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Eingebautes Verfallsdatum : Heute Traumprodukt, morgen Elektroschrott

Kunde, komm bald wieder: Mitarbeiter von Apple beglückwünschen einen Kunden zum Kauf Bild: AP

Manche Weihnachtsgeschenke haben eine kurze Lebenserwartung. Bald schon wird es wieder Zeit für ein neues Smartphone oder einen neuen Tabletcomputer. Die Hersteller freut das sehr. Und die Kunden?

          Für Menschen, die schon alles haben, hat die Elektronikbranche eine Lösung parat. Produkte, die gerade erst unter dem Weihnachtsbaum lagen, werden mit großer Gewissheit in rund fünf Jahren kaum noch brauchbar sein, selbst wenn sie technisch überhaupt keinen Mangel haben. Aus diesem Grund dürften sich in den vergangenen Wochen viele Menschen endgültig von der ersten Generation ihrer iPad-Tabletcomputer oder iPhone-Mobiltelefone getrennt haben.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Auch wenn die Kapazität des Akkus kaum nachgelassen hat, das Display nicht erkennbar dunkler geworden ist und das Gerät auch sonst den Eindruck macht, es könne noch viele Jahre lang durchhalten: Es lässt sich nicht mehr auf eine neuere Betriebssystemversion „updaten“, wie es neudeutsch heißt. Zudem ist der eingebaute Speicher zu klein, womit in diesem Fall der Arbeits- beziehungsweise Hauptspeicher des iPad gemeint ist, eine Komponente des zentralen Mikroprozessors. Das führt dazu, dass viele neue Zusatzprogramme, die sogenannten „Apps“, entweder gar nicht mehr funktionieren oder regelmäßig „abstürzen“, also während der Arbeit mit ihnen unwillkürlich den Betrieb einstellen.

          Die Erfahrung der Vergangenheit lehrt, dass es den aktuellen Modellgenerationen kaum besser ergehen wird. Zumal sich die Hersteller immer wieder neue Dinge einfallen lassen, welche die teuren Geräte auf den ersten Blick möglicherweise hübscher, aber nicht haltbarer werden lassen. So ließ sich – im Gegensatz zu den Nachfolgemodellen – das erste iPad noch ohne eine Heißluftpistole öffnen und sich deshalb der Akku einfacher austauschen. Doch wer achtet beim Kauf schon auf solche Dinge?

          Es werden fast keine Updates angeboten

          Angesichts des überbordenden Verkaufserfolgs der vergangenen Jahre dürften derartige Erlebnisse eines „eingebauten Verfalls“ zwar besonders häufig mit Geräten von Apple vorkommen. Aber mit Produkten anderer Hersteller ist man vor dem Phänomen auch nicht gefeit. Alsbald ist auch hier die alte Hardware nicht mehr leistungsfähig genug, um mit den Anforderungen der neuesten Software Schritt zu halten.

          Früher kannte man dieses Phänomen von seinem Personalcomputer unter dem Schreibtisch. Inzwischen sind diese Geräte zum einen aber leistungsfähig genug, zum anderen sinken die Anforderungen, die aktuelle Betriebssysteme an die Hardware dieser Rechner stellen, eher. Der Druck, die Geräte in schneller Folge auszutauschen, ist zum Leidwesen der Hersteller entfallen. Heute sind die mobilen Geräte der Renner, also schlägt das „eingebaute Verfallsdatum“ dort brutaler zu. Versucht man ein Update der Betriebssysteme beziehungsweise der sogenannten Firmware, werden ältere Geräte in der Regel immer langsamer, sofern der Hersteller ein solches Update überhaupt zulässt.

          Sind sie aber erlaubt, sind sie grundsätzlich wichtig, um die Sicherheit des mobilen Geräts vor unerwünschten Zugriffen zu erhöhen. Also wird man kaum auf sie verzichten wollen. „Bei Geräten mit Apples Betriebssystem iOS kann dieser Effekt nach etwa drei Jahren eintreten – Android-Smartphones erhalten im Gegensatz dazu oft gar keine oder nur kurz Updates“, heißt es dazu jüngst in der Computerzeitschrift „Chip“. Denn in der Branche wird das Thema unter interessierten Nutzern natürlich längst heiß diskutiert. „Ob Flachbildfernseher, Smartphones oder andere elektronische Geräte: Gerade die großen Markenhersteller unternehmen enorme Anstrengungen, ihre Geräte so zuverlässig und langlebig wie möglich zu konstruieren. Hersteller, deren Geräte kurz nach Ablauf der Garantie- oder Gewährleistungszeit Defekte haben, enttäuschen ihre Kunden und verlieren zwangsläufig gegenüber dem Wettbewerb“, sagt dazu Bernhard Rohleder, der Präsident des IT-Branchenverbandes Bitkom.

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