen oder anderweitigen dringenden Gründen notwendig ist. Die österreichische Bahn hat den Personenverkehr von und nach Italien vorerst eingestellt.

          Andere Länder haben zwar kein grundsätzliches Einreiseverbot verhängt, aber Hürden aufgestellt. Wer nach Israel, Zypern oder nach Moskau kommt, müsste sich aber zunächst in eine zweiwöchige Quarantäne begeben. Eine Übersicht gibt das Auswärtige Amt.

          Wer zahlt die zwangsweise Verlängerung einer Pauschalreise, wenn ein Urlaubshotel unter Quarantäne gestellt wird?

          Für Urlauber ist es ein Schock, wenn sie ihre Unterkunft nicht mehr verlassen dürfen. Und letztlich geklärt ist auch nicht, wer die Kosten für die längere Unterbringung tragen muss. Schlimmstenfalls muss sogar der betroffene Pauschalreisende selbst zahlen, wenn sich sein Reiseveranstalter nicht kulant zeigt. Kann ein Hotel nicht mehr verlassen werden, dürfte das als ein Reisemangel gelten. Und nach deutschem Recht sind Reiseveranstalter im Zuge der sogenannten Mängelabhilfe verpflichtet, die Kosten für bis zu drei Nächte zu tragen. Auch die Mehrkosten für einen möglicherweise teureren Rückflug zu einem späteren Zeitpunkt müssen sie tragen.

          Eine Quarantäne dauert aber meist 14 Tage – und für diesen Fall gibt es keine gesetzlich festgeschriebene Regelung. Auch der Ausweg, wegen des stark eingeschränkten Urlaubs noch vor Ort den Reisevertrag zu kündigen, dürfte die Lage des Kunden kaum verbessern. Dass der Reiseveranstalter dann für alle Mehrkosten aufkommen muss, ist nur für den Fall geregelt, dass dem Reiseveranstalter ein Verschulden der Umstände nachzuweisen ist, was beim Auftreten von Coronafällen kaum möglich sein dürfte – zumal die Quarantäne behördlich angeordnet wird.

          Wie verhält es sich mit reinen Hotelbuchungen, wenn die Unterkunft nicht verlassen werden darf?

          Zunächst kann dem Reisenden nur geraten werden, den Austausch mit dem Hotel zu suchen. Möglicherweise könnten sich Ansprüche des Hoteliers gegen Behörden seines Landes ergeben, von denen er Mehrkosten zurückverlangen kann. Auch staatliche Hilfsprogramme für den Tourismus könnten sich als Hilfe erweisen.

          Muss ein Hotelzimmer bezahlt werden, das wegen Reisebeschränkungen nicht mehr erreicht werden kann?

          Wenn der Reisende schon vorsorglich seine Buchung storniert, kommt es auf die Vertragskonditionen an. Sahen die keine kostenfreie Stornierung vor, bleibt ein Anspruch des Hoteliers bestehen. Steht das Hotel unter Quarantäne oder liegt es in einer Zone mit Einreiseverboten, ist es dem Reisenden aber faktisch nicht mehr möglich anzureisen, selbst wenn er es wollte. Höchstwahrscheinlich wäre es dem Hotelier auch nicht mehr möglich, eine geregelte Unterbringung samt Service anzubieten. In diesem Fall ist davon auszugehen, dass der Kunde nicht zahlen und das Hotel auch nicht die gebuchte Beherbergungsleistung erbringen muss. In jeden Fall ist eine direkte Kontaktaufnahme ratsam.

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